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Mit einer neuen Masche versuchen Hacker, sich Zugriff auf Computer zu verschaffen.

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Vorsicht: Computer-Hacker rufen an

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München - Mit einer neuen Masche versuchen Hacker, sich Zugriff auf Computer zu verschaffen. Sie rufen wahllos Telefonnummern an und geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus. Das Landeskriminalamt warnt.

Justin Gomez spricht schlecht Englisch, aber mit einem kennt er sich aus: mit Computern. Er rufe von Microsoft aus Washington D.C. an, suggeriert er seiner verdutzten Gesprächspartnerin im idyllischen Landkreis Miesbach, denn Hacker hätten sich des Computers in Bayern bemächtigt. „Danger, danger“, warnt Justin, ehe er umgehenden Zugriff auf den Rechner fordert: „You need software update.“ Als ihm seine Gesprächspartnerin signalisiert, dass sie sich wohl am besten erst mal rückversichern sollte, gibt ihr der vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter sogar seine Telefonnummer. Es ist tatsächlich ein Anschluss, der bei späterer Überprüfung in die Hauptstadt der USA führt. Komisch nur: Justins Nummer, die auf dem Display des Telefons erscheint, hat eine russische Vorwahl.

„Bei diesen Anrufen gibt es nur eines – sofort auflegen“, sagt Ludwig Waldinger, Pressesprecher des Landeskriminalamts. „Der Computer ist garantiert nicht in Gefahr – erst wenn man diesen Leuten Zugriff gewährt.“ Derartige betrügerische Anrufe seien nicht neu. Dass sich die Hacker als Microsoft-Mitarbeiter ausgeben, allerdings schon. Der Computer-Riese warnt deshalb im Internet selbst vor den Gefahren und stellt klar: „Microsoft wird ungefragt keinerlei telefonischen Kontakt zu Personen aufnehmen.“

Das bestätigt auch Waldinger. Die Ermittler haben die Erfahrung gemacht, dass die Anrufer zunächst versuchen, ihre Opfer auf eine Internetseite zu locken, von der sie schädliche Software herunterladen sollen. Die gewährt später Zugriff auf sensible Daten, beispielsweise in Onlinebanking-Programmen. Weigern sich die Angerufenen, kann es auch zu Erpressungsversuchen kommen. „Die Hacker drohen dann, den Computer plattzumachen, wenn man nicht umgehend Geld überweist“, berichtet der Pressesprecher.

Legt man einfach auf, droht keine Gefahr. Allerdings bleibt man im Verteiler – und das kann, wie bei dem Fall im Landkreis Miesbach, zu weiteren lästigen Anrufen führen. „Wir nehmen an, dass die Hacker nach dem Zufallsprinzip Nummern anwählen“, sagt Waldinger. „Hebt jemand ab, haben sie die Bestätigung dafür, dass die Nummer existiert.“ Den Versuch zu unternehmen, wieder von dieser Liste gestrichen zu werden, sei zum Scheitern verurteilt.

Die Polizei kann vor derartigen Betrugsversuchen nur warnen, eine rechtliche Handhabe hat sie kaum. So lange die Hacker nur anrufen und es zu keiner Manipulation kommt, handelt es sich um eine straflose Vorbereitungshandlung. Ohnehin ist völlig offen, wo die Betrüger sitzen – in den USA, in Russland oder doch in einem Callcenter in Indien? „Mit der heutigen Technik lässt sich das leicht verschleiern“, weiß Waldinger. „Theoretisch kann der Anruf auch aus dem Englischen Garten kommen."

Stephen Hank

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