Wissenschaftlerteam will Erbgut des Neandertalers entziffern

- Leipzig - Ein internationales Wissenschaftlerteam will das Erbgut des Neandertalers vollständig entziffern. Die Forscher erhoffen sich davon vor allem Aufklärung über die Verwandtschaft von Mensch und Neandertaler, wie das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie am Donnerstag in Leipzig mitteilte.

Ältere DNA-Vergleiche hatten gezeigt, dass die in Europa und Teilen Asiens verbreiteten Neandertaler wohl keinen entscheidenden Beitrag zur genetischen Menschheitsentwicklung geleistet haben. Im August vor 150 Jahren waren im Neandertal bei Düsseldorf erstmals Überreste des vor rund 30 000 Jahren ausgestorbenen Frühmenschen entdeckt worden.

In zwei Jahren wollen die Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts und der 454 Life Sciences Corporation in Branford (USA) einen ersten Entwurf des Neandertaler-Genoms vorlegen. Das Rheinische Landesmuseum in Bonn stelle dafür auch eine Probe des "Originalneandertalers" zur Verfügung, hieß es. Die Erbgutanalyse soll unter anderem klären, welche genetischen Veränderungen die modernen Menschen zu befähigten, vor etwa 100 000 Jahren Afrika zu verlassen und sich auf der ganzen Welt auszubreiten. Ein Vergleich mit den bereits entzifferten Genomen von Mensch und Schimpanse soll zudem helfen, genetische Verwandtschaften aufzuklären.

Unter Leitung von Svante Pääbo (Leipzig) und Michael Egholm (Branford) wollen die Genetiker das gesamte drei Milliarden Basenpaare umfassende Neandertaler-Erbgut bestimmen. Möglich werde die Untersuchung durch eine von 454 Life Sciences entwickelte neue Technik, die mit einem Bruchteil der bisher nötigen Probenmenge auskomme.

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