Warum Tiere den Tsunami erahnten

- Eine neue wissenschaftliche Liaison bahnt sich an den beiden Münchner Universitäten an: Die Technische Universität München (TUM), die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Max-Planck-Forscher eröffnen ein gemeinsames Forschungszentrum, in dem ab Februar drängende Fragen im Bereich des Hörens und des Gleichgewichtssinns bei Menschen und Tieren erforscht werden sollen.

Beteiligt sind die Theoretischen Physiker am Physik-Department der TUM unter Leitung von Professor Leo van Hemmen und die Neurowissenschaftler der LMU in Martinsried im Team von Professor Benedikt Grothe sowie das Max-Planck-Institut für Neurobiologie. Mindestens fünf Jahre lang soll die ungewöhnliche Verbindung im neuen "Bernsteinzentrum für Computational Neuroscience" dauern.<BR><BR>Schon vor dem offiziellen Start des Bernsteinzentrums liefen die Telefondrähte zwischen Garching und Martinsried heiß. Der Grund: die Tsunami-Katastrophe in Südasien. Sowohl in Garching als auch in Martinsried will man unbedingt wissen, wie die Tiere, die sich nähernde Gefahr in Form der Riesenwelle spürten.<BR><BR>"Bei den Elefanten vermute ich, dass sie wahrscheinlich den Infraschall, den ein Tsunami erzeugt und der schneller als die Wasserwelle die Küste erreicht über den Boden wahrgenommen haben," sagt van Hemmen. "Elefanten könnten druckempfindliche Tastrezeptoren an ihren Fußsohlen haben und so den niederfrequenten Lärm gefühlt haben."<BR><BR>Seine Theorien hat Leo van Hemmen nach Martinsried zu Benedikt Grothe weitergegeben. Dort gibt man sich vorerst vorsichtig: "Eine interessante Theorie, die wir sicherlich noch heiß diskutieren werden", sagt Benedikt Grothe. Benannt ist das neue Forschungszentrum nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1839-1917).<BR><BR>Der Wissenschaftler veröffentlichte mit seiner "Membrantheorie" im Jahre 1912 die erste biophysikalische Erklärung über die Vorgänge der neuronalen Erregungsausbreitung. Das Münchner ist eines von vier neuen Bernsteinzentren in Deutschland, in denen die neuronale Informationsweitergabe erforscht wird. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,5 Millionen Euro gefördert.<BR><BR>"In unserem Projekt sollen Theorie und Praxis Hand in Hand gehen", sagt Benedikt Grothe. "Wenn sich bei unseren Experimenten in den Neurowissenschaften in Martinsried besondere Fragestellungen ergeben, können wir uns an die Garchinger Physiker wenden. Sie führen dann theoretische Berechnungen dazu durch. Umgekehrt versuchen wir die mathematischen Annahmen der Kollegen in Experimenten zu verifizieren."<BR><BR>Wenn das Bernsteinzentrum erfolgreich ist, haben Leo van Hemmen und Benedikt Grothe schon weitere Pläne. "Wir wollen dieses Forschungsfeld auch in unser Lehrprogramm aufnehmen", erklärt Grothe. "Unser Ziel ist es, daraus einen künftigen Masterstudiengang zu entwickeln".<BR>

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