Das Wetter auf dem Titan: Methan-Nieselregen bei minus 180 Grad

- Köln/London - Auf dem Saturnmond Titan fällt ein steter Nieselregen aus flüssigem Methan. Das schließen Forscher um Tetsuya Tokano von der Universität Köln aus den Beobachtungen der europäischen Landesonde "Huygens", die im Januar 2005 auf dem eisigen Trabanten niedergegangen war.

 "Der Regen entsteht ähnlich wie bei unserem Wasserkreislauf auf der Erde", erläuterte Tokano, dessen Team seine Ergebnisse im Fachblatt "Nature" (Bd. 442, S. 432) veröffentlichte. Titan ist damit abgesehen von der Erde der einzige Ort im Sonnensystem, wo Regen auf den Boden fällt, wie der britische "New Scientist" berichtet.

"Der Nieselregen ist kontinuierlich und hält wahrscheinlich mehrere Jahre an", erklärte Tokano. Trotz relativ kleiner Niederschlagsmengen halte das Methan die Oberfläche des Mondes feucht und beeinflusse damit aktiv ihre Struktur. "Bisher haben wir durch Teleskope immer nur Wolken gesehen. Mit Hilfe der Daten konnten wir jetzt auch Regen feststellen." Für flüssiges Wasser ist es auf dem Saturnmond zu kalt. Die von "Huygens" gemessene Oberflächentemperatur von minus 180 Grad Celsius erlaubt aber Regen, Flüsse und Seen aus Flüssiggas.

Es gebe auf Titan offenbar einen Methan-Kreislauf zwischen Boden und Atmosphäre, sagte Tokano. Ein solcher Methan-Kreislauf sei bislang auf keinem Planeten gefunden worden. Forscher hatten angesichts der Flüsse und Seen auf dem Titan bereits über möglichen Flüssiggasregen spekuliert. Erst am Dienstag hatte die US- Raumfahrtbehörde NASA Radarbilder der "Huygens"-Muttersonde "Cassini" veröffentlicht, die nach Deutung der Forscher große Seen flüssiger Kohlenwasserstoffe wie Methan zeigen.

Für derart große Formationen wie Flussläufe und Seen ist der Nieselregen vermutlich nicht ausreichend, sein Niederschlag beträgt dem "New Scientist" zufolge gerade einmal 50 Millimeter im Jahr. Zusätzliche Flüssigkeit könnten daher heftige Regenstürme liefern, die einem theoretischen Modell zufolge über den Saturnmond toben. Die Wissenschaftler Ricardo Hueso und Agustín Sánchez-Lavega von der Universität Bilbao (Spanien) stellen ihr Rechenmodell in derselben Ausgabe von "Nature" (S. 429) vor. Unter bestimmten Bedingungen bilden sich demnach innerhalb weniger Stunden in einer Höhe von etwa 30 Kilometern dicke Wolken und es komme zu sturmartigen Methan- Schauern, heißt es in dem Artikel.

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