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Die Gruppe will die aus aller Welt per Internet eingesandten Texte sammeln, die interessantesten Geschichten auswählen, in einem Buch zusammenfassen und dann in acht verschiedene Sprachen übersetzen.

Ein Tag auf der Welt in einem Buch

Berlin - Das Internet soll‘s möglich machen: Mit einem Aufruf im Netz will Matthias Kluckert (26) die Erlebnisse von Menschen auf der ganzen Welt einsammeln und in ein Buch verpacken.

Auf dem Flug von Peking nach Frankfurt hatte Matthias Kluckert eine Idee. Als er aus dem Fenster hinunter auf die Erde schaute, fragte sich der damalige Student: “Was machen eigentlich all diese Menschen hinter den Tausenden beleuchteten Fenstern genau jetzt?“ Aus diesem eigentümlichen Gedanken entwickelte sich bald ein konkretes Projekt. “Ein Tag auf dem Planeten“ (“A day on the planet“) soll das Buch heißen, in dem Menschen aus aller Welt aufschreiben, was sie am 09. September 2009 erleben werden. “Wir wünschen uns, dass die Menschen aus ihrer persönlichen Sicht aufzeichnen, was sie an diesem 09. 09. 09 besonders bewegt hat“, sagt Kluckert. Zusammen mit einer kleinen Gruppe von Freunden arbeitet er nun seit mehr als einem Jahr auf diesen einen Tag hin.

Die Gruppe will die aus aller Welt per Internet eingesandten Texte sammeln, die interessantesten Geschichten auswählen, in einem Buch zusammenfassen und dann in acht verschiedene Sprachen übersetzen. “Alles hängt davon ab, wie viele Leute letztlich mitmachen, auch wenn wir bisher schon mehrere hundert Zusagen bekommen haben“, erzählt Kluckert. Jede dritte Anfrage komme mittlerweile aus dem Ausland, viele aus Asien und Amerika. Am wenigsten Rückmeldungen erhält das Projekt derzeit noch aus arabischen Ländern - dort sind Schreiber dringend gesucht. Die Kommunikation läuft über alle erdenklich Kanäle, ob es Facebook, Twitter, E-Mail oder auch das Telefon ist.

Von der Gleichzeitigkeit der Dinge

Der Gedanke von der Gleichzeitigkeit der Dinge auf Erden ist nicht neu. Gedichte und Lieder erzählen davon, auch etwa der Film “Night on Earth“ von Kultregisseur Jim Jarmusch. Darin wird die Geschichte von fünf Taxifahrten in der selben Nacht in fünf verschiedenen Städten erzählt. In einer 24-Stunden-Doku zeigt der Sender Arte am 5. September, was genau ein Jahr zuvor an diesem Tag 24-Stunden lang in Berlin geschah. “Das Neue bei uns ist aber, dass jeder mitmachen kann“, erklärt Kluckert. Außerdem soll das Buch zeigen, wie “ähnlich sich letztlich alle Menschen sind, so gegensätzlich ihre Ideologien, Religionen und Gewohnheiten auch sein mögen“.

Der 26-Jährige hat dies am eigenen Leib erfahren. Vier Jahre lang hat er in Peking chinesische Sprache und Kultur studiert und dabei tief in die Seele des asiatischen Volkes sehen können. “Ich bin in einem kleinen Schwarzwalddorf aufgewachsen und wollte immer wissen, wie das Lebens woanders aussieht“, sagt Kluckert, der jetzt in Berlin lebt und eine Journalisten-Ausbildung absolviert.

Geschichten über Liebe, Freude und Trauer

Doch was kann Wichtiges passieren an diesem 09. September in den vielen Teilen der Welt? Die Initiatoren hoffen darauf, dass Geschichten zusammenkommen über Liebe, Überraschungen, Trauer und Freude oder auch über ganz Alltägliches. “Was in unserem Leben hier in Deutschland normal erscheinen mag, kann für jemanden in Indien oder Südamerika sehr spannend sein“, sagt Kluckert. Obwohl das Projekt ohne Internet nicht denkbar wäre, soll am Ende doch bedrucktes und gebundenes Papier stehen.

Ein Angebot zur Veröffentlichung sei von einem Verlag aus Schottland bereits eingegangen. Für Kluckert und seine Mitstreiter habe ein Buch “doch einfach einen bleibenden Wert“, im Internet würden die Geschichten schnell untergehen. Wenn schließlich genügend gute Berichte aus vielen verschiedenen Ländern eingesandt werden, das Buch gedruckt und verkauft ist, will sich die Gruppe an eine wohltätige Organisation wenden. Der Erlös des Projekts soll gespendet werden.

Zacharias Zacharakis ( AP )

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