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Lasse lässt uns an eine Zahl denken - und errät sie.

Über dieses Video staunt das Netz

Er weiß, an welche Zahl Sie denken - nur warum?

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Die Internet-Gemeinde kratzt sich verdutzt den Kopf. In einem Video verspricht ein Mann, dass er weiß, an welche Zahl man denkt. Und tatsächlich liegt er sehr oft richtig. Wie kann das sein?

München - Millionen Klicks auf ein inzwischen entferntes Facebook-Video, und immerhin 250.000 auf die YouTube-Variante unten - das ist stattlich für ein Video - vor allem, weil hier weder cat content eine Rolle spielt, noch ein bekannter Musiker seinen neuesten Song vorstellt, auch auf Unanständiges wartet man hier vergebens. Es geht schlicht um einen Zaubertrick - oder genauer gesagt, um ein erstaunliches Gedankenexperiment. Lasse Burholt verspricht nämlich, dass er die Zahl erraten kann, an die man gedacht hat. 

Im Clip hält er eine Reihe von Schildern mit Anweisungen hoch, die es zu befolgen gilt. Zunächst soll man drei simple Rechenaufgaben schnell lösen. Nach jeder Aufgabe zeigt Burholt, der sich Lasse Balama (dänisch: Unruhestifter) nennt, zur Kontrolle das Ergebnis. Anschließend soll der Zuseher sich spontan für eine Zahl zwischen fünf und zwölf entscheiden und an diese denken. Und tatsächlich: Der Mann liegt zwar nicht in jedem Fall richtig, aber so oft, dass es kein Zufall sein kann. Die hohe Trefferquote erkennt man nicht zuletzt daran, wie oft dieses Video bei Facebook geteilt wurde. Dies zu tun, darum bittet Lasse nämlich seine Zuseher für den Fall, dass er die Wette gewinnt.

Doch wie macht er das?

Klar ist: Das Video läuft immer gleich ab. Es ist also egal, an welche Zahl man denkt, Lasse tippt immer auf die 7. Anstatt dass er also wild herumrät, muss er uns also dazu bringen, dass wir an genau diese Zahl denken. Zu diesem Zweck wendet er eine Reihe von Tricks an.

Zunächst: Die Chancen für einen Treffer stehen dabei bei 1:8, also 12,5 Prozent, das ist gar nicht mal so wenig. Jetzt muss er noch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir an die 7 denken.

Nachdem wir uns für eine Zahl entschieden haben, "rät" Lasse noch nicht los, sondern hält eine weitere Tafel hoch. Auf der sind in zwei Reihen die Zahlen aufgelistet, die zur Wahl standen. Doch sie erscheinen nicht in der Reihenfolge, die wir erwarten (von der kleinsten zur größten Zahl aufsteigend, erst die obere Reihe, dann die untere), stattdessen geht es links oben mit der 6 los, darunter kommt die 7, oben folgt dann die 8. Doch wer glaubt, das System nun verstanden zu haben und jetzt die 9 in der unteren Reihe erwartet, wird erneut irritiert, denn dort steht die 10. 

Wenn das Gehirn "stolpert"

Dazu kommt: Weil zwischen der 8 und 12 in der oberen Reihe eine größere Lücke klafft, werden die beiden Zahlenreihen übrigens unbewusst als zwei Vierergruppen wahrgenommen. Da unser Gehirn Ordnung liebt und gewohnt ist, von links nach rechts zu lesen, kommen wir in der Mitte der acht Zahlen unbewusst ins Stocken. Bei den meisten Menschen hat das den Effekt, dass sie ihre Entscheidung verwerfen und sich neu orientieren. Dabei konzentrieren sie sich ganz auf die erste Vierergruppe.

Und hier bringt Lasse den fiesesten Trick an: Er hält das Schild mit den beiden Zahlenreihen so, dass er mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand unauffällig auf die erste Zahl in der zweiten Reihe, zeigt - die 7. Die linke Hand hingegen nehmen wir gar nicht wahr. Wenn das Video geteilt wird, ist die Tafel mit der Zweierreihe samt Lasses Finger das Bild, das wir sehen. Also schon bevor wir den Clip anklicken, hat sich bereits die Zahl in unser Hirn geschmuggelt, an die wir später - vermeintlich spontan - denken.

Das Geheimnis der Sieben

Doch was zieht uns von den vier Zahlen ausgerechnet zur 7? Zunächst ist diese Zahl für viele besonders. Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass sie am häufigsten genannt wird, wenn wir nach unserer einstelligen Lieblingszahl gefragt werden. In der Bibel gibt es etwa die sieben Tugenden und die sieben Laster, die sieben Sakramente und am siebten Tag der Woche ruhte Gott ebenso wie wir. In zahlreichen Redewendungen und Liedern spielt die 7 eine Rolle ("Über sieben Brücken musst du gehen", "Sieben Fässer Wein", "Eine Katze hat sieben Leben"). 

Der letzte Trick, den Lasse anwendet, hat wieder etwas damit zu tun, wie unser Gehirn funktioniert: Durch die drei Rechenaufgaben (5+3=8, 9+2=11, 10-6=4), die wir zuerst gelöst haben, sind unsere kleinen grauen Zellen bereits auf Additionen beziehungsweise Subtraktionen in dem kritischen Bereich zwischen 5 und 12 geeicht, wenn es am Ende an eine Zahl denken soll. Und so errechnet es ganz automatisch und unbewusst die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen, und das ist...? Richtig.

Warum klappt der Trick nicht immer?

Wir haben es also mit einer raffinierten Mischung aus Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistik und geschickter Manipulation zu tun. Das erklärt auch, warum es bei manchen Menschen nicht klappt. 

hn

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