BKA warnt vor Attacken auf Smartphones

München - Handys mit Internetzugang werden nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) immer häufiger von Hackern angegriffen.

Der Bankräuber des digitalen Zeitalters braucht nicht mehr Strumpfmaske und Revolver, sondern nur noch die Geheimnummer für das Online-Banking. An die kommen Hacker laut Bundeskriminalamt manchmal auch dann, wenn sie von der Bank auf ein Handy geschickt wird.

Handys mit Internetzugang werden laut Bundeskriminalamt (BKA) immer häufiger von Hackern angegriffen. Im Gegensatz zu Computern seien die Smartphones meist rund um die Uhr eingeschaltet und böten Kriminellen hervorragende Möglichkeiten, um zum Beispiel Kreditkartendaten abzugreifen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Mittwoch bei einem Forum zur Internetkriminalität in München. “Je mehr die mobilen Endgeräte als Bezahlsystem genutzt werden, desto mehr wird das die Zukunft sein.“

Zugriff zu den Geräten verschafften sich die Hacker beispielsweise über manipulierte Applikationen (Apps), die sich die Besitzer aus dem Internet auf ihr Gerät laden. Auch das Online-Banking mittels Handy birgt Gefahren. Viele Banken bieten ihren Kunden inzwischen an, sich die Geheimzahl für eine Überweisung oder andere Bankgeschäfte (TAN) als SMS auf das Handy schicken zu lassen. Dazu muss die Mobiltelefonnummer mit dem Konto verknüpft werden. Dieses Verfahren gilt als sicherer als die bislang übliche TAN auf Papier.

Allerdings können auch diese Nummern von Kriminellen abgefischt werden. Für bestimmte Smartphone-Betriebssysteme sind bereits Schadprogramme aufgetaucht, mit denen diese TAN-SMS abgefangen oder auf Handys von Betrügern umgeleitet werden können. Daher empfehlen Experten den Einsatz der mobilen TAN nur auf geschützten Smartphones oder einfachen Handys, die nicht mit dem Internet verbunden sind.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der sogenannten “Phishing“-Attacken, bei denen Transaktionsnummern für das Online-Banking ausgespäht wurden, um rund 80 Prozent auf 5000 Fälle bundesweit gestiegen. Die Angriffe seien der Bankraub des digitalen Zeitalters, sagte Ziercke. “Sie müssen dafür nicht mehr mit einer Strumpfmaske in eine Bank stürmen.“ Ziercke selbst hatte vor wenigen Wochen erklärt, er nutze kein Online-Banking - zu oft müsse er die traurigen Fallzahlen von Betrug im Internet vortragen.

In Deutschland waren im Jahr 2010 rund 60 000 Fälle von Internetkriminalität angezeigt worden, knapp 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) erklärte, wer einen Internetanschluss habe und sich eine Anonymisierungssoftware herunterlade, könne im Internet oft genug tun und lassen, wonach ihm der Sinn stehe. “Kinderpornos ansehen, Anleitungen zum Bombenbau ausdrucken, Drogen bestellen, eine Lunge, eine Niere, eine Leber kaufen - oder verkaufen.“

dpa

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