"Vinland-Karte" eine Fälschung

- Die angeblich aus dem 15. Jahrhundert stammende Vinland-Karte, die einen Teil Nordamerikas schon vor der Landung von Christoph Kolumbus in der Karibik verzeichnet haben soll, ist nach Ansicht britischer Chemiker eine Fälschung. Das Team um Professor Robin Clark vom University College London ist sicher: Die Karte sei im 20. Jahrhundert gefälscht, berichten die Chemiker über eine Analyse der Tinte auf dem Pergament im "Journal of Analytical Chemistry" (Bd. 74, Nr. 15, Online-Vorab: DOI: 10.1021/ac025610r).

<P>Die vor rund 35 Jahren entdeckte Karte zeigt sehr detailliert die Länder West- und Nordeuropas sowie Grönland und Island. Westlich von Grönland ist eine weitere Insel oder ein Stück Land zu sehen. Dieses "Vinland" könnte ein Stück der Ostküste der USA oder Kanadas zeigen. Wenn die Karte echt wäre, könnte sie auf die Fahrten der Vikinger zurück gehen. Damit wäre Amerika schon vor Kolumbus gefunden und beschrieben worden. Das teure Dokument - sein Wert wird auf 20 bis 25 Millionen Dollar geschätzt - lagert heute in der Bibliothek der Yale University (USA).</P><P>Robin Clark hat die Karte nun mit Hilfe der Raman-Spektroskopie untersucht. Dabei streuen Farbpartikel einen auf die Karte gerichteten Laserstrahl in charakteristischer Weise zurück. Die Wellenlänge des reflektierten Lichts hängt dabei von der chemischen Zusammensetzung der Tintenpigmente ab. So hinterlassen die Farbstoffe eine Art Fingerabdruck.<BR>Die Spektroskopie brachte zu Tage, dass einige der gelben Linien auf der Karte die Substanz Anatase enthalten (Titandioxid). Diese Verbindung lässt sich aber erst seit der Zeit um 1923 herum synthetisieren, erklärt Clark. Dies sei ein "starker" Hinweis auf eine Fälschung. Zudem habe sich die Substanz nur in diesen Linien gefunden, was beweise, dass sie Bestandteil der Tinte sei und nicht das Ergebnis einer späteren Verunreinigung der Karte.</P><P>Andere Forscher hatten die gelbe Färbung der Linien gerade als Hinweis für die Echtheit der Karte gewertet. Die im 15. Jahrhundert verwendeten Tinten enthielten häufig Eisen, welches das Pergament im Laufe der Zeit brüchig und gelb werden ließ. Die zum Zeichnen verwendete Tinte enthält aber kein Eisen, sondern Kohlenstoff. Ein cleverer Fälscher könnte die typische gelbe Verfärbung mit einem zweiten Tintenstrich simuliert haben, meint Clark.</P>

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