Wenn der Feuereifer ausbrennt

- Fußball-Trainer Ottmar Hitzfeld kennt das Gefühl, völlig ausgebrannt zu sein. Auch Skispringer Sven Hannawald sprach öffentlich über seine Krise. Wer kennt nicht mindestens einen Arbeitskollegen, der sich "ausgebrannt" fühlt? Studien zufolge leidet bis zu ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland am chronischen Erschöpfungssyndrom Burnout.

Das Leiden beginnt oft mit anhaltender Müdigkeit. Die Energie lässt nach, es fällt schwer, sich zu konzentrieren. In der Arbeit wird nur noch "Dienst nach Vorschrift" geleistet. Zuletzt wird man gleichgültig und verliert das Interesse an seiner Umgebung. Kontakte zu Familie und Freunden reißen ab. Der Betroffene zieht sich zurück. Manche denken sogar an Selbstmord oder greifen zu Drogen.

Ursache dafür, dass immer mehr Menschen "ausbrennen", scheint das rauere Arbeitsklima zu sein. Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, steigt. Der Druck wächst. Die Überstunden häufen sich. So empfinden es zumindest viele. Doch gibt es tatsächlich immer mehr Betroffene, oder ist Burnout eine Art "Mode-Krankheit"? Gesicherte Zahlen gibt es nicht.

Der Münchner Psychosomatik-Professor Peter Henningsen vom Klinikum rechts der Isar sieht "Auswüchse in der Verwendung des Begriffs Burnout". Berichte über steigende Zahlen seien "mit Vorsicht zu genießen".

Der Begriff Burnout sei "sehr unscharf" und werde im Alltag mit vielen Beschwerden in Verbindung gebracht, die auch auf andere Krankheiten hinweisen können. Laien konstruierten sich so häufig selbst ein "Erklärungsmodell" für Symptome wie Erschöpfung oder Depressionen, erklärt Henningsen.

Viele Lehrer leiden unter emotionaler Erschöpfung

Eine besonders große Gefahr auszubrennen, haben indessen offenbar Lehrer: Eine Pilotstudie mit 400 Freiburger Pädagogen bescheinigt fast jedem Dritten emotionale Erschöpfung und ein Gefühl der Sinnlosigkeit für die eigene Arbeit - Anzeichen, die typisch für das Burnout-Syndrom sein können.

Für Studienleiter Professor Joachim Bauer, der auch mit dem Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband BLLV zusammenarbeitet, zeigen sich darin deutlich Auswirkungen einer veränderten Berufssituation: "Die Anforderungen an Lehrer haben sich in den vergangenen 20 Jahren massiv erhöht."

Ob ein Mensch in eine Burnout-Krise gerät, hängt allerdings nicht nur von äußeren Einflüssen wie der Arbeitsumgebung ab. Der Ulmer Psychiatrie-Professor Volker Faust schreibt, dass auch unrealistische Erwartungen an den Job, gepaart mit einer Überschätzung der eigenen Qualifikation und blindem Ehrgeiz mit zum Burnout führen können.

Beschrieben wurde Burnout erstmals 1974 vom New Yorker Psychotherapeuten Herbert Freudenberger. Er beobachtete, wie das anfängliche Engagement von Streetworkern mit der Zeit umschlug in einen andauernden Erschöpfungszustand. Die Betroffenen wurden zunehmend zynisch und sprachen abschätzig über die Jugendlichen, die sie betreuten.

Gefährdet war besonders, wer anfangs einen hohen Einsatz gezeigt hatte. Das gilt bis heute. Burnout trifft vor allem denjenigen, der "gebrannt" hat, also mit sprichwörtlichem Feuereifer bei der Sache war. Auf Menschen mit hohem persönlichen Einsatzwillen wirke der "graue Arbeitsalltag" besonders ernüchternd, erklärt Faust. Sie glauben, den eigenen hohen Erwartungen nicht gerecht zu werden.

Hilfe kann eine Psychotherapie bringen

Sogar Ärzte können ausgebrannt sein: Bauer verweist auf Studien, wonach diese Ärzte ihre Patienten schlechter behandeln und ihnen eher mehr Medikamente verschreiben als gewöhnlich.

Ein Burnout kann sich in einer Vielzahl körperlicher und seelischer Beschwerden äußern. Eine Therapie für das Syndrom als Ganzes gibt es nicht. Behandelt werden die speziellen Beschwerden des Patienten - Depressionen etwa, oder Angstzustände, Tinnitus und chronische Schmerzen.

Hilfe kann auch eine Psychotherapie bringen. Bei andauernden Erschöpfungszuständen seien zudem "aktivierende Maßnahmen" wie Gymnastik wichtig, betont Henningsen. "Wer sich zu sehr schont, gerät in einen Teufelskreis."

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