Viele Fragen: Von der Grippe bis zu den Windpocken

- Zwei Mediziner geben Ratschläge und Tipps

<P>Leser (54) aus München: Sollte man eigentlich Jugendliche nicht gegen Grippe impfen, sondern nur ältere Menschen und chronisch Kranke?<BR><BR>Frühwein: Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Grippeimpfung vor allem Menschen über 60 und den Risikogruppen, aber wir in Bayern sagen, jeder sollte geimpft sein, der mit vielen Menschen zusammenkommt. Jugendliche überstehen die Influenza zwar besser, aber sie sind auch 14 Tage schwer krank. Die Krankenkassen zahlen für jede Grippeimpfung.<BR><BR>Leserin (71) aus Poing: Ich habe im letzten Jahr die Impfung gegen Influenza nicht vertragen, sondern gleich danach einen schweren Infekt gehabt. Auch sonst soll es ja Nebenwirkungen geben.<BR><BR>Frühwein: Eine echte Grippe kann durch die Impfung nicht verursacht werden, weil es sich hier um einen Totimpfstoff handelt. Erkältungen können Sie aber trotz Impfschutz kriegen. Zu den Nebenwirkungen: Der geimpfte Arm kann schmerzen, machmal tritt auch leichtes Fieber auf. Sie sollten keine Hühnereiweißallergie haben und kein akutes Fieber.<BR><BR>Leserin (30) aus München: Mein Sohn war ein Frühchen und kam in der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt. Bei der Geburt wog er nur 930 Gramm. Kann ich ihn jetzt gegen Grippe impfen lassen? Er ist nun ein Jahr alt. <BR><BR>Lindlbauer: Sie sollten ihn auf jeden Fall impfen lassen, da er als ehemaliges Frühchen zur Risikogruppe gehört. Um einen Vollschutz zu erlangen, werden die Kinder zweimal geimpft, mit jeweils der halben Dosis. Die Grippe-Impfung vertragen Kinder sehr gut, da ein Totimpfstoff verwendet wird.<BR><BR>Leserin (40) aus Fürstenfeldbruck: Jetzt gibt es ja die neue Windpockenimpfung. Soll ich meine Kinder, 14 und 15 Jahre alt, dagegen impfen lassen? Es heißt doch immer, dies sei eine harmlose Kinderkrankheit.<BR><BR>Lindlbauer: Windpocken, also Varizellen, sind zwar nicht generell eine lebensbedrohliche Krankheit, aber es gibt Komplikationen, vor allem neurologische Erkrankungen, Superinfektionen der Haut und Lungenentzündungen. Es gibt auch immer wieder Todesfälle, in Deutschland im letzten Jahr vier, in den USA 90. Darum empfehle ich die Impfung. <BR><BR>Leserin (80) aus Hechendorf: Mein Arzt sagt, in meinem Alter sollte ich mich nicht nur gegen Grippe, sondern auch gegen Lungenentzündung impfen lassen.<BR><BR>Frühwein: Ja, er meint die Pneumokokkenimpfung. Die kann man mit einer Grippeimpfung kombinieren. Während der Schutz gegen Influenza jedes Jahr erneuert werden muss, haben Sie mit dem Pneumokokken-Impfstoff einen Schutz für sechs Jahre.<BR><BR>Leserin (32) aus Grafing: Ich bekomme bald mein zweites Kind. Schade ich dem Ungeborenen, wenn ich mich jetzt gegen Grippe impfen lasse? <BR><BR>Lindlbauer: Eine Impfung ist ohne Probleme auch für Schwangere in der 2. Hälfte der Schwangerschaft möglich und gefahrlos für das Kind. Sie wird z.B. in den USA empfohlen, wenn der Geburtstermin in die Grippezeit fällt. Das Kind erhält dadurch ebenfalls einen Impfschutz, der nach der Geburt aber wieder verloren geht.<BR><BR>Leserin (77) aus München: Seit einem Jahr muss ich Marcumar zur Blutverdünnung nehmen. Meine Ärztin sagt, darum könnte ich nicht geimpft werden.<BR><BR>Frühwein: Doch, das können Sie, denn der Impfstoff wird mit einer sehr dünnen Kanüle in den Oberarm injiziert. Sie haben danach höchstens einen größeren blauen Fleck.