,Wahlstreet handelt mit Merkel und Schröder

- München - Wetten, dass Merkel Kanzlerin wird? Dazu eine Prognose abzugeben, scheint viel spannender zu sein, als am 18. September ein Kreuz zu machen. Wenn es das Bundesverfassungsgericht überhaupt zulässt. Aber auch darauf kann im Internet gewettet werden. Denn viele Portale, die für ihre Nutzer früher nur Geldspiele zu Sportereignissen im Angebot hatten, haben die Politik entdeckt. Da wird auf den Wahlausgang getippt, welche Partei den Bundeskanzler stellen wird und wie einzelne Parteien abschneiden.

"Deutschland bekommt eher eine Kanzlerin, als dass die deutschen Herren Fußball-Weltmeister werden" lautet eine Kombinationswette auf mybet.com, Deutschlands größtem und mehrfach ausgezeichnetem Wettportal. Für "Ja" gibt es derzeit eine Quote von 1,10, für "Nein" 4,70. Für Klinsmanns Team sieht es also eher schlecht aus, die Unionskandidatin jedoch scheint als Siegerin festzustehen.

Wer wettet, dass die Verfassungsrichter die vorgezogenen Wahlen stoppen, bekommt von Tag zu Tag mehr Geld - derzeit würde sich der Einsatz verneunfachen.

Im Gegensatz zu diesen Spielereien sind die Wetten auf das Ergebnis einzelner Parteien mittlerweile sogar von wissenschaftlichem Interesse. Denn Online-Börsen und -Wahlwetten prognostizieren viel schneller tendenzielle Veränderungen in der Wählerstimmung als die bekannte Sonntagsfrage der Wahlforscher. Denn sie unterliegen - wie auch die Finanzbörsen - den täglichen, wenn nicht gar stündlichen Meinungsschwankungen der Händler - also der Wähler.

Die Kurse reagieren sofort auf gute oder schlechte Meldungen. So steigen die Schröder-Aktien, wenn sich der Bundeskanzler im Fernsehen gut schlägt. Das jüngste Interview im ZDF hat Schröder aber kaum nach vorne gebracht: Auf die Wette, welche Partei den Bundeskanzler stellt, gibt es bei mybet.com nach wie vor eine Quote von 1,10 für die CDU und 9,00 für die SPD.

Der Kanzler nutzte die Medien schon einmal besser. Während der deutschen Hochwasserkatastrophe im August 2002 zum Beispiel verbuchte die SPD-Aktie bei der Börse wahlstreet.de einen Anstieg: Ab dem 23. August schnellte sie von 35,15 (der Kurs entspricht dem erwarteten Prozentwert bei der Wahl) auf 37 hoch.

Bei der Bundestagswahl 2002 wurden so viele Wahlwetten wie noch nie abgegeben. Das Ergebnis des Portals wahlkreis300.net, das derzeit wieder aufgebaut wird, war sogar genauer als die Vorhersagen der Meinungsforschungsinstitute. Und bei der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft Anfang 2004 lagen die Nutzer von mybet.com richtig: Während die Wahlforscher noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostizierten, haben die Internetwähler schon eine Woche vor dem entscheidenden Sonntag die CDU mit 47 und die SPD mit 29 Prozent gehandelt. Die tatsächlichen Ergebnisse lauteten dann 47,2 (CDU) und 30,5 Prozent (SPD).

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