Warum wir Töne unterschiedlich hören

- Identische Töne können sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Wie ein Ton klingt, hängt von Strukturen im Großhirn ab, wie Heidelberger Forscher um Peter Schneider herausfanden. Der Naturwissenschaftler Schneider ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Verteilung der grauen Nervenzellen im Hörzentrum des Großhirns steuere die Tonwahrnehmung, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal Nature Neuroscience.

Wer überwiegend lang anhaltende, tiefe Klänge hört, zählt zu den Obertonhörern und hat mehr graue Nervenzellen in der rechten Großhirnhälfte. Wer dagegen überwiegend kurze, scharfe Töne wahrnimmt, ist ein Grundtonhörer mit mehr grauen Nervenzellen in der linken Großhirnhälfte. Bei jedem natürlichen Ton wird neben dem Grundton, der die Tonhöhe bestimmt, eine Vielzahl höherer Töne erzeugt. Diese so genannten Obertöne ergänzen das Frequenzspektrum eines Tons und verleihen ihm seine individuelle Klangfarbe.

Die Heidelberger Neurologen hatten mit Kollegen der Universitäten Liverpool, Southampton und Maastricht 420 Menschen untersucht, meist Musikstudenten und Orchestermusiker. In Hörtests ermittelten die Forscher, ob die Probanden Grundton- oder Obertonhörer sind.

Bei 87 der Versuchsteilnehmer wurden außerdem durch Kontrolle im Kernspintomografen anhand der Magnetfeld-Bilder aus dem Gehirn konnten die Funktionen aktiven Nervenzellen in der Großhirnrinde gemessen. In einer weiteren Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass Orchestermusiker ihr Instrument nach ihrem Hörtyp gewählt haben. So spielten Grundtonhörer bevorzugt Schlagzeug, Gitarre, Klavier oder hohe Melodieinstrumente. Sänger hingegen seien überwiegend Obertonhörer, genauso wie Menschen, die Cello, Fagott oder Tuba spielen.

Auch die Musikalität hängt von den grauen Zellen des Gehirns ab: Bereits 2002 haben die Heidelberger Forscher festgestellt, dass professionelle Musiker mehr als doppelt so viel graue Hirnmasse im primären Hörzentrum haben wie unmusikalische Menschen.

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