Wenn Kinder sterben

- Als sie starb, war die zwölfjährige Anna (Name geändert) extrem abgemagert. Der Körper des Kindes bestand nur noch aus Haut und Knochen. Der Krebs am Hals, der Anna zwei Jahre zuvor befallen hatte, war in ihre Speiseröhre gewachsen, so dass sie am Ende nicht mehr essen und trinken konnte und über eine Sonde künstlich ernährt werden musste. Nur mit einer Morphiumdauertherapie hielt das Mädchen die schlimmen Schmerzen aus. Anna starb zu Hause, wie sie es sich gewünscht hatte.

<P>Etwa 1500 Kinder sterben jährlich in Deutschland an einer schweren Krankheit. Meist ist es Krebs. "Die Kinder wissen fast immer, wie es um sie steht und möchten in ihrer gewohnten Umgebung, sein, wenn es zu Ende geht", sagt Dr. Monika Führer, Oberärztin am Haunerschen Kinderspital der Münchner Universität.  Sie möchte den Gedanken der Palliativmedizin, die lindert und schützt, wo Heilung nicht mehr möglich ist, auch Kinderärzten vermitteln. In München lud sie deshalb zu einer Tagung mit Experten.</P><P><BR>"Viele niedergelassene Ärzte sind unsicher, wenn sie schwerkranke Kinder betreuen", so Führer. Wichtig sei, die kleinen Patienten von ihren starken Schmerzen, von Übelkeit oder Atemnot zu befreien: "Die Kinder sollten ihr Leben bis zuletzt leben können und dann in Würde sterben." Um dies zu erreichen, müssen Ärzte oder Pflegekräfte auch die Eltern in die Betreuungsarbeit bei einem todkranken Kind einbeziehen. Denn die Familien sind oft hilflos in der Betreuung.</P><P><BR> Die Betreuung erfordere aber ein Wissen, das gerade Kinderärzte während der Ausbildung nicht gelernt hätten, so Führer. Ein Beispiel: Die Behandlung mit Opiaten gegen starke Schmerzen. "Die Angst vor Morphium ist unbegründet. Eine Abhängigkeit der Kinder ist nicht zu befürchten." </P><P><BR>"Zu viele todkranke Mädchen und Jungen verbringen ihre verbleibende Lebenszeit in Kliniken", meinte auch bedauernd Dr. Boris Zernikow, Leitender Arzt des Institutes für Kinderpalliativmedizin im nordrhein-westfälischen Datteln. Nach einer von ihm durchgeführten Studie sterben 60 Prozent der unheilbar krebskranken Kinder in einem Krankenhaus und nur 40 Prozent zu Hause. "Theoretisch könnte jeder dieser Patienten zu Hause versorgt werden." Schwieriger sei dies, wenn das Kind an einer Erkrankung leide, die das Nervensystem zerstört. Aber auch hier sei durch ambulante Unterstützung der Angehörigen oft eine Lösung möglich.<BR>Um die häusliche Pflege zu erleichtern, gründete Dr. Monika Führer das Projekt "Hospiz ohne Grenzen". Ab März diesen Jahres besteht eine bayerische Koordinationsstelle am Haunerschen Kinderspital: Eine Ärztin wird alle Personen, wie Kinderärzte, Pflegedienste oder Psychologen, die schwerkranke Jungen und Mädchen betreuen, ausfindig machen, miteinander vernetzen und als deren Ansprechpartner dienen. </P><P><BR>Fortbildungen für Ärzte und Schwestern, die sich um sterbende Kinder kümmern, wird außerdem das Neue Zentrum für Palliativmedizin anbieten, das im kommenden April am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität eröffnet wird.<BR>Das erste bayerische Kinderhospiz soll im Jahr 2005 in Bad Grönenbach im Allgäu errichtet werden.<BR><BR>Wenn ihr Kind todkrank ist, stehen Eltern der Situation oft hilflos gegenüber. <BR><BR></P>

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