Vor dem Abi in die Vorlesung

- Das Wort "hochbegabt" kann Riana Fischer schon nicht mehr hören. "Das hängt doch ganz von den Chancen ab, die jeder hat", sagt sie. Seit Anfang des Monats nimmt die 16-Jährige an dem Hochbegabten-Programm der Universität der Bundeswehr München teil. Zusammen mit sechs anderen Schülern kann die Münchnerin schon während ihrer Schulzeit Vorlesungen aus dem Angebot der Neubiberger Universität besuchen.

Konstantin Krischer (16) hat bereits eine Vorlesung der Sozialwissenschaften hinter sich. Riana hat sich für Betriebswirtschaftslehre entschieden. "Damit kann ich später mehr anfangen", meint die Schülerin des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Lisa Herrmann (14) hat sich dagegen noch nicht für eine bestimmte Richtung entschieden. Die Schülerin des Pater-Rupert-Mayer-Gymnasiums in Pullach will sich aber "eventuell Informatik" anhören.

Alle drei sehen das Hochbegabtenprogramm als Chance. Konstantin ist überrascht von den vielen Möglichkeiten, die sich den Schülern an der Uni bieten. "Ich freu mich auch schon auf das Mensaessen", grinst der Schüler des Münchner Wilhelmsgymnasiums. Lisa, die sich locker im Schneidersitz auf einen Stuhl gesetzt hat, ist vor allem erpicht darauf, ihren Klassenkameraden bald etwas vorauszuhaben. Riana ist begeistert, einen Internetzugang über die Uni zu bekommen.

"Die Schüler haben nur Vorteile, sie müssen nichts bezahlen, können Vorlesungen verschiedener Fächer hören und Prüfungen werden ihnen später anerkannt", meint Professor Stefan Pickl, der Initiator des Projekts. Insgesamt mehr als 30 Anfragen habe es für die zehn Plätze gegeben. Aufgenommen hat der Informatiker aber nur sieben.

Probleme mit der Akzeptanz durch die älteren Kommilitonen erwarten die Schüler nicht. Konstantin witzelt: "Schon komisch, dass sich meine Mitstudenten auf Jahre verpflichtet haben und ich will vielleicht sogar einmal verweigern." Die zielstrebige Riana wird in BWL sogar zusammen mit ihren Kommilitonen lernen.

Keine Berührungsängste mit den Kommilitonen

Auch die zusätzliche zeitliche Belastung durch die Vorlesungen sehen die drei Schüler gelassen. "Das klappt schon, man muss eben Prioritäten setzen", meint Lisa lässig. Sie spielt leidenschaftlich Klavier. Auch in Rianas Alltag gibt es mehr als nur Lernen für die Schule: Sie ist ehrenamtlich für das Rote Kreuz tätig und reitet. Konstantin engagiert sich in der Schülermitverwaltung, ministriert und spielt Hockey sowie Gitarre.

In ihren Schulen haben die drei noch nicht viel vom Hochbegabten-Programm erzählt. "Die halten das eher für eine Art Kinder-Uni", sagt Konstantin. Riana hat ihre Teilnahme zwar noch nicht bekannt gemacht: "Aber es ist nichts, wofür man sich schämen müsste."

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