<BR><BR>Leserin (30) aus Freising: Ich muss nach einer Zahnbehandlung noch einige Zeit ein Antibiotikum nehmen. Wirkt denn da die Grippeimpfung? </P><P>Frühwein: Der Impferfolg wird durch Antibiotika nicht beeinträchtigt.<BR><BR>Leser aus München: Ich habe zwei Töchter (15 Monate und dreieinhalb Jahre). Sollte ich sie gegen Windpocken impfen lassen?<BR><BR>Lindlbauer: Ja, Kinder sollten nach den neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission im zweiten Lebensjahr gegen Windpocken (Varizellen) geimpft werden. Auch später ist noch eine Impfung möglich, wenn die Kinder noch keine Windpocken hatten. Denn es gibt doch ab und zu sehr schwere Komplikationen bei dieser scheinbar harmlosen Infektionskrankheit. Wenn Kinder schon ganz normal Windpocken bekommen haben, brauchen sie keine Impfung mehr, allerdings besteht die Gefahr, dass sie später als ältere Erwachsene eine Gürtelrose bekommen. Sollten Ihre beiden Kinder ohne Impfung nacheinander jeweils die Windpocken bekommen, dann bedeutet das für die Familie eine Belastung, da die Kinder jeweils eine Woche nicht in eine Gemeinschaftseinrichtung, wie z.B. den Kindergarten dürfen.<BR><BR>Leserin (69) aus München: Ich habe Fibromyalgie. Gegen Grippe bin ich noch nie geimpft worden, und meine Ärztin ist unsicher, ob es sinnvoll wäre. Außerdem lebt meine 90-jährige Mutter bei mir.<BR><BR>Frühwein:  Sie sind in Ihrem Alter gefährdet, vor allem wenn Sie bereits Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente nehmen. Wegen Ihrer Erkrankung brauchen Sie nicht auf die Impfung zu verzichten. Und wenn Sie einen Impfschutz haben, dann ist auch Ihre Mutter zu Hause vor Einschleppung der Grippe geschützt.<BR><BR>Leserin aus München: Meine Tochter will ihren Sohn (11 Monate) überhaupt nicht impfen lassen. Wie kann ich sie davon überzeugen, dass dies sinnvoll ist?<BR><BR>Lindlbauer: Ein Neugeborenes hat einen natürlichen Schutz vor Infektionen von der Mutter. Dieser geht aber nach wenigen Monaten verloren. Jedes Kind sollte danach zumindest die Grundimmunisierung erhalten. Das ist zunächst eine Mehrfachimpfung gegen Diphtherie, Hepatitis B, Tetanus (also Wundstarrkrampf), Keuchhusten, Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Hib. Die modernen Impfstoffe sind mittlerweile sehr gut verträglich und die meisten sind auch frei von Konservierungsstoffen, es sind also auch keine Allergien zu befürchten. <BR><BR>Leserin (79) aus München: Werden die Nebenwirkungen nicht unterschätzt? Zwei Wochen nach einer Grippeimpfung brach vor zwei Jahren bei mir eine Polymyalgia rheumatica aus. Kann das Impfen Einfluss darauf gehabt haben? Im Jahr davor bekam ich eine Bronchitis.<BR><BR>Frühwein: Wir wissen leider noch nicht, wodurch die Polymyalgia rheumatica, eine entzündlich-rheumatische Muskelerkrankung, ausgelöst wird. In der Literatur ist über eine Impffolge nichts beschrieben. Aber Ihr Arzt sollte für alle Fälle eine Nebenwirkungsmeldung machen, damit das näher gepüft wird. Die Bronchitis hat nichts mit einer Impfung zu tun, daran kann man gerade in der nasskalten Herbst- und Winterzeit sehr leicht erkranken.<BR><BR>Leserin (24) aus Bamberg: Ich habe eine Fruchtzucker-Milchzucker-Intoleranz, dazu habe ich eine spezielle Diät gemacht. Mein Immunsystem ist schwach. Kann ich mich trotzdem jetzt gegen Grippe impfen lassen?<BR><BR>Lindlbauer: Ja gerade deshalb. Es besteht für Sie kein Risiko bei einer Grippe-Impfung. Auch Diphtherie-, Tetanus- und Polio-Impfungen können Sie durchführen lassen.