"Wir lösen das Problem nicht in fünf Tagen"

- Mehr als vier Monate nach den ersten Fällen der rätselhaften asiatischen Lungenentzündung tappen chinesische und internationale Wissenschaftler immer noch weitgehend im Dunkeln. Der Erreger ist noch nicht eindeutig identifiziert. Das neue Virus ist bei verschiedenen Patienten unterschiedlich stark ansteckend. Neben der Tröpfcheninfektion werden weitere Verbreitungswege gesucht, nachdem in Hongkong ein ganzer Häuserblock verseucht worden war.

Peking - Doch mussten die Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO in China keineswegs bei Null anfangen. "China ist ja nicht wie Afrika", sagt der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser. Es gebe ein relativ gut entwickeltes Gesundheitssystem, gute Labors und Wissenschaftler. Die Einrichtungen in Peking seien "ultramodern". "Das große Problem war, es kam nichts raus", sagt Preiser mit Blick auf den mangelnden Informationsfluss aus China. "Wir haben uns zuerst gefragt, haben die den Überblick oder herrscht da totales Chaos." Doch gebe es jetzt mehr Klarheit. Die WHO-Experten zeigen sich mittlerweile beeindruckt von der Arbeit ihrer chinesischen Kollegen.<BR><BR>Die meisten Anzeichen deuteten darauf hin, dass das Virus hinter dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) zu den Coronaviren gehört. Doch der Beweis "wird noch einige Zeit brauchen", sagt Preiser. "Wir können nicht sagen, woher der Erreger kommt." Er könne schon länger im Menschen geschlummert und sich jetzt verändert haben, doch deute die untersuchte Genstruktur darauf, dass das Virus seinen Ursprung im Tierreich haben dürfte. "Die Gene entsprechen nicht den menschlichen Coronaviren." Beitragen zur Entstehung der Krankheit könnten auch Mikroorganismen wie Chlamydien, auch wenn diese nicht in allen Fällen festgestellt worden seien.<BR><BR>Die Reise der WHO-Experten am Donnerstag zum Ursprung der weltweiten Infektionen in der Südprovinz Guangdong sei ungemein wichtig, um sich den Anfängen des Virus zu nähern. Immerhin sind dort die erste Fälle schon im November entdeckt worden. Frühere Fälle sollen möglichst aus der Nähe nachuntersucht, Akten studiert werden. Gespräche mit Patienten könnten den Grad der Gefährdung erhellen. Die Experten wollen auch erkunden, wie in Guangdong mit der Krankheit umgegangen wird. Wenn die chinesischen Zahlen nicht geschönt sind, dann dürfte der Höhepunkt der Infektionswelle in China überschritten sein. "Dann eilt China dem Rest der Welt voraus", sagt Preiser, da weltweit der Höhepunkt keineswegs erreicht sei. Den Experten stehe noch ein langer Weg bevor. "Wir werden das Problem nicht in fünf Tagen lösen."<BR><BR>Wissenschaftler verfolgen auch Spuren, wonach das Virus von wilden Tieren abstammen könnte, die in Südchina als Delikatesse verzehrt werden - eine These, die auch Preiser für "plausibel" hält. Die Zeitung "Lianhe Wanbao" in Singapur berichtete, dass die Epidemie von einem kranken Koch eines Spezialitätenrestaurants für wilde Tiere in Shenzhen in Südchina ausgegangen sein könnte. Professor Xie Jinkui vom Volkskrankenhaus in Heyuan in Guangdong, der den Fall aufspürte, erläuterte, einige Viren versteckten sich in Tieren und könnten Menschen sehr gefährlich werden, wenn sie sich veränderten.<BR>Auch der Vizedirektor des nationalen Zentrums zur Vorbeugung gegen ansteckende Krankheiten, Bi Shengli, verwies laut Hongkonger "South China Morning Post", auf die "ungesunde Praxis" in Guangdong, exotische Tiere zu essen. Doch berichtete er wiederum, dass die ersten Patienten in Guangdong engen Kontakt zu Hühnern, Enten, Tauben und Eulen gehabt hätten. Fest steht allein, dass eine Verbindung zum bekannten Erreger der ebenfalls neuartigen "Vogelgrippe" in Hongkong und Guangdong ausgeschlossen werden konnte.<BR> 

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