"Wir brauchen keine Halbärzte"

- Mediziner fürchten, dass die Hochschulreform zu einer schlechteren Ausbildung in den Heilberufen führen könnte. Im Focus ihrer Kritik stehen die verkürzten Studiengänge, die auch in medizinischen Fächern eingeführt werden sollen. Beim Wissenschaftsministerium sieht man indes keinen Anlass zur Sorge. Einen Arzt ohne Staatsexamen werde es auch mit den neuen Studiengängen nicht geben, heißt es.

Bis zum Wintersemester 2009/2010 soll der Bachelor-Studiengang, der eine Studienzeit von drei Jahren vorsieht, die Regel sein. Wer noch ein Jahr dranhängt, soll den Master erwerben können. So steht es im Entwurf des Bayerischen Hochschulgesetzes. Studiengänge mit Staatsexamen, wie zum Beispiel Medizin, sollen allerdings auch weiterhin diesen Abschluss behalten.

"Auf längere Sicht sind Bachelor-Studiengänge aber auch in den Heilberufen geplant", sagt Klaus Ottmann, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer. In einem Gespräch habe ihm der bayerische Wissenschaftsminister, Thomas Goppel, dies bestätigt.

"Dagegen werden wir uns vehement wehren", kündigt Ottmann an. Er befürchtet, dass bei zunehmendem Ärztemangel auch solche "Fast-Food-Mediziner" zur Patientenbetreuung eingesetzt werden könnten. Zudem gebe es bereits genügend Ausbildungen für medizinische Assistenzberufe. "Niemand braucht einen Bachelor in den Heilberufen."

Rückenwind bekommt Ottmanns Kritik von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund: "Der Abschluss muss das Staatsexamen bleiben. Wir brauchen keine Bachelor- und Masterstudiengänge", sagt Professor Detlef Kunze Vorstandsmitglied im Marburger Bunds Bayern.

Im Bayerischen Ministerium für Wissenschaft versteht man die abwehrende Haltung der Mediziner nicht: "Einen Schmalspurarzt wird es nicht geben", sagt Sprecher Christoph Parchmann. Dass Mediziner mit Bachelor-Abschluss als Arzt tätig sein könnten, stünde nicht zur Diskussion. "Das hat auch mit dem Hochschulgesetz nichts zu tun."

Grundsätzlich positiv sieht man im Dekanat der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität eine kürzere Studienmöglichkeit in Medizin. "Etwa 30 Prozent der Mediziner mit Abschluss arbeiten nicht als Arzt", sagt Studiendekan Professor Dietrich Seidel. Eine komplette Arztausbildung sei hier nicht nötig. Von der Einführung eines solchen Studiengangs sei man aber noch weit entfernt.

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