"Viren-Hochzeit" macht den Experten Sorgen

- München - Flugreisende, die mit Fieber aus Thailand, Kambodscha oder China zurückkommen, müssen nicht gleich befürchten, an Vogelgrippe erkrankt zu sein. Viel wahrscheinlicher ist ein normaler grippaler Infekt; es könnte sich aber auch um eine Influenza handeln - schließlich ist (Virus-)Grippezeit. Deshalb empfiehlt Prof. Thomas Löscher, Leiter des Münchner Uni-Instituts für Infektions- und Tropenmedizin, dass man sich bei einer Reise nach Asien allgemein vor Infektionen schützen sollte.

<P>"Vogelmärkte und Geflügelzuchteinrichtungen sollte man derzeit keinesfalls besuchen", betont der Tropenmediziner, aber generell nicht nach Asien zu reisen, dafür gibt es bisher keinen Grund."<BR><BR>Der Mediziner, der in engem Kontakt mit der Weltgesundheitsbehörde WHO steht, erläutert die Situation genauer: "Mit der Vogelgrippe steckt man sich derzeit nur im Kontakt mit den Tieren an. Vermutungen, wonach zwei Krankenschwestern in Thailand sich bei ihrem inzwischen verstorbenen Bruder angesteckt haben könnten, sind reine Spekulation. Denn der Bruder wurde verbannt, ehe man auch nur an Grippe dachte." <BR><BR>Die WHO empfehle aber jenen Menschen, die einen direkten Kontakt mit Vögeln nicht vermeiden können, etwa Soldaten, die zur Geflügelvernichtung abkommandiert sind, die Grippeschutzimpfung. Zum einen deshalb, damit es nicht zu einer Doppelinfektion (und damit einer möglichen Virenverbindung) kommt. Außerdem aber könnte die Grippeimpfung doch auch einen möglichen Schutz bedeuten.<BR><BR>"Ein Gen aus dem Vogelgrippe-Erreger ist auch in Influenza-Viren Grippeimpfstoff enthalten", erläutert Löscher. Außerdem würde auf Empfehlung der WHO die vorbeugende Einnahme von modernen Grippemitteln (Neuraminidase-Hemmer) erprobt, die bei Influenza-Kranken eine Virusvermehrung erfolgreich stoppen, wenn sie binnen 48 Stunden eingenommen werden.<BR><BR>Der Münchner Tropenmediziner warnt vor "Horrorszenarien mit Killerviren", hält aber auch nichts von Verharmlosung. "Wenn der Erreger der Tierseuche sich mit einem Influenza-Erreger im menschlichen Körper oder auch im Schwein verbindet, dann könnten die Nachkommen hochansteckend werden." Die Viren, die familiär verwandt sind, tauschen bei einer solchen "Hochzeit" Genabschnitte aus. Das ist es, wovor sich Experten bei der WHO und in virologischen Labors fürchten. Doch bisher gibt es dafür keine Anzeichen. <BR><BR>Auch Klaus Stöhr, Leiter des WHO-Grippeprogramms der Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte gestern in Genf, dass sich nach den bisherigen Ereignissen die Gefahr einer Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch nicht erhöht habe. Man wolle das "nicht herunterspielen, aber unsere Besorgnis ist nicht gewachsen."<BR><BR>Ein erster Vogelgrippe-Verdachtsfall in Deutschland hat sich nach Angaben des Hamburger Tropeninstituts nicht bestätigt. <BR></P><P><BR> </P>

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