<BR><BR>Leser aus dem Landkreis München: Ich bin schon 80. Mein Arzt sagt, auf die Impfung sollte ich verzichten, weil ich mit Kortison behandelt werde.<BR><BR>Frühwein:  Es gibt stärkere Spezial-Influenzaimpfstoffe, deren Partikel der Struktur echter Viren nachgebaut sind. Sie lösen eine höhere Immunreaktion aus und damit einen höheren Antikörperschutz. Diese empfehle ich für Patienten, die wegen ihres hohen Alters oder einer schweren Krankheit eine geschwächte Abwehr haben oder die sich gerade einer Behandlung mit Kortison unterziehen.<BR><BR>Leserin (79) aus Schongau: Ich hatte letzte Woche bereits einen grippalen Infekt. Nächste Woche habe ich eine Knieoperation. Kann ich mich jetzt dazwischen impfen lassen?<BR><BR>Lindlbauer: Nach einer Impfung sollte man drei Tage dem Körper nicht zuviel zumuten. Es ist besser, wenn Sie sich erst nach der Operation impfen lassen. Vor Operationen wird auch mindestens ein Abstand von drei Tagen empfohlen, um zu vermeiden, dass Nebenwirkungen der Impfung nicht mit Beschwerden durch die Narkose oder Operation verwechselt werden können.<BR><BR>Leserin (62) aus Dachau: Ich fliege nach China, welche Impfungen empfehen Sie mir da? Muss ich etwas gegen Malaria tun?<BR><BR>Frühwein: Malaria gibt es nur im Süden Chinas. Sie sollten sich aber bei einer Asienreise unbedingt gegen Grippe impfen lassen. Im übrigen sollten Sie gegen Tetanus, Poliomyelitis, Diphtherie und Hepatitis A und B einen Impfschutz haben.<BR><BR>Leserin (64) aus München: Unser Sohn (9) hat immer wieder allergisch auf Impfungen reagiert. Sollen wir es noch einmal versuchen, ihn impfen zu lassen?<BR><BR>Lindlbauer: Ja, Sie sollten es ruhig noch einmal probieren. In den letzten Jahren sind die Impfstoffe immer verträglicher geworden. Es werden zum Beispiel weniger oder gar keine Konservierungsstoffe in den Impfstoffen verwendet. Ihr Junge ist jetzt in einem Alter, in dem er einen Grundimpfschutz haben sollte. Lassen Sie ihn mit einer Kombination gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten,Poliomyelitis, Hepatitis B, Masern und Mumps impfen. <BR><BR>Leserin (66) aus Dorfen: Sollte man bei Blutkrebs, in diesem Fall Chronisch Myeloischer Leukämie, gegen Grippe impfen? Mein Hausarzt meint ja.<BR><BR>Frühwein: Er hat recht. Denn die Impfung bildet nur Antikörper zur Abwehr, sie schwächt das Immunsystem nicht. Eine Grippe dagegen könnte sehr gefährlich für Sie sein. Deshalb rate ich Ihnen zum Impfschutz.<BR><BR>Leserin (41) aus Garmisch-Partenkirchen: Ich fliege mit meinem Mann nach Kenia. Wir wollen uns aber die sehr lange Malariaprophylaxe ersparen. Gibt es nicht etwas anderes?<BR><BR>Frühwein: Es gibt eine Prophylaxe, die man einen Tag vor bis sieben Tage nach dem Aufenthalt nehmen kann, oder als Notfallmedikament bei Fieberausbruch an drei Tagen, je vier Tabletten. Dabei handelt es sich um die Wirkstoffe Atovaquone und Proguanil. Leider ist das Medikament teuer, es kostet 55 Euro für eine 12er-Packung.<BR><BR>Leserin (35) aus München: Ich fliege nächste Woche nach Kapstadt (Südafrika). Muss ich mich gegen Malaria impfen lassen? Ich habe gehört, dass ich nach einer Hepatitis A und B-Impfung eventuell Multiple Sklerose bekommen könnte.<BR><BR>Lindlbauer: Wenn Sie nur eine Stadtreise unternehmen, brauchen Sie keine Malariaprophylaxe (eine echte Impfung gibt es noch nicht). Eine Hepatitis A und B-Impfung ist sinnvoll bei dieser Reise. Dass Sie davon Multiple Sklerose bekommen könnten ist eine falsche Information.