Wenn Schlafen zum Albtraum wird

- Er war ständig erschöpft, hatte oft Kopfschmerzen, konnte sich nicht konzentrieren: Und: Er schnarchte. Jahrzehntelang lebte Johann Häcker mit einer Krankheit und wusste es nicht. Im Juli 1988 krachte er dann mit seinem Auto gegen eine Leitplanke, er war am Steuer eingeschlafen. Im Nachhinein sein Glück, denn dadurch kam es letztlich zur Diagnose: Schlafapnoe. Seitdem will Häcker aufklären - über eine noch unbekannte Volkskrankheit. Als Vorsitzender des Bundesfachverbandes war er zum Infotag des Atemgeräteherstellers ResMed nach München gekommen.

Wenn Johann Häcker früher einschlief, dann begann für seinen Körper der Kampf ums Überleben. Hunderte Male - jede Nacht. 368 Atemaussetzer wurden bei ihm während des Schlafens gezählt, 20 Mal über eine Minute, 19 Mal über zwei Minuten, ein Mal sogar über drei Minuten. 17 Jahre ist das her, seitdem hat er eine Maske, die ihm das Atmen nachts erleichtert. Mit Überdruck wird dabei die Luft durch die Atemwege gepumpt. Bei Schlafapnoe fallen die oberen Atemwege so stark zusammen, dass es zum Verschluss kommt. Als Hauptrisiko gilt das Übergewicht, daneben gibt es auch anatomische Probleme, wie etwa eine Kieferfehlstellung.

Rund 1500 Patienten suchen jährlich bei Dr. Holger Wöhrle im Schlaflabor der Uniklinik Ulm Hilfe. Männer seien eher tagesmüde, Frauen hätten häufiger Schlafstörungen, so der Mediziner. Gleich ist die Auswirkung. Damit der Schlafende nicht erstickt, kommt es zu einer automatischen Weckreaktion (Arousal), die für den Körper unglaublichen Stress bedeutet. Hinzu kommt der Sauerstoffmangel. Das Grundproblem: Die Betroffenen sind sich ihrer extremen Atemaussetzer oft nicht bewusst. Wöhrle: "Schlafapnoe ist häufig, wird aber auch häufig übersehen."

Das gelte auch bei Kindern und Säuglingen, wie Prof. Gerhard Zwacka deutlich machte. Die Symptome seien allerdings anders. "Kinder schlafen tagsüber nicht ein, sind aber schwer weckbar und eher zappelig." Mögliche Folgen: Durch die verstärkte Atemarbeit wird der Brustkorb eingezogen, was zu Verformungen führen kann. Außerdem kann es zu Entwicklungsstörungen kommen.

Wegen seiner Erkrankung ist auch Johann Häcker erheblich eingeschränkt. Wie viele Betroffene leidet der 67-Jährige etwa unter Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Doch zumindest weiß er heute, warum. Jahrelang war er damals vergeblich von Arzt zu Arzt gelaufen. Bis zu jenem Unfall. Um für die Erkrankung mehr Bewusstsein zu schaffen, setzt er sich beim Bundesfachverband Schlafapnoe/Atemstillstand und chronische Schlafstörungen ein. "Diese Krankheit ist deshalb so heimtückisch, weil sie nicht 'Aua' macht."

Der Begriff "Apnoe" (griechisch) bedeutet Windstille. Laut Experten leiden vier Millionen Deutsche an schlafbezogenen Atmungsstörungen, insbesondere obstruktiver Schlafapnoe (OSA), doch nur fünf Prozent sind diagnostiziert. Schlafapnoe kann schwere Folgen haben, wie Impotenz, Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei frühzeitiger Behandlung können die Risiken jedoch deutlich reduziert werden.

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