Ein Zentrum gegen Knochenschwund

- Warum gibt es keine Osteoporosezentren an den Universitätskliniken? Diese Frage stellten mehrfach Patienten beim diesjährigen Welt-Osteoporosetag in München. Die Experten, zu deren Vorträge mehr als 1300 Zuhörer gekommen waren, konnten nur zustimmend nicken. Es liegt nämlich nicht am Geld, sondern daran, dass sich fächerübergreifend Mediziner intensiv mit dieser chronischen Stoffwechselerkrankung des Skeletts befassen müssen, deren Spätfolgen, nämlich Knochenbrüche (Frakturen) an Armen, Beinen, Rippen, Becken und Wirbeln, so quälend und behindernd sein können wie etwa ein Herzinfarkt.

<P>"Die Ärzte müssten dringend besser ausgebildet werden, als sie es jetzt sind", klagt Professor Rainer Bartl, der sich als Internist auf Knochenkrankheiten spezialisiert hat. Der Mediziner, der im Klinikum Großhadern eine Osteologie-Ambulanz leitet, fordert seit langem ein fach- und klinikübergreifendes Osteoporosezentrum für Bayern. "Wir müssen ein Knochenbewusstsein schaffen", sagt Bartl.</P><P>Ein solches Zentrum müsste alles umfassen - von der systematischen Knochendichtemessung bis zur physikalischen Medizin. Internisten, Orthopäden, Frauenärzte, Radiologen, sollten dort zusammenarbeiten. Ein solches Zentrum könnte dann auch jungen Ärzten die Diagnostik und Therapie dieser Volkskrankheit ganz anders vermitteln und in der Forschung neue Wege weisen.</P><P>Von der WHO wurde die Osteoporose schließlich nicht zufällig in die Liste der weltweit 10 bedeutendsten Krankheiten aufgenommen. Allein in Deutschland sind etwa sieben Millionen Menschen erkrankt, wie Experten schätzen.<BR> "Osteoporose ist ein stiller und konsequenter Dieb, der über viele Jahre unerkannt bleibt, bis Knochenbrüche aus geringsten Anlässen ihn schließlich verraten", schildert Bartl in einem Leitfaden für Ärzte (Thieme Verlag) die Krankheit, die immer noch von vielen Ärzten als kaum beeinflussbarer Alterungsprozess bei Frauen nach den Wechseljahren missverstanden wird. Doch der Schwund an Knochenmasse trifft auch rund 25 Prozent der Männer, und er ist zu stoppen, wenn man ihn rechtzeitig erkennt und behandelt. </P><P>Zum Welt-Osteoporosetag wurde erneut eindringlich darauf hingewiesen, dass die Messung der Knochendichte die einzige Möglichkeit ist, die Krankheit zu erkennen, bevor es zum Knochenbruch kommt. Knochendichtemessung sollten aber nicht in Apotheken (wo sie neuerdings angeboten werden) oder von einer Helferin, sondern vom geschulten Arzt durchgeführt werden.</P><P>Die Messergebnisse hängen nach Angaben Bartls vom Gerätetyp, der täglichen Eichung am Phantom, der genauen Einstellung durch den Untersucher, dem Ruhigliegen des Patienten und vom Ausmaß der Osteoporose ab: "Je geringer die Knochenmasse, desto ungenauer ist die Messung", warnt der Spezialist.</P><P> Gemessen werden die empfindlichsten Skelettteile, nämlich Lendenwirbelsäule und Hüfte. Die Untersuchung (zur Kontrolle immer am gleichen Gerät und an der gleichen Stelle), dauert nur Minuten und ist wenig strahlenbelastend (ein Zehntel bis Hundertstel der normalen Röntgenaufnahme). Bei schwerer Osteoporose nutzt man weitere bildgebende Verfahren zur Bestimmung der Schäden.</P><P>Typische Krankheitssymptome: Abnahme der Körpergröße, Veränderung der Gestalt (runder Rücken, Bäuchlein mit Hautfalten zu den Flanken, Wirbelsäulen-, Hüftschmerzen, Arthrose in den Knien, dünne Haut, Zahnlockerung). </P>

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