Wogulisch als Leidenschaft

- "Pasja oolen", wünscht Professor Elena Skribnik zur Begrüßung. Die Leiterin des LMU-Instituts für Finnougristik spricht das "Sei gesund" in einer sehr seltenen Sprache aus der finnisch-ugrischen Sprachfamilie. Damit zählt sie zu etwa 3000 Menschen aus Sibirien, die noch Wogulisch können. Skribnik hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Sprechern dieser kleinen, vom Aussterben bedrohten finnisch-ugrischen Sprache zu helfen, ihre Mundart zu retten. Außer ihrer Muttersprache, dem Wogulischen, liegen der 53-Jährigen auch das Ostjakische oder Nenzische am Herzen.

Skribniks Assistent, Gerson Klumpp, entdeckte seine Liebe zur Finnougristik bei einem Aufenthalt in Ungarn. "Ich fand es faszinierend, dass es Sprachen in unmittelbarer Nachbarschaft von Deutschland gibt, die ich trotz Latein und Englisch nicht verstehen kann", sagt Klumpp. Sofort machte sich der Abiturient an die ungarischen Vokabeln. Fast automatisch landete Klumpp dann bei der Finnougristik der LMU.

Vereint mit Skribnik kümmert sich der 39-Jährige nun um die großen und kleinen Vertreter der zweitgrößten Sprachfamilie Europas. "Auf die kleinen bedrohten Sprachen konzentrieren wir unsere Forschung. Die großen Sprachen mit praktischer Bedeutung, wie Finnisch, Ungarisch und Estnisch, unterrichten wir dagegen für die Studenten", sagt Skribnik. Die Professorin mit dem ansteckenden Lachen hält zusammen mit ihren Mitarbeitern Vorlesungen zur Landeskunde und Sprachentwicklung. Auch Sprachkurse können die derzeit 115 Studenten belegen.

"Wir wollen die Sprachen fördern", sagt Skribnik. "Denn sie sind das wertvollste Kulturgut der Menschen." Für das Wogulische hat Skribnik bereits ein Lehrbuch geschrieben. Denn bislang ist die Sprache nur mündlich überliefert. "Die Kinder sollen in einer Schule wieder ihre Muttersprache lernen", sagt sie. Jetzt möchte sich die engagierte Forscherin auch für sogenannte Sprachnester in Sibirien einsetzen. Vorbild ist ein Konzept der Saamen in Nordskandinavien. "Die Kinder werden dort im Kleinkindalter der Sprache ihrer Vorfahren ausgesetzt", erklärt Skribnik. Ältere Saamen, die noch Saamisch sprechen, lehren den Kleinen im Kindergarten ihre Mundart.

In Sprachnestern lernen Kinder von Senioren ihre Mundart

Schwer sind die finnisch-ugrischen Sprachen laut Skribnik und Klumpp nicht. "Natürlich sind sie nicht so leicht zu erlernen wie das Englische", gibt Skribnik zu. Allein im Ungarischen gibt es mehr als 30 Fälle. "Doch dafür fallen die lästigen Artikel der, die, das weg." Deswegen seien die Sprachen auch nicht so kompliziert, wie sie sich anhören, so Klumpp. Er kann sprachinteressierten Studenten nur zurufen: "Gyertek hozzánk!", kommt zu uns. Denn Ungarisch ist ein Kinderspiel.

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