Vorsicht: Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern

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Leser aus dem Landkreis München: Meine Freundin (53) ist nach einem Schlaganfall im März 2003 halbseitig gelähmt, weil sie erst nach 14 Stunden gefunden wurde. Jetzt wird sie in einem Pflegeheim versorgt und kann nur mühsam kurze Zeit am vierbändigen Stock gehen. Trotzdem hofft sie darauf, irgendwann wieder normal gehen zu können. Wie groß sind ihre Chancen?<BR><BR>Haberl: Ein Jahr ist ungefähr die Frist, in der durch intensive Rehabilitationsmaßnahmen die verlorenen Körperfunktionen wiedererlangt werden können. Deshalb ist jetzt die Frage wichtig, wie sie mit der Behinderung ihr Leben gestalten will. Vielleicht findet sie in einer Selbsthilfegruppe Unterstützung.<BR><BR>Leser (55) aus Mittenwald: An Pfingsten habe ich Hubschrauber am Himmel beobachtet, dabei wurde mir schwindlig, ich bekam eine "Genickblockade" und Sprachstörungen. Drei Wochen davor war ich gerade erst komplett untersucht worden, auch mit Gefäß-Ultraschall und Computer-Tomographie, ohne Ergebnis. Die Sprachstörungen habe ich heute noch. War es vielleicht ein Schlaganfall?<BR><BR>Sander: Sie sollten dringend nochmals zu einem Neurologen, da Sie typische Schlaganfallsymptome beschreiben. Dazu kommt, dass ein unbehandelter Schlaganfall das Risiko für einen weiteren Schlaganfall erhöht. Auch wenn Sie bereits untersucht wurden, ist es sinnvoll, bei weiterbestehenden Symptomen die Untersuchungen gegebenenfalls zu wiederholen.<BR><BR>Leser (68) aus Germering: Zwar habe ich keine typischen Warnsymptome, außer ab und zu bei Anstrengung Schmerzen in der Herzgegend. Wegen Schlaganfällen in der Familie möchte ich aber vorsorgen. Was kann ich tun?<BR><BR>Haberl: Vor allem gesund leben, nicht rauchen, Sport treiben. Außerdem sollten Sie vom Arzt regelmäßig den Blutdruck messen und die Blutzuckerwerte bestimmen lassen. Auch auf Durchblutungsstörungen ist zu achten, etwa, wenn Sie Schmerzen in den Beinen verspüren. Wenn Sie bei Belastungen Schmerzen haben, wäre ein Belastungs-EKG sinnvoll. Auch könnte man ein Computertomogramm der Herzarterien machen, um ihre Durchlässigkeit zu prüfen. <BR><BR>Leser (76) aus München: Ich hatte 1995 einen Schlaganfall durch ein Vorhofflimmern im Herz. Danach hatte ich Sprechstörungen. Dann stellte man bei mir Bluthochdruck fest. Etwas später hatte ich dann einen zweiten Hirninfarkt. Ist Marcumar das richtige Medikament zur Schlaganfallvorbeugung?<BR><BR>Haberl:  Das Blutverdünnungs-Medikament Marcumar ist grundsätzlich das richtige Mittel zum Schutz vor einem erneuten Schlaganfall bei Vorhofflimmern. Marcumar schädigt auch nicht die Gefäßwände. Wichtig ist für Sie aber ein konstanter Blutdruck, am besten mit 130/80 mm Hg. Lassen Sie diesen Wert von Ihrem Hausarzt einstellen.<BR><BR>Leserin (56) aus Oberschweinbach: Ich habe zu hohen Blutdruck, leide stark unter den Wechseljahren. Gegen den Hochdruck nehme ich Betablocker, Entwässerungsmittel und ACE-Hemmer. Gegen die Wechselbeschwerden bekomme ich Antidepressiva und Hormone. Stimmt es, dass Hormone das Schlaganfallrisiko erhöhen? <BR><BR>Sander: Sie haben Recht, die Hormonersatztherapie steigert das Schlaganfallrisiko. Sie sollten mit Ihrem Frauenarzt besprechen, ob die Therapie unbedingt sein muss, oder ob eine Dosissteigerung des Antidepressivums für Sie sinnvoll ist.