Wenn die Wände schimmeln

- Draußen ist es feucht und kalt. Wenn es dann im Hals kratzt, der Husten nicht aufhört, muss nicht trockene Raumluft oder ein hartnäckiger Infekt schuld sein. Hinter den Beschwerden kann auch Aspergillus niger oder Stachybotrys chartarum stecken. Wenn es Winter wird, ist die beste Zeit für Schimmelpilze. Sie wachsen in feuchten Ecken oder nisten sich hinter Möbeln ein.

Ihre Sporen können für den Menschen schädlich sein: Sie reizen die Atemwege und können zu Allergien und Infektionen führen.

Schimmelpilze wachsen vor allem im Winter

"Das Problem ist nicht die Feuchtigkeit draußen", erklärt Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München. Die warme Luft im Haus kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. "Allein in der Nacht verdunsten wir einen halben Liter Wasser", sagt Raithel. Ist der Temperatur-Sprung von warmem Wohnzimmer und kalter Außenwand zu groß, beschlagen die Wände von Innen.

Taupunktunterschreitungen nennen dies die Fachleute. Der Bewohner merkt davon zunächst nichts. "Mit der Hand kann man die Feuchtigkeit an der Wand nicht fühlen", sagt Raithel. Bleibt die Wand einige Wochen feucht, ist das für den Schimmelpilz ideal. Am Anfang wächst ein weißer Flaum wie auf einem Camembert. Später färbt sich der Schimmel schwarz.

Die meisten Schimmelpilze sind harmlos. Wer empfindlich ist, spürt allerdings, dass hinter dem Schrank ein ungebetener Gast gedeiht. Denn die winzigen Sporen der Schimmelpilze reizen die Schleimhäute. Doch gibt es auch giftige Arten. "Diese können auch grün oder rosarot sein", sagt Raithel.

Nicht nur aus diesem Grund sollte man den feuchtigkeitsliebenden Untermieter schnell beseitigen. Der Kontakt mir Schimmelpilzsporen kann eine Allergie auslösen. Zwar gehören Schimmelpilze nicht zu den häufigsten Allergenen unserer Umwelt. "Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden dennoch an einer Schimmelpilzallergie", sagt Professor Johannes Ring, Leiter der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein. Beim Kontakt mit den Sporen zeigen sich dann die typischen Symptome: Die Nase läuft, die Augen werden rot. Auch Asthma oder ein Ekzem-Schub können die Folge sein.

Ob wirklich ein Schimmelpilz dahinter steckt, zeigt ein Allergie-Test. Wer unter den Beschwerden sehr leidet, kann sich einer Hyposensibilisierung unterziehen. "Die Extrakte sind noch nicht so gut wie für andere Allergene", sagt Ring. Doch können sie in vielen Fällen die Allergie lindern oder sogar ganz zurückdrängen.

Schwerer zu behandeln ist eine Allergie, wenn sie zusammen mit einer Infektion auftritt. Die Medizin nennt dies allergische Atemwegsmykose. Ist das Immunsystem geschwächt, etwa durch Stress, können Schimmelpilze auch zu einer Infektion der Lunge führen. "Das wird oft lange nicht erkannt", sagt Professor Ring. Antibiotika helfen nicht, ein Allergietest kann nichts feststellen. Doch ist eine solche Erkrankung laut Ring "relativ selten".

Sind die Wände schlecht isoliert, werden sie feucht

Um Allergien und Erkrankungen zu vermeiden, kann man indes eines tun: dem Schimmel den Garaus machen. Ist die Wohnung schlecht isoliert, lässt sich Schimmel nur verhindern, wenn man den Mangel behebt. Besonders bei Gebäuden aus den 60er- und 70er-Jahren ist dies laut Raithel der Fall. Doch gibt es Mittel, ihn zu bekämpfen. Hat sich Schimmel eingenistet, rät der Experte zu Alkohol oder alkoholischem Desinfektionsmittel, um ihn zu entfernen. Essig sei indes wenig empfehlenswert. Er stinkt nicht nur, sondern verändert den Ph-Wert der Wand. Dies kann dazu führen, dass der Schimmel danach sogar leichter nachwächst.

Wer zweifelt, ob in seiner Wohnung Schimmel wächst, erhält Hilfe beim Experten. Eine Luft- und Staubprobe verrät im Labor, ob Sporen fliegen. Ist die Belastung hoch, sollte man hinter Schränken und Sesseln auf die Suche gehen.

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