Viel Wasser trinken: Das verbraucht Kalorien

- Dass überflüssige Pfunde purzeln, wenn man seinem Körper viel Wasser zuführt, wird in der Erfahrungsmedizin schon lange propagiert. Wasser ist daherwichtiger Bestandteil vieler Diäten. Doch auf die Frage, warum und wie Wasser das Abspecken begünstigt, gab es bislang kaum vernünftige Erklärungen. Nun aber haben Wissenschaftler um Dr. Michael Borgmann und Dr. Jens Jordan am Clinical Research Center der Franz-Volhard-Klinik in Berlin-Buch in einer aufwändigen und aussagekräftigen Studie gezeigt, wie es funktionieren könnte. Wasser aktiviert nach ihren Untersuchungen über bestimmte Bindungsstellen im Körper das sympathische Nervensystem und sorgt so für einen höheren Energieumsatz.

<P>Ähnlich wie bei der Nahrungsaufnahme bildet sich auch beim Wassertrinken Wärme im Körper, die sofort abgegeben wird. Ein Effekt, der als Thermogenese bezeichnet wird.<BR><BR> Zwei Liter Wasser am Tag, also die empfohlene Trinkmenge, verbrauchen danach etwa 150 kcal. Übers Jahr gesehen könnte man alleine durch Wassertrinken bis etwa drei Kilo Fett verlieren, wobei kaltes Wasser den Energieverbrauch am stärksten ankurbelt. Dabei gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Während bei Frauen die Energie durch Oxidation von Kohlenhydraten geliefert wird, steht bei Männern die Fettverbrennung im Vordergrund, und zwar hauptsächlich im Muskel und weniger im Fettgewebe. <BR><BR>Michael Boschmann hat bei seinen Forschungen vor allem das sympathische Nervensystem (SNS) im Blick. Dessen Hauptaufgabe besteht darin, den Körper auf eine Aktivität vorzubereiten und den dazu nötigen Energieverbrauch anzuregen. Das SNS versetzt den Körper gewissermaßen in Alarmbereitschaft und löst Fluchtverhalten aus. <BR><BR> Typische Zeichen für ein aktives SNS sind beispielsweise ein beschleunigter Herzschlag, schnelle Atmung und erhöhter Blutdruck. Die Muskeln von Herz und Lunge erhalten dabei das Signal über so genannte Beta-Rezeptoren. Werden diese gehemmt (etwa durch Beta-Blocker), normalisiert sich die Aktivität der angesteuerten Muskeln. <BR><BR>"Aus klinischen Beobachtungen wissen wir, dass bei Patienten mit einem versagenden autonomen Nervensystem Wasser wahre Wunder wirkt. Solchen Menschen wird beim Aufstehen normalerweise schwarz vor Augen. Trinken sie vorher Wasser, steigt der Blutdruck und sie können problemlos das Bett verlassen", berichtet Boschmann. "Auch bei gesunden älteren Menschen erhöht Wasser den Blutdruck, nicht jedoch bei den jüngeren", sagt Jens Jordan. Das ließ die Berliner Ernährungsmediziner vermuten, dass die Wirkung von Wasser eventuell über das SNS vermittelt wird.<BR><BR> Da dieser Teil des Nervensystems auch in der Regulation des Stoffwechsels eine zentrale Rolle spielt, prüften sie, ob Wassertrinken den Energieumsatz steigert, und wenn ja, ob es dabei zu Veränderungen im Stoffwechsel des Fettgewebes kommt. <BR>Ergebnis: Bei allen 14 Testpersonen stieg der Energieumsatz, wenn sie einenhalben Liter Wasser innerhalb weniger Minuten tranken, um über 30 Prozent. Wurde vorher ein Beta-Blocker verabreicht, blieb der Effekt aus. <BR>Damit sind sich die Berliner Mediziner sicher, dass der mensch mit Wassertrinken über eine zumindest teilweise Aktivierung des SNS Energie verbraucht. Ob sich der Effekt zur Behandlung von Übergewicht nutzen lässt, bezweifelt Boschmann jedoch: Bei einigen Übergewichtigen, so die Datenlage, scheint das SNS nicht richtig zu funktionieren. <BR>Weitere Studien müssen nun zeigen, ob es Sinn macht, Energieverluste generell durch Wasser auszugleichen. Als gesichert gilt aber: Wasser gegenüber Softgetränken vorziehen. Und möglicherweise wird der Wassereffekt bei künftigen Diätplanungen mit berücksichtigt werden müssen.<BR><BR>Wasser beeinflusst über die Magenfüllung auch das Sättigungsgefüh: Prof. Volker Pudel von der ernährungspsychologischen Forschungsstelle der Uni Göttingen erklärt, dass durch Trinken eines Viertel Liter Wassers die Nahrungsmenge um durchschnittlich 13 Prozent gesenkt wird. "Da Wasser keine Energie liefert, ist jeder Nahrungsersatz durch Wasser ein Gewinn für die negative Energiebilanz", sagt er. <BR><BR> Der Amerikaner Dr. Faridun Batmanghelidj meint, dass wir durch die Chemie in modernen Getränken verlernt haben, zwischen Durst und Hunger zu unterscheiden. "Wir essen oft, wenn wir eigentlich durstig sind", sagt er, "ein Hauptgrund für das Übergewicht. Wasser könne das natürliche Durstgefühl wieder herstellen, man würde automatisch weniger essen und Gewicht verlieren, meint er. Seine Theorie, wonach unser Gehirn seine Energie aus der Wirkung von Wasser an Zellmembranen erhält und nicht aus der Verwertung von Zucker, teilen die deutschen Forscher allerdings nicht.</P>

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