Wenn die Beine nicht zur Ruhe kommen

- Man dreht sich von links nach rechts, kann einfach nicht einschlafen. Die Beine kommen nicht zur Ruhe, zucken ständig. Lautes Schnarchen und Atemaussetzer beunruhigen den Bettnachbarn. Oder ein Gesprächspartner nickt mitten im Satz ein. "Alles das sind Auswirkungen von Schlafstörungen, mit denen 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung zu kämpfen haben", sagt Dr. Thomas Wetter, Facharzt am Max-Planck-Institut Psychiatrie in München.

<P>250 000 Stunden - soviel Zeit etwa verbringt ein Mensch während seines Lebens im Schlaf. Zeit, in der man sich eigentlich vom Alltag erholen soll. Für viele wird der Schlaf jedoch zur Qual. </P><P>Die häufigsten Schlafstörungen sind Schnarchen mit regelmäßigen Atemaussetzern (Schlafapnoe-Syndrom genannt), die Narkolepsie (plötzlicher Schlafdrang) und das "Restless Legs Syndrom" (RLS). </P><P>Das Max-Planck-Institut hat derzeit ein europaweites Forschungsprojekt laufen, das sich mit RLS befasst. "Die Krankheit lässt sich zwar gut medikamentös behandeln, wir wissen aber nicht woher sie kommt. Sie ist erblich bedingt", sagt Wetter. Deshalb werden jetzt Familien gesucht, die unter dem Restless-Legs-Syndrom leiden und an der Studie teilnehmen wollen. Bei RLS wacht der Schlafende nachts häufig auf, weil seine Beine schmerzhaft zucken. "Die Patienten müssen immer wiederaufstehen, können sich nicht entspannen", so der Mediziner. Etwa jeder Zwanzigste in Deutschland leidet darunter.</P><P>Ungefähr jeder zehnte Schnarcher ist von der Schlafapnoe betroffen. Manche haben wiederholt einen Atemstillstand von zwei Minuten. Der gestörte Schlaf und der Mangel an Sauerstoff löst Kopfschmerzen und Müdigkeit aus, in schweren Fällen kann es zu Herzrhythmusstörungen oder sogar Schlaganfall kommen.</P><P>Gefährlich kann die Narkolepsie, ein anfallartig unwiderstehlich auftretender Schlafdrang mit richtigen Einschlafattacken werden, etwa, wenn es am Steuer oder am Arbeitsplatz passiert. </P><P>Im Schlaflabor des Max-Planck-Instituts können alle Störungen genau untersucht werden. In einem Schlafraum wird der Patient von 23 bis 7 Uhr in seinem Schlafverhalten überwacht. Erfasst werden alle Schlafstadien und bestimmte Körperfunktionen wie Herzrhythmus, Atmung und Körperbewegung. Dem Schlafenden werden Elektroden auf der Haut befestigt, kleine Metallplättchen, mit denen elektrische Ströme vom Gehirn, Herzmuskel und Skelettmuskel abgeleitet werden.</P><P>Zwei Elektroden werden für die Ableitung der Gehirnströme benötigt. Ein Schlafstadium, der REM-Schlaf (Rapid-Eye-Movement), als Traumschlaf bekannt, ist durch schnelle Augenbewegung charakterisiert. Dieses Stadium wird durch zwei Elektroden in der Nähe der Augenhöhlen erfasst. </P><P>Im Schlaf erschlaffen die Muskeln, auch die Kinnmuskulatur, so dass der Schlafzustand durch geringe Muskelströme gekennzeichnet ist. Zwei Elektroden werden deshalb im Bereich der Unterkiefermuskulatur auf der Haut befestigt. <BR>Da Störungen der Atmung den Schlaf behindern, wird auch die überwacht. Während des Schlafes atmet man nicht nur durch die Nase, sondern auch zu etwa 20 Prozent durch den Mund. Sensoren an beiden Nasenöffnungen und ein Mikrofon neben dem Kehlkopf erfassen die Luftbewegungen. </P><P>Da die Atmung häufig oberhalb der Stimmritze während des Schlafes blockiert ist (eine Vorstufe dieser Blockade ist das schwere Schnarchen), kommt es vor, dass sich das Zwerchfell noch bewegt. Diese Bewegungen können anhand von Brust- und Bauchdehnung erkannt werden. Mittels Dehnungsmeßfühlern werden unterschiedliche Störungen der Atmung registriert. Die Sauerstoffsättigung im Blut wird mit einem Fingerclip gemessen. Vier weitere Elektroden, befestigt an der höchsten Muskelstelle am mittleren Schienbein, zeichnen die Beinbewegungen auf. </P><P>Internet<BR>Auf der Homepage des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie unter www.mpipsykl.mpg.de gibt es Informationen zur Schlafambulanz. Unter www.schlaflabor.de findet man Wissenswertes über Schlaflabor- und störungen.</P><P>Neue Studie<BR>Das Max-Planck-Institut und das GSF, Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit sucht für ihr Forschungsprojekt Familien, die unter dem Restless-Legs-Syndrom leiden. Anmeldung unter Telefon (089) 306 222 26 oder  318 735 30.</P><P>Lexikon aktuell<BR>Die erste Beschreibung des "Restless Legs Syndroms" (RLS) wird Thomas Willis zuerkannt, der bereits 1685 einen Patienten mit den typischen Beschwerden beschrieben hat. <BR><BR></P>

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