<BR><BR>Leserin (78) aus München: Meine Mutter starb an einem Gehirnschlag mit 85. Kann die Veranlagung zum Schlaganfall vererbt werden? <BR><BR>Haberl:  Eine Schlaganfall-Veranlagung ist nicht direkt vererbbar, aber man glaubt, dass eine Neigung zu Gefäßerkrankungen vererbt werden kann.<BR><BR>Leser (67) aus Inning: Vor vier Wochen hatte ich einen leichten Schlaganfall. Jetzt nehme ich mehrere Medikamente, doch mein Blutdruck ist immer noch zu hoch. Auch meine Frau hat hohen Blutdruck und trinkt dagegen einen Heiltee. Kann ich den auch trinken und dafür die Medikamente weglassen? <BR><BR>Sander: Den Tee können Sie zusätzlich trinken. Die Medikamente dürfen Sie nach dem Schlaganfall auf keinen Fall einfach absetzen. Sie nehmen neben dem Blutdrucksenker sicher auch noch Blutverdünner und Cholesterinsenker ein. Ihr Blutdruck muss von Ihrem Hausarzt über Langzeitmessungen kontrolliert werden. Danach kann man Sie individuell auf einen oder mehrere Blutdrucksenker einstellen.<BR><BR>Leserin (68) aus Oberpfaffenhofen: Ich hatte im letzten Jahr einen Schlaganfall, der sehr schnell behandelt wurde. Damals hat man mir das Autofahren verboten. Ich fühle mich jetzt aber wieder gesund genug, um mich hinter das Steuer zu setzen. <BR><BR>Haberl: Es gibt eine gesetzliche Regelung, die Schlaganfallpatienten das Autofahren verbietet. Oft ist das eine Frage des Ermessens des behandelnden Arztes. Wenn Sie sich jetzt gesund fühlen, gehen Sie zum Neurologen und lassen sich wieder für das Autofahren freigeben.<BR><BR>Leser (83) aus München: Ich hatte schon zwei Schlaganfälle und leide zusätzlich unter Herzbeschwerden. In meiner rechten Halsschlagader habe ich einen Stent, der die Arterie offen hält. Die linke Seite ist komplett zu. Kann auch dort ein Stent das Gefäß öffnen, und darf ich bei solchen Beschwerden Sport treiben? <BR><BR>Sander: Wenn die linke Halsschlagader durch Ablagerungen verschlossen ist, kann sie auch mit einem Stent, also einer Gefäßstütze aus einem Metallgitter, nicht mehr geöffnet werden. Sie dürfen und sollten leichten Ausdauersport treiben, wie Radfahren und Spazierengehen.<BR><BR>Leser (40) aus Ebersberg: Vor gut drei Wochen hatte ich beim Sport einen stechenden Schmerz im Kopf. Manchmal ist seitdem meine rechte Seite gelähmt. Könnte das durch eine Blutung im Gehirn verursacht worden sein?<BR><BR>Haberl: Durchaus. Lassen Sie in einer neurologischen Ambulanz baldmöglichst eine Kernspintomographie machen. Mit der kann man auch noch ältere Blutungen erkennen. Dann müssen die Ursachen geklärt und eine Therapie begonnen werden. <BR><BR>Leser (80) aus Starnberg: Letzte Woche hatte ich plötzlich ein Taubheitsgefühl in den Fingern und leichte Sprachstörungen. Ich leide unter Parkinson. Können die Störungen Anzeichen eines Schlaganfalls sein?<BR><BR>Sander: Ja, Taubheit und Sprachstörungen können auf einen drohenden Schlaganfall hinweisen. Sie sollten unbedingt Ihren Neurologen aufsuchen. <BR><BR>Leserin (78) aus Steingaden: Im Jahr 1996 hatte ich einen Schlaganfall im Hypothalamusbereich und im Herzen ein Vorhofflimmern. Alle zwei bis drei Jahre habe ich nun epileptische Anfälle. Ich kann etwa 20 Minuten lang nicht sprechen. Ich habe aber keine Herzrhythmusstörungen. Was kann ich gegen die epileptischen Anfälle tun?