Vogelgrippe-Virus ändert schnell Struktur

- Hamburg/Osnabrück - Eine durch veränderte Vogelgrippe-Viren ausgelöste Pandemie könnte nach Befürchtungen der Bundesärztekammer zehntausende Menschen in Deutschland töten. Der Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer, Professor Christoph Fuchs, sagte in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagausgabe): "Wir beobachten mit Sorge, dass sich das Vogelgrippe-Virus H5N1 in seinen Strukturen sehr schnell ändert." Falls eine Variante entstünde, die von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, sei es nur eine Frage der Zeit, wann diese Grippewelle Deutschland erreicht.

In einem solchen Fall rechnet die Ärztekammer mit Versammlungsverboten und Reisebeschränkungen. Zur Abwehr der Vogelgrippe treten in Deutschland an diesem Sonntag weitere Auflagen in Kraft.

Nach den von Bundesverbraucherminister Jürgen Trittin (Grüne) erlassenen Bestimmungen, dürfen von diesem Sonntag an Geflügelmärkte und -ausstellungen nur noch genehmigt werden, wenn die Tiere zwei Wochen vor der Veranstaltungen in geschlossenen Ställen gehalten wurden und Tierärzte keine Krankheiten feststellen. Hausgeflügel darf kein Wasser aus Flüssen und Seen mehr zu trinken bekommen. Dies soll verhindern, dass Geflügel über Trinkwasser mit dem Kot von Zugvögeln in Kontakt kommt. Wird Geflügel nicht ausschließlich in Ställen gehalten, dürfen die Tiere nur noch dort gefüttert werden, wo Zugvögel nicht hinkommen.

Eine frühere Eilverordnung umfasst ein generelles Freilaufverbot, Importverbote für Geflügel und Geflügelprodukte aus den von der Vogelgrippe betroffenen Gebieten sowie ein generelles Importverbot für Wild- und Ziervögel.

Auf das Importverbot nach Vorgaben der Europäischen Union reagierten deutsche Zoohändler gelassen. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) befürchtet aber einen "immensen wirtschaftlichen Schaden" für Großhändler, die auf Ziervögel spezialisiert sind. Nach dem Ergebnis einer dpa-Umfrage führen viele Händler in Deutschland aber keine aus dem Ausland eingeführten Vögel, sondern kaufen die Tiere bei heimischen Züchtern. Grund seien unter anderem die seit Jahren verschärften Einfuhrrichtlinien und lange Quarantänezeiten.

In Europa wurde zuletzt das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 bei einem in der vergangenen Woche verendeten Fischreiher aus Ost-Rumänien nachgewiesen. Frühere Fälle in Rumänien stammten aus dem Donaudelta. Bei den drei aus Thailand zurückgekehrten Franzosen von der Insel Runion konnte der Verdacht auf Infektion mit dem Virus ausgeräumt werden. Kontrolltests am Forschungsinstitut Pasteur in Paris ergaben, dass die Franzosen sich mit einem anderen Grippe-Virus infiziert hatten.

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