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Sie alle werden überprüft: Sprecher Thomas Meister mit einigen der 59.000 verdächtigen Packerl, die jährlich beim Münchner Zoll eintrudeln.

Regeln und Bußgelder

Päckchen beim Zoll: Wenn der Online-Einkauf teuer wird

München - Ein Klick und alles ist bestellt. Noch ein Klick und die Bestellung ist bezahlt. Online-Shopping gilt als schnell und unkompliziert. Was viele nicht wissen: Beim schnellen Einkaufen bekommt man auch schnell Probleme mit dem Zoll.

Vielen Online-Shoppern ist es gar nicht bewusst: "Im Ausland bestellte Ware unterliegt bestimmten Einfuhrbestimmungen", sagt Thomas Meister, Sprecher des Hauptzollamts München. Vorsicht sei geboten. "Die Zahl der Päckchen, die im Zoll hängenbleiben, hat sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht." Konkret heißt das: Seit Beginn des Online-Shopping-Booms ist die Zahl der einkassierten Päckchen laut Meister jedes Jahr um fünf bis zehn Prozent gestiegen.

2013 sind beim Zoll in München 59.000 Päckchen hängengeblieben

Einkassiert werden vor allem Päckchen aus Nicht-EU-Ländern, die bezüglich ihres Warenwerts nicht ordnungsgemäß deklariert sind oder den Zollbeamten bei Stichproben verdächtig vorkommen. Jeden Tag trudeln so im Zollamt Garching-Hochbrück, das zum Hauptzollamt München gehört, rund 400 Packerl ein.

Ein Großteil der Pakete kommt laut Meister aus den USA und Asien. Allein im vergangenen Jahr sind im Hauptzollamt rund 59.000 Päckchen hängengeblieben. Die Empfänger müssen die Pakete entweder persönlich abholen oder per Mail eine Originalrechnung an den Zoll schicken, die den Warenwert belegt. Wer sich für die zweite Variante entscheidet, bekommt seine Sendung dann von der Post zugeschickt – gegen entsprechende Abgaben, versteht sich. Viele der Abholer seien überrascht, wenn sie erfahren, wie viel sie noch auf das vermeintliche Schnäppchen draufzahlen müssen, erzählt Thomas Meister: „Manche sagen dann schon: Das hat sich jetzt aber nicht gelohnt.“

Kosten werden beim Zoll ab 150 Euro Warenwert fällig

Wie hoch die Abgaben sind, berechnet sich nach Art und Wert der jeweiligen Ware: Zollkosten fallen erst ab einem Warenwert von 150 Euro an. Der jeweilige Zollsatz kann bei Sendungen aus Nicht-EU-Staaten stark variieren und berechnet sich nach Art der Ware: Während Kleidung mit einem Satz zwischen 15 und 20 Prozent verzollt wird, beträgt der Zollsatz für Elektroartikel null Prozent.

Zoll kassiert für alle Waren über 22 Euro Mehrwertsteuer

Das heißt aber nicht, dass Elektrogeräte aus dem Nicht-EU-Ausland den Schnäppchenjäger nichts kosten: Denn auf sie werden 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben – genauso wie auf alle anderen Waren ab einem Wert von 22 Euro. "Einfuhrumsatzsteuer" heißt diese Mehrwertsteuer beim Zoll. Bei teurer Markenkleidung etwa kommen so mit Zollkosten und Mehrwertsteuer locker 35 Prozent an Abgaben zusammen, die der Käufer zusätzlich zu Kaufpreis und Versandkosten berappen muss.

Fälschungen werden vom Zoll einbehalten - und es drohen Geldbußen

Wer sein Päckchen beim Zoll abholen kommt, muss nicht nur die Rechnung mitbringen, um zu beweisen, wie viel die Ware Wert ist. Er muss auch das Päckchen öffnen, damit die Zollfahnder schauen können, was wirklich drin ist. Oft kommen dabei Fälschungen zum Vorschein, erzählt Thomas Meister. Gerade gefälschte Markenartikel seien ein großes Problem. "Man kann zwar viel im Internet kaufen", sagt Meister. "Es ist aber nicht alles erlaubt." Gefälschte Artikel dürfen nicht verschickt werden und werden deshalb vom Zoll einkassiert. Dem Besteller drohen Geldbußen.

Neben gefälschter Markenkleidung sind vor allem Medikamente ein Problem: Vor rund vier Jahren seien ihm und seinen Kollegen immer wieder flache graue DIN-A5-Kuverts mit indischen Briefmarken in die Hände gefallen, erzählt Meister. Hunderte kamen davon jeden Tag an, die Ermittler wussten irgendwann auf den ersten Blick, was drin war: Viagra.

Nur in Deutschland zugelassene Medikamente sind zulässig - alles andere vernichtet der Zoll

Die Empfänger hatten in diesem Fall nichts von ihren Bestellungen: Medikamente, die in Deutschland nicht zugelassen sind, dürfen nicht nach Deutschland geschickt werden. Sie werden deshalb entweder vom Zoll vernichtet oder wieder an den Absender zurückgeschickt.

Beliebt sind bei vielen Online-Shoppern auch traditionelle asiatische Medikamente, etwa Rheumapflaster mit Affenhoden oder Mittelchen mit Leopardenknochen. Thomas Meister und seine Kollegen vom Zoll haben sich auch an solche Fundstücke schon gewöhnt: "Uns haut nix mehr um", sagt der Zoll-Sprecher.

Mit gefälschter Rechnung zum Zoll - Leute verhalten sich "dummdreist"

Die Zollbeamten haben es aber nicht nur mit verbotenen oder gefälschten Waren zu tun, sondern manchmal auch mit geschönten Rechnungen. Denn je weniger ein Artikel auf dem Papier kostet, desto weniger Abgaben werden fällig. Es habe schon Fälle gegeben, wo Leute den Beamten gefälschte Paypal-Rechnungen vorgelegt hätten, erzählt Meister. In solchen Momenten sei er manchmal schon schockiert, "wie dummdreist sich manche Leute verhalten", sagt Meister.

Manchmal erleben er und seine Zollkollegen aber auch schöne Geschichten: Wie an einem Tag vor ein paar Jahren, als ein Brautkleid beim Zoll hängengeblieben war – einen Tag vor der Hochzeit. "Das war mein persönliches Highlight", sagt Meister. Die Braut musste zwar auch Einfuhrumsatzsteuer und Zoll zahlen, aber: "Das war ihr egal. Sie war froh, dass sie rechtzeitig ihr Kleid bekommen hatte."

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von Katharina Mutz

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