+
Unterwegs auf der Landkarte: Entscheidend bei Senioren ist, dass sie einmal den individuellen Nutzen eines Gerätes erkennen. Danach sind die meisten begeistert - etwa vom Tablet. Foto: Sebastian Willnow

Eine Frage des Nutzens

Welche Technik Senioren wirklich brauchen

Ein Smartphone versteht Oma sowieso nicht? Unsinn! Die Technik lernen kann jeder, sagen Experten. Die Frage ist nur: Welche Geräte brauchen ältere Menschen wirklich? Und wie überwinden sie sich, das schlaue Telefon, Tablet oder Fitness-Armband zu kaufen?

Berlin (dpa/tmn) - Geht es um neue Technik, winken Oma, Opa oder die Großtante oft ab. "Dafür bin ich zu alt", heißt es. Ein Irrtum, sagen Experten: Man müsse die Geräte nur nutzen wollen - und im Alltag tatsächlich brauchen.

"Ältere neigen dazu, zu sagen, 'Das ist nichts für mich' oder 'Das verstehe ich nicht mehr'", erklärt Barbara Keck von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen. Dabei müsse neue Technik immer erklärt werden, selbst Jüngeren. Nur hätten die oft schneller jemanden parat, den sie fragen können.

Technische Geräte würden in Studien ganz unterschiedlich angenommen, sagt Marten Haesner. Er leitet die AG Alter und Technik der Forschungsgruppe Geriatrie an der Berliner Charité. "Das liegt aber weniger am Alter oder an der Technik-Akzeptanz." Entscheidend sei der individuelle Nutzen. Nach einem Mehrwert zu fragen, lohnt sich: Wer die Vorzüge etwa eines Tablets entdeckt, ist oft begeistert.

In einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom gaben etwa 50 Prozent der Senioren mit Smartphone an, das Gerät erleichtere ihren Alltag. Und jeder Vierte (25 Prozent) erklärte, er könne sich ein Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellen.

Doch welche Geräte brauchen Senioren wirklich? Keck wirbt vor allem dafür, das Internet zu nutzen. "Gerade wenn man älter wird, wenn die Wege beschwerlicher werden, bietet das Internet sehr viele Möglichkeiten." Elektrogeräte bestellen, Behördenformulare ausfüllen, Nachrichten, Öffnungszeiten oder das Wetter abrufen, nennt sie als Beispiele. Wichtig ist die Kommunikation mit Familie und Freunden: "Mailen, Bilder von den Enkeln bekommen, Erfahrungen austauschen - das nutzen und schätzen Ältere sehr", sagt Keck.

Welches Gerät man dafür wählt, hänge von den Bedürfnissen ab: Wer für sein Ehrenamt viel mit Texten arbeitet, sei mit einem Laptop gut beraten. Wer viel unterwegs ist und gerne ein schnelles Foto macht, dürfte ein Smartphone oder Tablet praktisch finden.

"Wir empfehlen die Geräte, die die gesunde Lebensführung unterstützen, die es ermöglichen, dass ältere Menschen länger zu Hause leben können", sagt Wissenschaftler Haesner. Aber auch Apps sind Älteren behilflich: Das gilt für Navigationsdienste, Reiseführer oder die Taschenlampen-Funktion des Smartphones. Hinzu kommen viele Möglichkeiten im Gesundheitsbereich: "Die Technik bietet für sensorische, motorische und kognitive Defizite Lösungen", sagt Haesner. Dazu zählen Apps zur medizinischen Selbstvermessung, die Arztbesuche spart, Spracherkennung für Menschen mit Sehschwäche, Apps, die ans Trinken erinnern oder Armbänder, die Schritte zählen.

Erhard Hackler von der Deutschen Seniorenliga sagt: "Nützlich ist alles, was die Lebensqualität älterer Generationen erhält und verbessert." Spezielle Senioren-Modelle seien kein Muss. "Sinnvoll ist das, wenn ein Gerät etwa über größere Buchstaben verfügt und der Senior das braucht, weil er nicht mehr gut sieht, oder wo das Handy hörgerätekompatibel ist", so Hackler. Ansonsten wollten Senioren keine Sondermodelle. Geräte wie Smartphones, Tablet oder Notebooks lassen sich ohnehin individuell einstellen, auch für Menschen mit Seheinschränkungen.

Doch wie begegnet man Skepsis? Und wie klappt der Einstieg zum Beispiel ins Smartphoneleben? Die Experten sind sich einig: Es braucht Menschen, die einem die neuen Geräte erklären und die Senioren auch im weiteren Gebrauch beraten. "Kinder, Enkel, Freunde, Bekannte, sie alle können behilflich sein", sagt Barbara Keck. "Man darf nur keine Scheu haben und muss fragen." Und man sollte das Gerät mal in der Hand halten. In vielen Städten gebe es Computerclubs, Technik-Beratungsstellen oder VHS-Kurse. Viele Ältere schätzten Schulungen von Gleichaltrigen. Auch hier gebe es Angebote wie die Senioren-Technik-Botschafter oder Internet-Lotsen.

Beim Kauf von Geräten sei oft die Buchung eines Installationsservices ratsam, der die wichtigsten Funktionen einrichtet, sagt Keck. "Das kostet natürlich etwas, aber ich würde lieber bei der Technik sparen und stattdessen in guten Service investieren."

Die Deutsche Seniorenliga empfiehlt, sich für den Kauf - etwa eines Smartphones - viel Zeit zu nehmen und sich zu nichts drängen zu lassen. Kaufkriterien seien etwa, ob ein Gerät leicht verständlich ist, gut in der Hand liegt und das Display kontrastreich ist.

Info-Portal "Wegweiser Alter und Technik"

Pressemitteilung zur Bitkom-Studie

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

HDMI-Premium-Kabel für UHD und HDR nutzen
Per HDMI-Kabel lassen sich Bilder und Filmdateien von Geräten wie Rechner, Spielekonsole oder Blu-Ray-Player auf den TV-Bildschirm senden. Dabei ist für hochauflösende …
HDMI-Premium-Kabel für UHD und HDR nutzen
Längst nicht ausgeknipst: Analoge Kameras sind wieder hip
Die schon verschwunden geglaubte Analogkamera ist wieder da. Zur weltgrößten Fotomesse Photokina zeigt sich: Mit ihr ist es ein bisschen so wie mit der Schallplatte.
Längst nicht ausgeknipst: Analoge Kameras sind wieder hip
"Augmented Reality" kommt aufs Smartphone
Als Google vor einigen Jahren mit seiner digitalen Brille scheiterte, war das ein Rückschlag für die Vision der "erweiterten Realität". Doch jetzt erobert mit …
"Augmented Reality" kommt aufs Smartphone
eBay Kleinanzeigen plant neue Funktion - Darauf haben die User lange gewartet
eBay Kleinanzeigen plant ein neues Feature, auf das Nutzer schon lange gewartet haben. Allerdings vorerst nicht so wie erhofft.
eBay Kleinanzeigen plant neue Funktion - Darauf haben die User lange gewartet

Kommentare