Wohnen im Würfel

- Die Dusche hängt im Eingang über der Toilette, geschlafen wird über dem Arbeitstisch. Platz ist knapp in den gut sechs Quadratmeter großen Wohnwürfeln in Freimann, die an der TU-München entwickelt wurden. Sechs dieser Würfel hat das Münchner Studentenwerk nun aufgestellt. Christian Muscheid ist einer der Ersten, die das Experiment wagten und dort nun seit eineinhalb Monaten wohnen.

"Ein bisschen Freak muss man schon sein, um sich im Wohnwürfel wohl zu fühlen", sagt Christian Muscheid. "Aber ich stehe auf ausgefallene Architektur und will Neues ausprobieren." Eigentlich hat Muscheid für seine Freundin eine Studentenbude gesucht. Dabei stießen die beiden auch auf die eigenwilligen Behausungen hinter der Studentenstadt, die gerade aufgebaut wurden. "Meiner Freundin war der Würfel zu klein, aber mir hat das gut gefallen", erzählt er.

Während seine Freundin nun in der Innenstadt eine Bleibe gefunden hat, hat sich Muscheid beim Studentenwerk beworben für einen der sechs Plätze in den Würfeln. "Eine Verlosung der Wohnungen gab es nicht, wir wurden vom Studentenwerk ausgesucht", erklärt Muscheid, der an der Bayerischen Akademie der Bildenden Künste im dritten Semester Malerei studiert. "Die Verantwortlichen haben sehr genau hingeschaut, ob wir zu diesem innovativen Wohnprojekt auch wirklich passen."

Rund 150 Euro monatlich zahlt Muscheid nun für seine Behausung. Er hat sich gut eingelebt auf dem engen Raum. Für seine Habseligkeiten gibt es wenig Platz. Auch die Möglichkeit, sich individuell einzurichten, ist gering. Ein Bild, das er selbst gemalt hat, hat Muscheid aufgehängt und mit Klebestreifen befestigt. Nägel einzuschlagen ist nicht erlaubt. An den silbrigen Wänden ist das Gemälde der einzige Farbklecks.

Auch Stauraum für Kleidung ist knapp. Zwei Schubladen sind dafür vorgesehen. "Viele meiner Kleidungsstücke habe ich bei meinen Eltern zurückgelassen", sagt er.

Die sechs Würfel-Bewohner sind mittlerweile zu einer verschworenen Einheit geworden. "Eigentlich ist es hier so ähnlich wie in einer Wohngemeinschaft", meint Muscheid. "Wir haben hier schon zu zehnt eine Party gefeiert, dabei musste ständig einer auf der Toilette sitzen. Irgendwann ging der Gas-Alarm los, weil die Luft im Raum so schlecht geworden war", erzählt Muscheid und schmunzelt.

Gas-Alarm bei einer Party mit zehn Leuten

Das Medieninteresse an den sechs Studenten ist immer noch sehr groß. "Wir hatten schon Anfragen von Reportern aus Australien", sagt er. "Jetzt wechseln wir uns mit Interviews ab."

Rund eineinhalb Jahre wird der angehende Maler nun in seinem Würfel wohnen. Gerade hat er den Vertrag dafür beim Studentenwerk unterschrieben. "Die nächste Zeit wird es mir sicherlich noch viel Spaß machen, hier zu leben", meint Muscheid. "Doch wenn ich fertig studiert habe, dann wäre meine Traumwohnung doch eher ein großes, lichtdurchflutetes Loft."

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