Von der Weltstadt zur Mega-City

- Genau 40 Jahre ist es her, dass Sir Peter Hall den Begriff "Weltstadt" zum Fachterminus in der Urbanistik, der Stadtforschung, gemacht hat. Heute hat der Professor für "Planning and Regeneration" am University College in London ein neuartiges Phänomen im Blick: Als typisch für das 21. Jahrhundert gilt dem 1932 in London geborenen Urbanisten die "Mega-City-Region".

Stadt-Ungetüme mit 18 Millionen Einwohnern

Charakteristisch für seinen Forschungsgegenstand ist vor allem eins: Die Mega-City-Region lässt sich in ihren Ausmaßen und Verflechtungen nur schwer fassen, wie Hall in einem Vortrag an der TU München erklärte. Ein Beispiel ist die Region Südost-England. Sie hat mehr als 18 Millionen Einwohner. Zentrale Stadt ist London, wo die Hälfte der Einwohner und Arbeitsplätze angesiedelt sind. Daneben zählen noch fast 50 weitere Städte zu dieser Region.

Was derartige Stadt-Ungetüme außer ihrer Größe so schwer greifbar macht, ist die zunehmende Dezentralisierung. "Das ist derzeit ein starker Trend", erklärt Hall, der früher unter anderem die britische Regierung und den amerikanischen Kongress beraten hat. So pendeln Berufstätige aus den Städten rund um London nicht nur in die Mega-City selbst; vielmehr nimmt auch der Pendelverkehr zwischen den Orten in der Peripherie zu, berichtet der Stadtforscher.

Auch in Kontinental-Europa lässt sich diese Entwicklung beobachten, wie Hall, der als führender Vertreter seines Fachs gilt, sagt. In dem internationalen Forschungsprojekt "Polynet" hat der Urbanist, gefördert von der Europäischen Kommission, acht Mega-City-Regionen untersucht - darunter auch Rhein-Main und Rhein-Ruhr. In Rhein-Main pendeln Arbeitnehmer nicht mehr fast ausschließlich nach Frankfurt, sondern immer öfter zwischen kleineren Städten wie Darmstadt und Hanau.

Mit der Dezentralisierung verschiebt sich auch die Beschäftigungs-Struktur, wie Hall erklärt: In den zentralen Städten einer Region gebe es immer weniger Arbeitsplätze in der Herstellung von Gütern, dagegen entstünden hier auf dem Dienstleistungs-Sektor Stellen.

In vielen Mega-City-Regionen beobachtet Hall die Entstehung eines "funktionalen Polyzentrismus": Bank- und Versicherungsgeschäfte, Rechts- und Management-Beratung verlagern sich weg von der größten Stadt einer Region. Sie bilden zunehmend Zentren an Orten in der Umgebung einer Mega-City. Die Mega-Citys selbst bleiben laut Hall dagegen auch künftig die zentralen "Wissens-Drehscheiben".

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