Weihenstephan im Sog der LMU

- Die bundesweite Welle der (Spar)-Fusionsideen für Universitäten treibt in München seltsame Blüten. Vier Jahre ist es erst her, seit das Wissenschaftszentrum Weihenstephan an der Technischen Universität München (TUM) aus der Taufe gehoben wurde, und schon denken manche hinter den Kulissen an Demontage der Life- Science und mögliche Zusammenlegungen mit dem naturwissenschaftlichen "HighTech-Campus" der Ludwig-Maximilians-Universität. Dessen Biologicum (für 56 Millionen Euro) wird am 29. Oktober eingeweiht. Für zusätzliche Aufregung haben öffentliche Überlegungen in der Fachhochschule Weihenstephan gesorgt, dass man doch in Zukunft viel enger mit dem Campus der TUM zusammenrücken könnte.

<P>"Solche Diskussionen beeinflussen auch die Ziele unserer Studenten", warnen zwei Top-Professoren, der Biochemiker Arne Skerra und der Pflanzengenetiker Alfons Gierl. Skerra , der gerade für die Endausscheidung im hochrenommierten Zukunftspreis für seine Arbeiten mit künstlichen therapeutisch anwendbaren Proteinen nominiert wurde, reagiert wie jeder engagierte Hochschullehrer besorgt, wenn einige seiner besten Studenten nach dem Studienabschluss in Großhadern weiterforschen wollen. "Die Idee, durch grundlagenorientierte Forschung die Fächer im Wissenschaftszentrum international zu stärken, muss unbedingt noch intensiviert werden, um die Zukunft für den Campus zu sichern."</P><P>Skerra und Gierl wissen sich mit anderen Forschern in Weihenstephan einig, dass etwa die Chemie aus Garching mit allen Fächern nach Weihenstephan umziehen sollte, die den Biowissenschaften verwandt sind. Ohnehin müsste der gesamte Chemietrakt in Garching saniert werden, dann könnte man billiger einen Neubau nach Weihenstephan stellen, meinen die Forscher. Und schlagen vor, auch die Veterinärmedizin künftig einzubinden (auf die zu verzichten die LMU durchaus bereit wäre). Auch die Kooperation mit reinen Forschungszentren wie derzeit dem GSFForschungszentrum für Umwelt und Gesundheit sollte noch intensiviert werden.</P><P>Derzeit arbeiten und forschen 90 Professoren mit rund 950 Mitarbeitern und 3500 Studenten im Wissenschaftszentrum Weihenstephan. Bei dem Chemiker Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TUM und Initiator des Zentrums für Life Science, finden die Überlegungen zu Chemieverlagerung positive Resonanz. Den Sog der LMU verspürt er (noch) nicht. "Weihenstephan ist weltweit ein Begriff. Dieser wichtige Standort - größer als die Universität Passau - entwickelt ein unverwechselbares Life Science-Profil. Die Kombination Weihenstephan - Garching stellt schon heute den stärksten Life Science- Cluster in Deutschland." Und er fügt hinzu: "Die nahe Zukunft wird dem Ausbau des Life Science Engineering gehören, und das gibt es nur bei der TU."</P>

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