"Zeit ist Hirn" beim Schlaganfall

- Lallendes, undeutliches Sprechen, Sehstörungen und ein unsicherer Gang, manchmal auch nur leichte Taubheit in einer Gesichtshälfte oder Schluckstörungen - die ersten Anzeichen eines Schlaganfalls sind vielfältig. Doch bedeuten sie immer eins: sofort ins Krankenhaus. Mediziner betonen das seit langem. Aber noch immer erreichen viele Patienten die Klinik zu spät, bemängelt der Neurologe Professor Gerhard F. Hamann, Leiter der Schlaganfall-Abteilung der Horst Schmidt Klinik in Wiesbaden.

Dabei zählt bei der Behandlung sprichwörtlich jede Minute. "Time is brain" (Zeit ist Hirn), heißt es unter Medizinern: Nur wenn ein Schlaganfall rechtzeitig behandelt wird, lässt sich ein Teil der betroffenen Hirnregion retten. "Nach zwölf Stunden ist ein Schlaganfall nicht mehr behandelbar", sagt Hamann.

Schnelle Behandlung kann Hirngewebe retten

Ursache des Schlaganfalls ist in 80 Prozent der Fälle der Verschluss einer zum Hirn führenden Arterie durch ein Blutgerinnsel. Nervenzellen in dem betroffenen Areal erhalten dadurch zu wenig Sauerstoff und sterben ab. Nur an Herzinfarkt und Krebs sterben in den Industrieländern mehr Menschen als an einem Schlaganfall. Bei Erwachsenen ist er die häufigste Ursache für eine dauerhafte Behinderung. In Deutschland erleiden jährlich rund 300 000 Menschen einen Schlaganfall.

Die Akutbehandlung stützt sich vor allem auf die Auflösung des Gerinnsels, die Thrombolyse, um das betroffene Gehirnareal wieder zu durchbluten und Hirnzellen zu retten. "Um das Kerngebiet eines Schlaganfalls herum gibt es eine Zone, in der das Gewebe die Funktion eingestellt hat, aber noch nicht untergegangen ist", erklärt Hamann. Wird diese so genannte "Penumbra" innerhalb von drei Stunden wieder durchblutet, kann der Ausfall der Nervenzellen rückgängig gemacht werden.

Das Zeitfenster für die medikamentöse Thrombolyse ist allerdings klein. Deshalb erproben Mediziner derzeit mechanische Methoden, um Blutgerinnsel zu entfernen. Der so genannte "Merci Retriever" zum Beispiel ist ein Draht mit einer korkenzieherähnlichen Spirale am vorderen Ende. Durch einen Katheter wird er von der Leiste bis zur verstopften Arterie im Hirn vorgeschoben. Die Drahtspirale wird ins Gerinnsel gedreht und der Pfropf herausgezogen.

In Studien sei die Methode bei mehr als der Hälfte der Behandelten erfolgreich gewesen, berichtet der Internist Professor Curt Diehm vom Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Mit dem neuen Gerät soll der Schlaganfall auch nach bis zu acht Stunden noch gut behandelbar sein. Bisher ist das Gerät allerdings nur in den USA zugelassen.

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