"Wissenschaft ist eine Kultur in der Kultur"

- Im Sommersemester 2005 wird sich Lorraine Dastons Leben zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und Berlin abspielen. Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hat die Berliner Direktorin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte eingeladen, in München eine Vorlesungsreihe über die "Kultur der Wissenschaft" zu halten.

<P>"Wissenschaft ist eine Kultur in der Kultur", sagt die Professorin. "Bei meiner Arbeit kann ich viele meiner Interessengebiete miteinander verbinden, von der Philosophie über kulturelle Fragestellungen bis hin zu den Naturwissenschaften." Für diese Fächerkombination hat sich die 53-Jährige schon während ihres eigenen Studiums in Harvard begeistert. <BR><BR>"In den USA ist die akademische Ausbildung grundsätzlich breiter gefächert", erzählt sie, "Dort kann man in einem Studiengang Philosophie, Wissenschaftsgeschichte und Mathematik studieren. In Deutschland dagegen muss man sich spezialisieren." <BR><BR>Die ersten beiden Vorlesungen an der LMU, am 15. und 29. April, drehen sich um die moralische Autorität der Natur.<BR><BR>"Dabei versuche ich der Frage auf den Grund zu gehen, warum die Natur überhaupt moralische Autorität hat", sagt Daston. "Trotz schlagender Argumente von Theologen, Philosophen und Wissenschaftlern, dass die Natur nur das, was ist, bestimmen kann, und nicht das, was sein sollte, scheint der Trugschluss, dass, das was Tatsache ist, auch Tatsache sein soll, unwiderstehlich zu sein", erklärt sie. "Dies sieht man sehr deutlich an manchen Reaktionen auf die Tsunami-Katastrophe. Es wurde sofort gefragt: Was haben diese Menschen getan, um so bestraft zu werden?"<BR><BR>In den ersten beiden Vorträgen will Daston zeigen, auf welchen uralten Intuitionen die moralische Autorität beruht. "Diese Intuitionen entsprechen nicht dem modernen, wissenschaftlichen Verständnis der Natur als streng gesetzmäßig und universell. Aber sie sind immer noch, unterschwellig, präsent."<BR><BR>Der zweite Teil der Vorlesungsreihe beschäftigt sich mit der Geschichte der wissenschaftlichen Objektivität.<BR><BR>"Meine Vorlesung soll sich nicht nur an Studenten richten, sondern an alle Interessierten", erklärt sie. "Wenn es während der Vorlesung gewünscht wird, werde ich auch ein Seminar anbieten." <BR><BR>München ist für Lorraine Daston kein unbekanntes Pflaster. Sie kennt die Stadt von zahlreichen Besuchen. Am angenehmsten ist ihr die bayerische Staatsbibliothek in Erinnerung geblieben. "Dort werde ich auch wieder ganz bestimmt vorbeischauen", sagt Daston.<BR><BR>"Die Kultur der Wissenschaft" 6-teilige Vorlesungsreihe. Beginn am 15. April, 14 Uhr c.t., im Hörsaal 209 (Hauptgebäude der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1.)<BR></P><P><BR> </P>

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