<BR><BR>Haberl: Als Schutz vor den epileptischen Anfällen, die durch das alte Loch im Gehirn hervorgerufen werden können, sollten Sie Medikamente einnehmen. Der Unterschied zwischen epileptischem Anfall und Schlaganfall ist nicht immer ganz eindeutig. Sie sollten sich deshalb einmal einem Schlaganfallspezialisten vorstellen.<BR><BR>Leserin (72) aus Grafing: Im Oktober 2002 hatte ich einen Schlaganfall mit Sprachstörungen und Gesichtslähmung. Ich nehme Medikamente gegen Bluthochdruck, zur Blutverdünnung, gegen hohes Cholesterin, und ich treibe Sport. Wie kann ich einen zweiten Schlaganfall verhindern? <BR><BR>Sander: Sie treiben Sport und nehmen gegen alle Risikofaktoren Medikamente ein. Das ist eine gute Basis, um einen zweiten Schlaganfall zu verhindern. Ihr Hausarzt sollte regelmäßig die Blutwerte kontrollieren. Ihr Schlaganfall liegt zwei Jahre zurück, da kann eine aktuelle Ultraschall-Untersuchung von Hals- und Kopfschlagadern Aufschluss über mögliche Gefäßverengungen geben.<BR><BR>Leser (64) aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck: Seit acht Jahren leide ich an Vorhofflimmern des Herzens und habe deshalb einen Herzschrittmacher. Bisher habe ich dazu zum Schutz vor einer Blutverklumpung Aspirin genommen. Mein neuer Hausarzt hat mich jetzt gefragt, ob ich zum Schutz vor Schlaganfall nicht auf Marcumar umsteigen will. Da müsste ich aber ständig kontrolliert werden.<BR><BR>Haberl: Marcumar ist bei Vorhofflimmern tatsächlich der bessere Schutz davor, dass sich ein Thrombus bildet. Zudem steigt Ihr Schlaganfallrisiko mit dem Alter. Ab Mitte 60 empfehlen wir deshalb Marcumar gegen das Blutgerinnungsrisiko. Es reicht aber eine niedrige Einstellung des Marcumarwertes. Eine Kontrolle alle drei Wochen bleibt Ihnen aber nicht erspart. Erst für 2005 wird ein neues Medikament erwartet, bei dem keine Gerinnungskontrollen mehr nötig sind.<BR><BR>Leser (70) aus Bad Reichenhall: Vor zehn Monaten hatte ich einen Schlaganfall. Trotz Krankengymnastik und Ergotherapie habe ich immer noch starke Ausfälle am ganzen linken Arm. Ich habe von einem neuen Gerät gehört, das helfen kann. Würden Sie es mir empfehlen, oder soll ich doch muskelentspannende Medikamente einnehmen?<BR><BR>Sander: Moderne Elektrostimulationsgeräte können die Ergotherapie und Gymnastik nur unterstützen, aber nicht ersetzen. Das Gerät soll mehrmals 10 bis 15 Minuten angewendet werden, aber nicht länger als eine Stunde pro Tag. Tabletten gegen eine erhöhte Muskelentspannung nach dem Schlaganfall können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen.<BR><BR>Leserin (46) aus Oberpfaffenhofen: Vor vier Wochen hatte ich eine Aneurysma-Operation. Das Aneurysma war sehr groß. Seitdem schiele ich und trage eine Augenbinde. Gibt es einen Erfahrungswert, wie lange das Schielen andauern wird? Meine zweite Frage: Muss eine Nachuntersuchung immer eine schmerzhafte Angiographie sein oder reicht da eine Kernspintomographie?<BR><BR>Haberl: Bei einem Aneurysma, der lokalen Ausweitung eines arteriellen Gefäßes, wird sehr tief ins Gehirn hinein operiert, dabei trifft man auch Nerven. Das Schielen hält in der Regel zwischen sechs bis acht Wochen an. Nehmen Sie regelmäßig an einem Sehtraining teil. Sollte es nicht besser werden, sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt. Die erste Nachuntersuchung sollte eine Angiographie sein, danach reicht die Kernspintomographie.