Volltreffer unter Hubble-Aufsicht

- Es war ein wahres Meisterstück, als Anfang Juli die Astronomen der amerikanischen Weltraumbehörde NASA mit einem Waschmaschinen großen Projektil, das die Raumsonde "Deep Impact" in den Weltraum befördert hat, den Kometen "Temple 1" trafen.

"Temple 1" rast mit mehr als 37 000 Kilometern pro Stunde um die Sonne, das Wurfgeschoss "Impactor" war 100 000 Kilometer pro Stunde schnell, als es zielgenau einschlug. Bei dem Aufprall des Impactor auf den Kometen entstand ein riesiger Krater und es wurden gewaltige Mengen an Gas und Staub in den Weltraum geschleudert. Den Aufprall genau beobachtet hat das Weltraumteleskop "Hubble". Es liefert von dem Ereignis spektakuläre Bilder.

In Garching bei München, an der Europäischen Südsternwarte (ESO), hat nun Wolfram Freudling zusammen mit sieben Experten damit begonnen, die einzigartigen Aufnahmen von dem Aufprall auszuwerten. "Temple 1 besteht hauptsächlich aus gefrorenen Gasen und mineralischem Staub. Das Gemisch hat sich wahrscheinlich schon sehr früh in der Geschichte unseres Sonnensystems, vor fünf Milliarden Jahren, gebildet", erklärt Freudling. "Klar ist schon jetzt, dass die Kruste um den Kometen nicht so dick ist wie wir angenommen haben", sagt er.

Kurz nach dem Einschlag von Impactor gab es einen zweite Explosion auf dem Kometen. "Die Gase zeigten eine erstaunlich extreme Reaktion", meint der Kometenforscher. "Was auf den ersten Blick sehr besorgniserregend klingt, ist aber für die Menschen auf der Erde völlig ungefährlich, da die Kollision 133 Millionen Kilometer von uns entfernt stattfand."

Unmöglich ist es allerdings, mit einem solchen Treffer den Kometen, der ungefähr 14 Kilometer lang ist, von seiner Bahn abzulenken. "Das ist, rein physikalisch gesehen, ungefähr so, wie wenn man mit einer Gewehrkugel auf einen ICE schießt", meint Freudling.

Als die Garchinger Astronomen die Hubble Bilder des Einschlags auf ihren Bildschirmen sahen, feierten sie das Ereignis ausgiebig, obwohl da schon klar war, dass nun eine Menge Arbeit auf sie wartet.

Lexikon aktuell: Kometen

Kometen sind kleine Himmelskörper aus Gasen, Wasser und Staub, die sich auf elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen. In Sonnennähe sind sie meist nur wenige Kilometer groß und von einer diffusen, nebligen Hülle umgeben. Das auffälligste Kennzeichen der von der Erde aus sichtbaren Kometen ist der Schweif, der eine Länge von 10 bis 100 Millionen Kilometern erreichen kann.

Wolfram Freudling wertet an der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching die Bilder vom Einschlag auf dem Kometen "Temple 1" aus.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bildschirmdiagonale: Halb so groß wie Sitzabstand
Ein neuer Fernseher soll her. Aber wie groß ist groß genug? Und was kann man bei der Auswahl des Gerätes noch beachten - etwa um Strom zu sparen?
Bildschirmdiagonale: Halb so groß wie Sitzabstand
Smart Home-Systeme für Licht: Nützlich oder moderner Schnickschnack?
Fast jeder Bereich des Lebens kann vernetzt werden, so auch die Lichtsteuerung in den eigenen vier Wänden. Ist das wirklich sinnvoll oder kann man sich das Geld sparen?
Smart Home-Systeme für Licht: Nützlich oder moderner Schnickschnack?
Netzneutralität: Experten befürchten Folgen in Deutschland
Mit der Aufhebung der Netzneutralität ermöglicht die US-Telekomaufsicht eine Ungleichbehandlung von Daten. Gegen Bezahlung werden etwa Internetdienste bevorzugt …
Netzneutralität: Experten befürchten Folgen in Deutschland
Apple bringt leistungsstarke Pro-Ausgabe des iMac
Der Mac Pro kommt wieder auf den Markt. Für die Neuauflage hat ihn Apple mit einigen Extras ausgestattet. Damit soll der All-in-one-Rechner vor allem Grafik- und …
Apple bringt leistungsstarke Pro-Ausgabe des iMac

Kommentare