Wörter entstehen aus Gesten

- Nur der Mensch hat eine komplexe Sprache entwickelt. "Wegen unserer ausgefeilten Kommunikation dominieren wir über die Tiere", sagt Peter MacNeilage, Psychologie-Professor an der University of Texas. Beim Menschen senkten sich Kehlkopf und Zungenbein und schafften so einen vergrößerten Rachenraum, der es ermöglicht, rund 50 Laute zu bilden. Dieser wichtige Evolutionsschritt fand vor etwa 100 000 Jahren statt. Offenbar beflügelt von seiner Sprachfähigkeit breitete sich der moderne Mensch (Homo sapiens) auf der gesamten Welt aus.

<P>Derzeit existieren etwa 6000 Sprachen auf der Welt. Jahrzehntelang dominierte die These, dass die Sprachfähigkeit des Menschen angeboren sei. Die Theorie einer Universalgrammatik, die alle Menschen anwenden, postulierte der Linguist Noam Chomsky vom Massachusetts Institute of Technology in Boston 1957. Der Neurophysiologe Giacomo Rizzolatti (Universität Parma, Italien), hält dagegen die Nachahmung für das wichtigste Element der Kommunikationsentwicklung. Neue Befunde aus der Hirnforschung zeigen, dass Sprache und Handlungen dieselben Nervenstrukturen aktivierten. Haben sich komplexe Sprachfähigkeiten aus einfachen Gesten entwickelt? Beim Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung in München geht man dieser Frage nach.</P><P>Die Sprache hat sich nicht aus Lauten, sondern aus Gesten entwickelt, sagt Dr. Günther Knoblich vom Münchner Max-Planck-Institut. </P><P>So genannte Spiegelnervenzellen im Gehirn tragen vermutlich entscheidend dazu bei, Gebärdensprache durch stimmhafte Kommunikation zu ersetzen. Diese Zellen besitzen sowohl Affen als auch Menschen. Sie werden aktiviert, wenn wir eine bestimmte Tätigkeit selbst ausführen oder nur beobachten. Bei uns sitzen die Spiegelnervenzellen an der Stelle im Stirnhirn, wo sich auch das Sprachzentrum befindet. Wahrscheinlich sind Unterschiede dieser Zellen unter anderem dafür verantwortlich, warum Menschen gut und Affen nur schlecht nachahmen könnten. Der Psychologe MacNeilage ist jedoch nicht davon überzeugt, dass sich Sprache aus Handlungen entwickelte: "Beide sind gleichzeitig entstanden." Die Gebärdensprache, die sich aus Handzeichen zusammensetze, unterscheide sich zu sehr vom gesprochenen, aus Silben bestehenden Wort. Wichtig für die gemeinsame Entwicklung sei, dass die beiden Gehirnhälften verschiedene Funktionen ausübten. Die linke Hemisphäre versorgt gewöhnlich die rechte Körperhälfte. Bei Rechtshändern befindet sich das Sprachzentrum gewöhnlich auch in der linken Gehirnhälfte. </P><P>Bei Linkshändern verhält es sich in der Regel umgekehrt. MacNeilage erklärt: Bewegungen unterstützen Sprache. Wir verwenden Gesten, um Wörter zu veranschaulichen. Außerdem benutzen wir den Körper, um Aussagen zu verstehen, erläutert Prof. Arthur Glenberg (University of Wisconsin-Madison, USA). In Experimenten wies der Psychologe nach, dass den Sinn eines Satzes schneller kapiert wird, wenn die Aussage in Einklang mit einer Geste steht; beispielsweise "Courtney gibt dir das Buch" - Bewegung zum Leser. Glenberg dazu: "Der Körper spiegelt eine Schablone unserer Worte wieder." </P><P>Internet: www.psy.mpg.de/MPIPF/MECA/langtoaction.html<BR></P>

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