Winzige Zeugen der Planeten-Geburt

- Ein paar winzige Staubkörner könnten in den nächsten Jahren den Sternenforschern Aufschluss geben über die Anfänge unseres Sonnensystems. Zum ersten Mal hat die NASA-Raumsonde "Stardust" von ihrer 4,6 Milliarden Kilometer langen Reise Staub von einem Kometen auf die Erde zurückgebracht. Mit einem Tennisschläger-ähnlichen Fangarm flog die Sonde nur 240 Kilometer am Kometen "Wild 2" vorbei, mitten hinein in eine Wolke aus Eis und Staub.

Dabei war sie mehr als sechs Kilometer pro Sekunde schnell. In der Wolke fing sie die nur zehn Mikrometer großen Partikel ein, auf die sich nun das Augenmerk der Wissenschaftler richtet. Mit beteiligt an der Mission ist auch Professor Eberhard Grün vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg. Er und sein Team haben den Fangarm getestet, mit dem Stardust den Staub einfing. "Kometen unseres Sonnensystems, wie auch Wild 2, bestehen aus Eis und Staub. Sie entstanden vor rund 4,6 Milliarden Jahren, während der Geburt unseres Planetensystems", erklärt Grün.

"Seitdem haben sie sich in ihrer chemischen und mineralogischen Zusammensetzung nicht mehr verändert." Damit könnten die Staubpartikel den Forschern auch darüber Auskunft geben, wie der so genannte protoplanetarische Nebel zusammengesetzt war, aus dem alle Planeten entstanden. "Besonders interessant wird die isotopische Zusammensetzung der Elemente, aus denen der Staub aufgebaut ist", sagt Grün. Isotope sind Atome, die mehr Neutronen in ihrem Kern haben als die Hauptelemente. "Während unser Sonnensystem entstand, haben sich die unterschiedlichen Isotope der Ausgangsmaterialien wie in einer großen Schüssel vermischt und ihre Zusammensetzung verändert", erklärt Grün.

"Mit den Stardust-Proben hoffen wir herauszufinden, aus welcher Urmaterie die heutigen Planeten entstanden sind." Neben der anorganischen Zusammensetzung des Kometenstaubes werden die Wissenschaftler zudem sehr genau nach den organischen Verbindungen Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff fahnden. Viele Forscher sind der Meinung, dass das Leben aus Material entstanden ist, das Kometen zur Erde gebracht haben. Werden nun organische Elemente entdeckt, dann würde dies diese Theorie unterstützen.

Bis allerdings die Analyse des Staubs starten kann, müssen die Teilchen erst einmal gefunden werden. Die Wissenschaftler erhoffen, einige hundert Partikel eingefangen zu haben. Ob dieses Ziel erreicht ist, ist noch unsicher. Beim Aufprall auf den Tennisschläger haben sie winzige Furchen in das Spezialmaterial gerissen, bevor sie zum Liegen gekommen sind. Für die Suche stellt die US-amerikanische Universität Berkeley nun rund 1,5 Millionen digitale Bilder des Fangarms ins Internet. Auf den Vergrößerungen seiner glasklaren Oberfläche kann nun jeder auf die Suche gehen, nach den Partikeln, die von den Anfängen der Planeten zeugen.

Infos im Internet: http://stardustathome.ssl.berkeley.edu/

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gamescom: Ein Blick auf Videospieler in Deutschland
In Köln trifft sich dieser Tage die Gamer-Szene. Sagt man. Doch ganz so leicht ist die Sache nicht. Die eine Szene gibt es längst nicht mehr, Videospiele sind aus der …
Gamescom: Ein Blick auf Videospieler in Deutschland
"Genesis Alpha One": Mit Klon-Labor auf Erkundungsfahrt
Auf der Suche nach einem neuen Planeten für die Menschheit erleben Spieler in "Genesis Alpha One" abwechslungsreiche Abenteuer. Das an sich bekannte Szenario wird als …
"Genesis Alpha One": Mit Klon-Labor auf Erkundungsfahrt
GAMESCOM: durchbuchstabiert, was sich in Köln abspielt
Zocken, Gucken, Kostümieren - zur Gamescom in Köln werden wieder Hunderttausende Spielefans erwartet. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr der E-Sport, die Kanzlerin …
GAMESCOM: durchbuchstabiert, was sich in Köln abspielt
"Sparc" ist schweißtreibender Sport in virtueller Realität
Ein Highlight der Gamescom kommt vom isländischen Entwickler CCP Games und bringt virtuelle Realität und Sport zusammen. Bei "Sparc", einer absurden Mischung aus Tennis, …
"Sparc" ist schweißtreibender Sport in virtueller Realität

Kommentare