10. Zivilisationskrankheit: Knochenschwund

- Noch vor zehn Jahren galt Osteoporose - der Knochenschwund - als typische Erkrankung der Frauen nach den Wechseljahren, weil sie durch den Abfall ihres Östrogenspiegels bis zu 4 Prozent Knochenmasse im Jahr verlieren. Heute wissen Spezialisten es besser: Auch junge Menschen, sogar Kinder, erkranken daran immer häufiger, hier spricht der Mediziner von idiopathischer iuveniler Osteoporose.

<P>25 Prozent der (geschätzt) etwa sieben Millionen an Osteoporose Erkrankten in Deutschland sind Männer. Inzwischen zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diesen dramatischen Knochenabbau, der vor allem Wirbel, Oberschenkel und Unterarm brechen lässt, zu den zehn wichtigsten Volkskrankheiten.</P><P>"Etwa jede achte Frau in Deutschland erkrankt an Brustkrebs, aber etwa jede dritte erleidet einen Knochenbruch, der durch Osteoporose verursacht wird", betont Prof. Rainer Bartl (München), Leiter des ersten deutschen Osteoporosezentrums an einer Uni. Zu 50 Prozent ist der Knochenabbau familiär vererbt, der Rest sind Risikofaktoren.</P><P>Der Knochen, der belastbar und elastisch sein muss, ist "ein meisterliches Bauwerk und eine ständige Baustelle", wie der Mediziner bewundernd bemerkt. In den 220 Knochen des Skeletts, der "größten Mineralbank des Körpers" sind 99 Prozent des Kalziums, 85 Prozent des Phosphates und 50 Prozent des Magnesiums gespeichert.</P><P>Die Vorbeugung beginnt dementsprechend schon in der Kindheit, mit viel körperlicher Bewegung und einer vitamin- und kalziumreichen Kost, vor allem Milch und Milchprodukten, frischem grünes Gemüse, Obst oder Obstsäften und Getreideprodukten (Kinder rund Jugendliche brauchen viermal mehr Kalzium pro Kilo Körpergewicht als Erwachsene).</P><P>Knochenräuber in der Nahrung sind zu viel Zucker, Salz, tierisches Eiweiß, Koffein, Alkohol, Fette und Übersäuerung. <BR>Knochenschädigend sind bestimmte Medikamente, wenn sie über lange Zeit in Tablettenform oder als Infusion gegeben, den ganzen Körperhaushalt beeinflussen, vor allem Kortison, aber auch Mittel gegen die Blutgerinnung, Antibiotika, verschiedene Krebsmedikamente und Wirkstoffe gegen Depression oder Epilepsie. Hier gilt es, mit dem Arzt über Schutzmaßnahmen zu sprechen.</P><P>Schließlich können auch chronische Krankheiten des Blutes, von Leber, Lunge, Herz oder Darm den Knochen schwer schaden. Ein Risiko für Osteoporose haben außerdem untergewichtige Menschen.</P><P>Wer an Osteoporose erkrankt ist, kann heute jedoch auf ein erfolgreiches Therapiekonzept hoffen. Zur Basisbehandlung gehören Vitamin D und Kalzium, Bewegungstherapie und Gymnastik, knochenbewusste Ernährungsumstellung, stickstoffhaltige Bisphosphonate. Eventuell auch - mit aller Vorsicht - bei Frauen nach der Menopause über ein paar Jahre eine Hormonersatztherapie. Eine ganz neue Medikamentengeneration wirkt außerdem knochenstabilisierend -aufbauend.<BR></P>

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