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Wenn Angst den Schmerz beherrscht

- Zeitnot, Leistungsdruck, Versagensängste: Es gibt viele Faktoren, die Stress auslösen können. Anhaltenden Stress, der eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Chronifizierung von Schmerzen spielt. Das machte Dr. Frauke Musial vom Institut für Klinische und Biologische Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena bei einer Infoveranstaltung der Bayer Vital GmbH in Hamburg deutlich. Erste Studien legen nahe, dass es offenbar nicht die körperlichen, sondern vor allem psychische und psychosoziale Stressoren sind, die etwa zu chronischen Rückenschmerzen führen.

Als eines der wichtigsten Chronifizierungsfaktoren nannte sie die "erhöhte Aufmerksamkeit". Gerade unter Belastung werden Schmerzen als besonders einschränkend empfunden: Gedanken wie "Nein, nicht jetzt Kopfschmerzen, ich muss doch gleich die Präsentation vorstellen", können dann ein harmloses Spannungsgefühl zu einem unerträglichen Schmerz werden lassen. Andererseits heißt das aber auch: Wird während einer Zahnbehandlung ein Film angesehen und ist der Patient damit abgelenkt, können die Schmerzen als weniger intensiv wahrgenommen werden.

Entwicklungsgeschichtlich betrachtet ist Stress ein biologisch sinnvoller Mechanismus und "kurzzeitig durchaus etwas Positives", so Frauke Musial. Er führte früher dazu, dass der Mensch den täglichen Herausforderungen - bei der Jagd oder kriegerischen Auseinandersetzungen - gewappnet war. Der Körper wird auf eine Kampf-Flucht-Reaktion vorbereitet: der Blutdruck steigt und das Herz schlägt schneller, um die Muskulatur besser mit Sauerstoff zu versorgen. Zudem werden die Denkvorgänge im Gehirn beschleunigt. Das geschieht besonders auffällig bei Beinahe-Unfällen, bei denen die Betroffenen über eine plötzlich erhöhte Wachheit und Gedankenklarheit verfügen.

Schädlich ist jedoch der Dauerstress: Gibt es keine Ruhephasen oder handelt es sich um einen chronischen Zustand, werden andere Stresshormone, wie etwa das Cortisol, ausgeschüttet. Die Folge können Erschöpfung, Müdigkeit, Depression und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, so Musial. Auswege aus dem Teufelskreis seien eine frühzeitige Schmerztherapie, aber auch Entspannungsübungen und ein Training im Stressmanagement.

"Nein, nicht jetzt Kopfschmerzen, ich muss doch gleich die Präsentation vorstellen." Gerade in Stresssituationen werden Schmerzen als besonders behindernd empfunden. Doch wer sein Denken auf einen möglichen Schmerz konzentriert, kann ihn dadurch noch verstärken: aus einem ganz harmlosen Spannungsgefühl wird dann ein unerträglicher Schmerz.

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