Zahn-Implantate unterm Hammer

- Wenn der Hammer fällt, gewinnt für gewöhnlich das höchste Gebot - nicht hier: Mit niedrigen Preisen können sich Ärzte seit kurzem auf einer eigenen Auktionsplattform im Internet um Patienten bewerben.

Bis zu 40 Prozent Ersparnis versprechen die Macher von www.arzt-preisvergleich.de den Patienten für Privatleistungen und bei Behandlungen, für die die Krankenkassen nur Festzuschüsse zahlen. Vor allem um Augenlaser- und Zahnbehandlungen wie etwa Implantate wird auf der Internetseite zurzeit gefeilscht. Einem Mann, der von seinem Dentisten für "Kronen, Implantate" einen Kostenplan über 7000 Euro erhalten hat, bietet ein als "Densindente" angemeldeter Zahnarzt dieselbe Behandlung für 5206 Euro an.

Für Patienten kostenlos und unverbindlich

Das Prinzip von "Arzt-Preisvergleich" ist einfach: Die Patienten tragen in eine Maske die wichtigsten Daten zum Beispiel eines zahnärztlichen Heil- und Kostenplans ein - samt Zahnschema. Andere Ärzte können dann innerhalb von sieben bis zehn Tagen billigere Angebote eingeben.

Erst nach der Versteigerung erhält der Patient die richtigen Namen und Adressen der günstigsten Ärzte. Er kann weiterhin frei entscheiden, wo er sich behandeln lässt. Für Patienten ist der Preisvergleich kostenlos. Ein Arzt muss nach erfolgreicher Vermittlung zwischen sechs und zehn Prozent der Behandlungskosten an die Betreiber des Portals zahlen.

Qualität und Seriosität der Angebote auf dem virtuellen Medizin-Marktplatz sieht Andreas Hörr, einer der beiden Betreiber, als gesichert an. Nur Mediziner mit Praxis-Sitz in Deutschland dürfen sich eintragen. Das soll gewährleisten, dass ein Arzt bei Behandlungsfehlern problemlos in Regress genommen werden kann. Außerdem geben die Patienten - für andere Nutzer einsehbar - Bewertungen über die Behandelnden ab. Bei drei Negativ-Urteilen werde ein Arzt von dem Portal ausgeschlossen und dürfe sich nicht wieder anmelden, sagt Hörr.

Die Bayerische Landesärztekammer sieht in den Versteigerungen indes unlauteren Wettbewerb. Ärzte seien an eine Gebührenordnung gebunden und dürften sich nicht gegenseitig unterbieten, erläutert Sprecherin Dagmar Nedbal. Um Patienten zu feilschen "wie auf einem orientalischen Basar", schade zudem dem Ansehen der ärztlichen Zunft. Bei der Wettbewerbs-Zentrale hat die Kammer Beschwerde gegen das Portal eingelegt. Die Entscheidung steht noch aus.

Bei den Krankenkassen äußert man sich derzeit zurückhaltend zu dem Portal. Ein finanzieller Vorteil für die Kasse selbst entstehe durch den Preisvergleich nicht, heißt es bei der AOK Bayern. Unisono raten AOK und Barmer Bayern Versicherten dazu, bei medizinischen Leistungen zuallererst auf die Qualität und nicht auf den Preis zu achten.

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