Volksmärchen für kulturelles Verständnis

- Aufmerksam verfolgt Ibrahim Muhawi das Geschehen im Nahen Osten. Ob nun, nach dem Tode Jassir Arafats, der festgefahrene Friedensprozess wieder in Gang kommt, ist für den Allianz- Gastprofessor an der Ludwig- Maximilians-Universität nicht unweigerlich eine Folge des Wechsels an der Spitze der Palästinenserführung. Doch eines ist Muhawi besonders wichtig. "Keiner will den Frieden mehr als Palästina selbst."

<P>"Ich will hier in München Botschafter meiner Heimat sein", sagt der Sprachforscher Muhawi, der für ein Jahr an der LMU die Gastprofessur für islamisch-jüdische Studien übernommen hat. Diese Professur, auf die jedes Jahr ein anderer Wissenschaftler berufen wird, soll die das interkulturelle Verständnis fördern soll. Ibrahim Muhawi will seinen Beitrag dazu leisten, indem er den Studenten in seiner Vorlesung (jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr im Hörsaal 101, Verterinärstraße 1) am Institut für Geschichte und Kultur des Nahen Orients arabische Literatur näher bringt.</P><P>Intensiv hat sich Muhawi mit arabischen Volksmärchen beschäftigt. "Mich interessiert vor allem, wie in den Märchen mit der Sprache umgegangen wird", sagt Muhawi. Für ihn ist das Verständnis für die Sprache ein wichtiges Werkzeug für die Völkerverständigung. Derzeit arbeitet er an einem sprachwissenschaftlichen Buch über die Erzählungen von "Tausendundeine Nacht". Ibrahim Muhawi wurde 1937 in Palästina geboren. Er verließ seine Heimatstadt Ramallah 1954, um ein Studium der Ingenieurwissenschaften in den USA zu absolvieren. Damals fing er in den Vereinigten Staaten mit einem Stipendium in der Tasche an.</P><P>"Reich werden wollte ich nie", erzählt Muhawi," ich wollte nur reich an Wissen werden. Doch den Ingenieurwissenschaften blieb Muhawi nicht lange treu. Schnell wurde ihm bewusst, dass er sich mehr für die Sprachwissenschaften interessierte. Er begann 1967 erneut zu studieren. Seither hat Muhawi in Kanada, Jordanien, Tunesien, Schottland, Palästina und in den USA unterrichtet.</P><P>Obwohl Muhawi die meiste Zeit seines Lebens außerhalb von Palästina verbracht hat, ist er seiner Heimat immer noch stark verbunden. "Leider kann ich mich zur Zeit in meiner Heimat nur als Tourist aufhalten, da ich amerikanischer Staatsbürger bin", bedauert er. Auch im Sommersemester will er seinem selbst auferlegten Botschaftsauftrag gerecht werden. Dann wird es von ihm eine Vorlesung über Palästina geben.</P>

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