Gründer spricht bei der DLD

Whatsapp soll unabhängig bleiben

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München - Jan Koum, der Gründer der Nachrichten-App "Whatsapp", scheut normalerweise die Öffentlichkeit. In München sprach er trotzdem über sein Unternehmen, seine Ziele und erklärte, warum er trotz Milliarden-Angeboten "Whatsapp" nicht verkaufen will.

In den vergangenen Jahren gab es kaum eine größere Erfolgsgeschichte als "Whatsapp": Mehr als 430 Millionen Menschen nutzen die Smartphone-App inzwischen und verschicken damit pro Tag rund 60 Milliarden Nachrichten. Allein in Deutschland gibt es mehr als 30 Millionen Nutzer. Gigantische Zahlen, die "Whatsapp"-Gründer Jan Koum bei der Konferenz "Digital Life Design" (DLD) von Burda in München ganz nüchtern verkündete. Koum ist ein unaufälliger Typ: er trägt Jeans, T-Shirt und einen schwarzen Kapuzenpullover.

WhatsApp: Eine sichere Alternative im Test

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Doch Koum ist noch lange nicht zufrieden mit dem Erfolg seines Unternehmens. "Wir wollten von Anfang an auf jedem Smartphone sein", sagt er. Derzeit gebe es rund 1,5 Milliarden Smartphones weltweit, Whatsapp habe aber "nur" 430 Millionen Nutzer: "Wir haben also gar keinen so guten Job gemacht", sagt Koum grinsend. Natürlich konnte auch er nicht ernsthaft mit so einem Erfolg rechnen. "Wir sind überwältigt vom Wachstum", sagt er.

Im Gegensatz zu vielen anderen Apps setzt "Whatsapp" nicht auf Werbung, um Geld zu verdienen. Stattdessen muss man eine jährliche Gebühr von knapp einem Euro für die Nutzung bezahlen. "Es ist ein sehr ähnliches Geschäftsmodell wie das, an das Telekommunikationskunden seit sehr langer Zeit gewöhnt sind", sagt Koum. Er und sein Mit-Gründer hätten ein einfaches Prinzip: Konzentration auf den Nachrichtendienst. An seinem Schreibtisch im Silicon Valley klebt deshalb ein Post-it, auf dem steht: "Keine Werbung, keine Spiele, kein Krimskram." Dafür seien andere da.

Von Anfang an sei klar gewesen, dass man nicht auf Werbung setzen wolle. "Das Handy ist etwas zu persönliches, ich finde, da hat Werbung nichts zu suchen", sagt Koum. Und es gebe noch einen Vorteil: "Whatsapp" habe durch den Werbeverzicht keinen Anreiz, die Daten seiner Nutzer zu sammeln, um passgenaue Anzeigen einspielen zu können. "Wir wollen so wenig wie möglich von unseren Nutzern wissen", behauptet Koum. Es ist auch eine Antwort auf die häufig geäußerte Kritik, "Whatsapp" schütze die Daten seiner Nutzer zu schlecht. "Wir verschlüsseln die Nachrichten auf dem Weg zwischen dem Telefon und unseren Servern", sagt Koum. Die Privatsphäre der Nutzer sei extrem wichtig.

Wie viel Geld die Gründer und Investoren mit "Whatsapp" bereits verdienen, will Koum nicht verraten: "Wir verdienen Geld", sagt er lapidar. Es gehe im Moment immer noch in erster Linie um weiteres Wachstum, statt ums Geldverdienen. "Whatsapp" soll trotz guter Angebote auch nicht an einen der Internetgiganten verkauft werden. "Es ist nicht schwer, ein Unternehmen zu verkaufen", sagt Koum. "Für uns ging es aber immer darum, ein Unternehmen aufzubauen, das Bestand hat." Statt an Google oder Facebook zu verkaufen, will Koum sie sich zum Vobild nehmen. Google und Facebook hätten schließlich auch nicht verkauft. Mit "Whatsapp" will Koum selbst in diese Liga vorstoßen und ein weiterer Internetriese werden.

Philipp Vetter

HINWEIS

Jan Koum spricht am Dienstag (21.1.2014) noch einmal öffentlich in München über "Whatsapp". Im Rahmen der DLD hält er einen öffentlichen Vortrag im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, Raum A 140. Einlass ist um 18 Uhr, der Eintritt ist kostenlos, der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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