Zuerst bestrahlen, dann operieren

- Jeder dritte Darmkrebspatient wird nicht richtig behandelt. Zu diesem Schluss kam noch im Jahr 2002 eine holländische Studie.

Eine erschreckende Bilanz angesichts der rund 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr. Doch neue Therapieformen sowie eine geschickte Kombination konventioneller Verfahren kann dem Darmkrebs heute seinen Schrecken nehmen. Am wirksamsten im Kampf gegen Darmkrebs ist Früherkennung: Die Krankenkassen übernehmen daher ab dem Alter von 50 Jahren jährlich eine Untersuchung auf Blut im Stuhl, den so genannten Hämoccult- Test. Ab 56 sollte man zusätzlich alle zehn Jahre eine Koloskopie (Darmspiegelung) durchführen lassen. Der Arzt führt dabei eine winzige Kamera in den Darm ein. Auf einem Monitor kann er so auch kleine Polypen erkennen, die sich später oft bösartig verändern, und mit Hilfe einer Schlinge entfernen. "Der Patient merkt davon nichts", erklärt Dr. Martin Kreis, Oberarzt im Klinikum Großhadern. Medikamente versetzen ihn in einen Dämmerschlaf.

Antikörper stoppen Wachstum von Krebszellen

Bei größeren Wucherungen ist laut Kreis eine Operation unumgänglich. Das Krebsgewebe muss großzügig entfernt werden. Bleiben Tumorzellen zurück, können sie sich erneut teilen. Im schlimmsten Fall verbreiten sie sich über das Lymphsystem und befallen andere Organe: Sie metastasieren. Da das Lymphsystem in unmittelbarer Nachbarschaft zum Darm liegt, ist die Gefahr groß.

In den meisten Fällen reicht daher eine Operation nicht aus. Chemotherapie oder Bestrahlung sollen Metastasen verhindern. Hier gibt es neue Erkenntnisse: "Studien zeigen, dass deutlich mehr Patienten überleben, wenn die Chemo- und Strahlentherapie der OP vorausgeht", erklärt Professor Rolf Sauer, Direktor der Strahlenklinik der Universität Erlangen. Deutlich öfter könne so bei einem Tumor am Enddarm der Schließmuskel erhalten werden.

Neben diesen konventionellen Methoden gibt es inzwischen auch neue Verfahren wie die Antikörpertherapie: "Spezifische Antikörper hemmen so genannte Wachstumsfaktoren und damit die Vermehrung der Krebszellen", erklärt Dr. Florian Lordick von der onkologischen Abteilung des Klinikums rechts der Isar. Auch Resistenzen gegen Chemotherapeutika kann man durch eine Kombination mit der Antikörper- Therapie verhindern.

Bei fortgeschrittenem Dickdarmkrebs kann auch die so genannte "regionale Tiefenhyperthermie" helfen. Bei diesem Verfahren erhitzt man das Tumorgewebe auf Temperaturen von etwa 42 Grad. Die besonders hitzeempfindlichen Krebszellen sterben ab, die körpereigene Abwehr wird aktiviert. Trotz der vielfältigen Behandlungen entstehen bei geheilten Patienten oft neue Tumore -häufig erst nach Jahren. Wissenschaftler vermuten, dass ruhende Tumorzellen übersehen wurden. Warum sie plötzlich wieder aktiv werden, ist unbekannt. Mediziner raten deshalb zu regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen.

Infos im Internet unter: www.krebshilfe.de. Dort gibt es die kostenlose Broschüre "Darmkrebs" aus der Reihe "Die blauen Ratgeber".

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