Das Video "Look Up" spaltet die Internetgemeinde.

Mega-Hype mit 26 Millionen Klicks

Youtube-Hit "Look Up": Warum es jetzt Kritik gibt

München - Mit seinem Kurzfilm "Look Up" hat der Brite Gary Turk für einen Youtube-Hit gesorgt. Fast 26 Millionen Mal wurde das Video angeklickt - und sorgt für hitzige Diskussionen im Netz.

"Ich habe 422 Freunde, dennoch bin ich einsam. Ich spreche jeden Tag mit ihnen, trotzdem wissen sie nicht wer ich bin." Mit diesen Worten beginnt der britische Regisseur Gary Turk sein fünfminütiges Video "Look Up", das seit rund zwei Wochen im Netz für hitzige Debatten sorgt.

Fast 26 Millionen Mal wurde der Film bis Mittwoch angeklickt und auch in mancher Schulstunde diskutiert. Viele stimmen der Botschaft des Videos zu, andere finden den Film scheinheilig - schließlich ist er genau über die Kanäle verbreitet worden, die kritisiert werden sollen.

Gemeinsam einsam

Der Blick geht immer nach unten, auf das Smartphone, auf das Laptop, auf das iPad. "Look Up" fordert Gary Turk deshalb die Internet-Gemeinde in Gedichtform auf. "Wir sind eine Generation von Idioten mit smarten Telefonen." Seine Kritik ist nicht neu: Wir können zwar weltweit miteinander kommunizieren und jederzeit virtuell in Kontakt zueinander treten, verbringen aber dennoch - oder gerade deswegen - immer öfter unsere Zeit allein.

Das Video zeigt ein Mädchen am Laptop und Teenies an der Bushaltestelle oder auf dem Sofa, die ihren Blick nach unten aufs Handy richten. Heute kommunizierten die Menschen, ohne einander in die Augen zu schauen. Wir seien Sklaven der Technik, könnten nicht mal unsere Kinder unterhalten, ohne dafür ein iPad zu nutzen. Er selbst sei als Kind nie zu Hause gewesen, sondern mit seinen Freunden im Freien unterwegs. Heute dagegen seien die Spielplätze leer. Der Computer als neuer Spielplatz.

Verpasste Chancen

Der Film entwickelt - natürlich überspitzt - eine Liebesgeschichte, die es nicht gegeben hätte, wenn der junge Mann auf sein Smartphone gesehen hätte. Hat er aber nicht. Auf der Suche nach dem richtigen Weg fragt er nicht das Handy, sondern - wie altmodisch - eine junge Frau. Die beiden verlieben sich und bleiben zusammen bis ans Ende ihrer Tage. Wie gut, dass der Mann damals nicht aufs Smartphone geschaut hat! Er hätte die Chance seines Lebens verpasst...

Zugespitzt bringt "Look Up" ein Thema auf den Punkt, das allgegenwärtig ist. In der U-Bahn, auf dem Schulhof, im Café, auf der Straße - überall sieht man Menschen, die auf ihr Smartphone starren. Ohrstöpsel lassen Kommunikation gar nicht erst aufkommen. "Auch ich bin schuldig, weil ich Teil dieser Maschinerie bin", sagt Gary Turk. Und genau das werfen ihm Kritiker vor: Er verbreitet das Video genau über die Kanäle, die er verdammt. Über Youtube oder Facebook.

Zielgruppengerecht vermarktet

Um seine Zielgruppe zu erreichen, muss der Regisseur jedoch zwangsläufig auf die Kommunikationswege seiner Zielgruppe zurückgreifen. Sein Ziel hat er auf jeden Fall erreicht. Es wird über das Thema diskutiert, wenn auch - ebenso zwangsläufig - häufig im Netz, auf Facebook & Co. Aber auch zum Beispiel im Schulunterricht.

"Sehr inspirierend" und "Ich habe geweint", schreiben Kommentatoren unter das Video bei Youtube. "Schau auf. Jetzt", fordert ein anderer. "Ich habe das Video zwar von meinen Facebook-Freunden bekommen, aber es spricht ein wachsendes Problem an," schreibt ein User. Andere betonen, man sollte die Neuen Medien nicht abschaffen, sondern eben sinnvoll nutzen. "Technik ist gut, aber sie sollte persönliche Beziehungen nicht ersetzen" oder "Ich nutze die sozialen Netzwerke produktiv, indem ich dort Projekte, Ereignisse und Hobbys mit Freunden und Familie teile", lauten Kemmentare.

"Look Up" polarisiert. Mit fast 26 Millionen Klicks dürfte es Gary Turk zudem ein hübsches Sümmchen an Werbeeinnahmen auf das Konto spülen. Aber wie sagte er doch: "Auch ich bin schuldig, weil ich Teil der Maschinerie bin."

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