<BR><BR>Leser (38) aus München: Ist der Grippeimpfstoff ein Lebend- oder Totimpfstoff? Und was hat der mit Eiweißallergie zu tun?<BR><BR>Frühwein: Es handelt sich um einen Totimpfstoff, einen so genannten Spaltimpfstoff, bei dem nur Bruchstücke aus der Virushülle verwendet werden. Die derzeit verbreiteten Influenza-Impfstoffe werden in befruchteten Hühnereiern herangezüchtet. Für eine raschere Produktion hat eine Firma inzwischen ein anderes Verfahren entwickelt, bei dem der Influenza-Impfstoff in einem serum- und proteinfreien Zellkulturmedium entsteht. Doch eine Großproduktion ist erst für 2005 geplant.<BR><BR>Leserin aus München: Ich habe eine Schwester (34) mit Down-Syndrom und einer Herz-Lungen-Schädigung, die bisher gar nicht geimpft wurde. Sie ist sehr oft krank. Ist es für sie sinnvoll, jetzt einen Impfschutz aufzubauen?<BR><BR>Lindlbauer: Sie sollten unbedingt einen Impfschutz aufbauen, sobald sich Ihre Schwester gesund fühlt. Lassen Sie zunächst eine Grundimmunisierung bei ihr durchführen. Dazu empfehle ich eine Pneumokokken- und Influenza-Impfung. <BR><BR>Leserin (65) aus Allershausen: Alle Jahre bekomme ich zwei bis drei Mal eine Grippe. Ich liege jetzt schon wieder im Bett, wohl angesteckt durch meine Enkelkinder. Was kann ich tun?<BR><BR>Frühwein: Ihre Grippeerkrankung ist sicher keine Influenza, aber wenn Sie besonders anfällig sind, besteht der Verdacht, dass Ihr Immunsystem nicht so richtig funktioniert. Vielleicht lassen Sie sich mal Gammaglobulin zur besseren Immunisierung spritzen.<BR><BR>Leserin (27) aus Oberding: Ich würde mich gerne gegen Grippe impfen lassen. Mein Sohn ist fünf Monate alt, ich stille ihn noch. Ist eine Impfung schädlich für mein Kind? <BR><BR>Lindlbauer: Sie können sich gefahrlos impfen lassen. Dadurch können Sie auch Ihr Kind schützen, weil Sie dann keine Grippe bekommen werden.<BR><BR>Leserin (60) aus dem Landkreis Ebersberg: Ich habe seit langem eine chronische Bronchitis. Kann ich mich gegen Grippe impfen lassen? <BR><BR>Frühwein: Ja, Sie sollten sich sogar unbedingt impfen lassen. Sie gehören einer Risikogruppe an. Eine Virusgrippe könnte Ihre Grunderkrankung verschlimmern. </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Amazons Alexa: Einkaufen per Sprache von Anfang an aktiviert
Sprachassistenten wie Alexa sollen Nutzern Arbeit abnehmen - auch beim Bestellen von Produkten. Mancher fürchtet aber, dass dann ein unbedachter Satz gleich eine …
Amazons Alexa: Einkaufen per Sprache von Anfang an aktiviert
Streamingdienste bieten mehr als Musikplayer-Apps
Die CD-Sammlung verstaubt mittlerweile bei vielen im Regal. Die Musik ist digitalisiert und wird mit einem Player an Rechner oder Smartphone abgespielt - wenn denn …
Streamingdienste bieten mehr als Musikplayer-Apps
Private Nachrichten von anderen nicht veröffentlichen
Eine persönliche Nachricht sollte vor allem eins sein: privat und damit nicht für alle zugänglich. Wer dies nicht beachtet und Mitteilungen veröffentlicht, dem drohen …
Private Nachrichten von anderen nicht veröffentlichen
Android 7 läuft auf jedem fünften Gerät
Das Betriebssystem Android 7 ist etwas mehr als ein Jahr auf dem Markt. Dennoch läuft es schon auf jedem fünften Gerät. Dadurch rückte die Software in der Rangliste weit …
Android 7 läuft auf jedem fünften Gerät

Kommentare