<BR><BR>Leser (60) aus Murnau: Seit einem Jahr sehe ich ab und an schräg versetzte Doppelbilder. Hausarzt, Neurologe und Augenarzt haben mich komplett durchgecheckt und nichts gefunden. Jetzt mache ich vom Orthopäden verordnete Halsmuskelübungen, unter denen die Beschwerden seltener werden. Kann trotzdem ein Schlaganfall die Ursache sein? <BR><BR>Sander: Da nach Ihrer Schilderung die Doppelbilder durch die verordneten Übungen besser werden, sollten Sie die Muskelübungen fortsetzen. Wenn die Beschwerden nicht besser werden, kann erneut eine Kernspintomographie und ein Gefäß-Ultraschall sinnvoll sein.<BR><BR>Leserin (64) aus München: Ich bin durch meine Familie vorbelastet, habe Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Ich bin gut mit den Medikamenten eingestellt, aber mit dem Abnehmen habe ich starke Probleme. Inzwischen hatte ich schon zweimal zuerst weiße, dann schwarze Flecken im Auge. Sind das Anzeichen eines Schlaganfallrisikos?<BR><BR>Haberl: Sie sollten regelmäßig Ihre Halsgefäße mit einem Ultraschall-Dopplergerät nach möglichen Stenosen, also Verengungen untersuchen und die Wanddicke prüfen lassen. Auch der Blutdruck muss trotz der Medikamente immer wieder vom Arzt kontrolliert werden, außerdem müssen die anderen Organe auf Schäden überprüft werden. Durch den Diabetes könnten etwa die Augengefäße verschlossen werden. <BR><BR>Leserin (62) aus Mittenwald: Mein Vater und meine Großmutter mütterlicherseits sind am Schlaganfall verstorben. Im Januar ist bei mir Bluthochdruck festgestellt worden. Dieser wird mit Enalapril, Simvastatin und Acetylsalicylsäure behandelt. Dennoch ist der untere Wert oft zu hoch. Wie kann ich mein Schlaganfallrisiko senken?<BR><BR>Sander: Ihr Blutdruck muss unbedingt dauerhaft gesenkt werden. Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für einen Schlaganfall. Sie sollten Ihren Hausarzt aufsuchen. Der kann die Dosis des ACE-Hemmers, den Sie nehmen, erhöhen oder Ihnen gegebenenfalls ein zusätzliches Präparat verordnen. Die anderen Medikamente wirken nicht auf den Bluthochdruck. Simvastatin senkt den Cholesterinspiegel und Acetylsalicylsäure verdünnt das Blut. Diese Medikamente schützen auch vor einem Schlaganfall. Zusätzlich sollten Sie Ausdauersport treiben. Das senkt das Risiko.<BR><BR>Leser (63) aus Olching: Ich betreibe eine kleine Firma und trinke sehr viel Kaffee. Manchmal habe ich Herzrasen, kurze Aussetzer und Beinschmerzen. Nach etwas Bewegung geht es dann wieder. Sind das Schlaganfallvorboten? <BR><BR>Sander: Die Beschwerden kommen vermutlich vom übermäßigen Kaffeekonsum. Dennoch sollte Ihr Hausarzt bei Ihnen ein Langzeit-EKG und eine Langzeit-Blutdruckmessung machen, um eine Herzerkrankung und Bluthochdruck auszuschließen. Sinnvoll wäre auch eine Ultraschall-Untersuchung der Kopfgefäße. <BR><BR>Leserin (75) aus München: Ich habe 1996 kurz auf dem rechten Auge nur noch schwarzweiß gesehen. Eine Kernspintomographie hat nichts ergeben. Seit 2001 habe ich immer wieder Schwindelanfälle, wenn ich mich im Bett umdrehe. Seit 2003 leide ich oft auch an Schmerzen im Kopf. Bin ich vielleicht hirnschlaggefährdet?<BR><BR>Haberl:  Ich glaube, Ihre Symptome haben unterschiedliche Ursachen. Nicht alles geht vom Gehirn aus. Der Schwindel könnte von den Ohren kommen und ein so genannter Lagerungsschwindel sein, die Sehstörungen und die Kopfschmerzen könnten auf ein Vorstadium einer Migräne zurückzuführen sein.<BR><BR> 

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