Viele Leer-Stühle an Münchner Unis

- Eineinhalb Jahre oder länger ohne Chef - für ein Unternehmen wäre das unvorstellbar. An der Universität ist es jedoch gang und gäbe. Nicht selten werden Lehrstühle erst nach 18 Monaten wieder besetzt. So stehen derzeit nach Angaben des Sprechers Clemens Grosse an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München 34 von 700 Lehrstühlen leer. Bei der Technischen Universität (TU) in München sind es laut Sprecher Dieter Heinrichsen sogar 100.

Gründe für die langen Berufungsverfahren gibt es viele. So unterliegt eine frei gewordene Stelle ein halbes Jahr der Sperrfrist, dann erst darf sie ausgeschrieben werden. Bis alle Bewerbungen eingegangen sind, vergeht ein weiteres halbes Jahr. Dann sucht eine Berufungskommission geeignete Kandidaten aus. Drei bis vier Monate kann es dauern, bis Bewerbungsgespräche mit den Kandidaten geführt werden. Die Kommission schickt daraufhin eine Vorschlagsliste mit den besten drei an die Uni-Leitung. Diese wiederum prüft die Liste und leitet sie ans Wissenschaftsministerium weiter. Selbst wenn das Verfahren also optimal läuft, dauert es eineinhalb Jahre, bis ein Lehrstuhl neu besetzt ist.

Kandidaten und Universität werden nicht handelseinig

Doch es kann noch viel länger dauern, wie das Beispiel des Lehrstuhls für Genetik an der LMU zeigt. "Bei uns hat sich die Berufung von 2001 bis 2004 hingezogen", sagt Professor Michael Boshart vom Institut für Genetik an der LMU. Allerdings führt der Biologe das auf "unglückliche Verknüpfungen" zurück. Mit den ersten beiden Kandidaten auf der Berufungsliste wurde die Universität nicht handelseinig. Der dritte Kandidat war nach den langen Verhandlungen nicht mehr verfügbar, so dass die Stelle neu ausgeschrieben werden musste. Verhandelt wird meist über die Einrichtung der Labore. "Da geht es teilweise um mehrere 100 000 Euro, da die Geräte des Vorgängers meist schon veraltet sind", erläutert Boshart.

Der Genetikprofessor meint, dass man das langwierige Verfahren abkürzen könnte und weist auf einen hessischen Pilotversuch an der TU Darmstadt hin, bei dem sich das Ministerium aus dem Berufungsverfahren heraushält. Während der Berufung in Genetik hatte Boshart jedoch eine größere Sorge: "Jede Stelle, die länger nicht besetzt wird, droht gestrichen zu werden."

Auf eine mögliche Streichung von Stellen weist auch Thomas Honesz, Studentenvertreter der LMU hin. Vor allem Orchideenfächer wie Orientalistik seien gefährdet. Der Lehrstuhl für Orientalistik der LMU ist seit 2002 ohne leitenden Professor, momentan gibt es eine Vertretung. Noch länger wartet der Lehrstuhl für Bioinformatik der TU München auf einen Chef: Seit 2001 ist die Stelle vakant.

Die Studierendenvertreterin der TU München, Petra Kleiner, hält das Berufungsverfahren für Professuren gerechtfertigt: "Es muss eine wohlüberlegte Entscheidung sein, da ein Professor durchschnittlich 22 Jahre an einem Lehrstuhl bleibt."

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