Wann führt der Freistaat die Junior-Professur ein?

- Die Juniorprofessur versprach, auch in Bayern ein schneller Karriereweg für Wissenschaftler zu werden. 14 Anträge auf Förderung hatte, wie berichtet, die Ludwig-Maximilians-Universität bereits gestellt. Die Stellen sollten zum 1. Januar 2005 besetzt werden. Nun aber hat das Bundesverfassungsgericht die Juniorprofessur für verfassungswidrig erklärt. Was wird also aus dem Hochschul-Nachwuchs?

<P>"Wir wissen es ganz einfach nicht", sagt LMU-Rektor Prof. Bernd Huber. Denn das Urteil bedeutet nicht unbedingt, dass die Juniorprofessor abgeschafft wird. Mit seinen Beschluss hat das höchste deutsche Gericht nur die bildungspolitischen Kompetenzen von Bund und Ländern festgelegt. Demnach hatte der Bund nicht das Recht, im Hochschulrahmengesetz (HRG) von 2002 den Ländern detaillierte Regelungen wie die Juniorprofessur vorzuschreiben. Und auch nur dagegen hatten die unionsgeführten Ländern Bayern, Thüringen und Sachsen geklagt. Sie können immer noch entsprechende Ländergesetze gestalten - und so die Juniorprofessur vielleicht doch einführen.<BR><BR>600 Junior-Professoren müssen bangen </P><P>Bis 2005 hätte Bayern nach alter Gesetzeslage Zeit gehabt, die Vorschrift des HRG in Landesrecht umzusetzen. Neun Bundesländer haben das bereits getan: Rund 600 Juniorprofessoren forschen und lehren hierzulande, allein 121 in Niedersachsen. Nach einer maximal sechsjährigen Anstellung können sie eine Professorenstelle erhalten -ohne Habilitation und im Idealfall schneller als im bisherigen Verfahren. Diese Stellen sind zwar laut Bundes-Bildungsministerin Edelgard Bulmahn nicht gefährdet. Fraglich ist aber ihre wissenschaftliche Zukunft, wenn es keine bundesweit einheitliche Regelung gibt.<BR><BR>In Bayern ist die Einführung der Juniorprofessur ungewiss. Prof. Wolfgang A. Herrmann, Vorsitzender der Bayerischen Rektorenkonferenz und Präsident der Technischen Universität München (TUM), hat sich bereits dagegen ausgesprochen. "Die Grundidee der Juniorprofessur, also die frühe Selbstständigkeit des Spitzennachwuchses" sei zwar "im Ansatz richtig" gewesen, ihre Umsetzung aber "nicht zielführend". Herrmann, gleichzeitig Vorsitzender der Reforminitiative "Universität Bayern", befürwortet dagegen für den "Bayerischen Weg", die Habilitationsreform von 2003. Sie ermögliche "ebenfalls den schnellen Weg in die wissenschaftliche Selbstständigkeit", nehme aber zudem "auf unterschiedliche Fächerkulturen Rücksicht".<BR><BR>Nach der aktuellen bayerischen Gesetzeslage forscht ein Habilitand nun wenigstens nicht mehr ausschließlich bei einem Professor (was oft zu zeitverzögernden Abhängigkeiten vom jeweiligen Lehrstuhinhaber führt), sondern der junge Forscher wird von drei Mentoren betreut, von denen einer, wie Herrmann betont, fachfremd sein muss. "Hierdurch ist der Nachwuchsforscher selbstständig, aber gleichzeitig in die Verantwortung der Fakultät eingebunden", urteilt Herrmann, der diese Lösung für eine "sehr gute" hält.<BR><BR>Ein bayerischer Sonderweg berge aber auch Gefahren, wie Harmut Beister von der LMU, Sprecher der Landesvertretung Akademischer Mittelbau Bayern (LAMB), warnt. Denn in neun Bundesländer sei mit der Einführung der Juniorprofessur die Habilitation bereits teilweise abgeschafft. Wie Bayern darauf reagieren wird, ist ungewiss. "Kann es noch chaotischer sein?", fragt Beister daher und glaubt: "All diese Unsicherheiten machen die wissenschaftliche Karriere nicht gerade attraktiver."<BR><BR>Angst um den Standort Deutschland</P><P>Der LAMB-Sprecher fürchtet um den Standort Deutschland und urteilt: "Eine Gelegenheit droht vertan zu werden, sich dem Weltmarkt für Wissenschaftler, auf dem das angelsächsische Modell der Qualifizierung für den Hochschullehrer vorherrscht, zu öffnen und anzupassen." Ob ein niedersächsischer Juniorprofessor in Zukunft leichter nach Harvard als nach Bayern wechseln kann, werden aber erst die weiteren Hochschul-Gesetze des Freistaats oder etwaige Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zeigen. "Wir können nur abwarten", sagt LMU-Rektor Huber.<BR></P>

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