Zwei Stufen auf der Karriereleiter im Firmen-Test

- Noch befinden sich die neue Bachelor-und Masterstudiengänge an den Hochschulen in der Erprobungsphase. Absolventen und Firmen sammeln erste Erfahrungen mit den Abschlüssen. Auch bei Münchner Unternehmen und Studenten sind die Meinungen noch geteilt. Florian Brandt ist einer der ersten in München. Er hat seit kurzem seinen Bachelor-Abschluss in Biochemie, den die TU München im Jahr 2000 eingeführt hat. Brandt hat sich bewusst für den "Bachelor" entschieden, auf den er nun noch einen Master draufsetzen möchte. "Ich erhoffe mir damit größere internationale Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt als mit einem Diplom", bekennt der Student.

<P>Dass die neuen Abschlüsse international auf jeden Fall Anerkennung finden, ist sich Sebastian Hackl sicher. Hackl macht zur Zeit an der Fachhochschule München seinen "Master of Science in Electrical Engineering". "Ich arbeite nebenbei als Werkstudent bei Infineon und habe dort das Gefühl, dass die neuen Abschlüsse von der Firma schon jetzt gut angenommen werden", berichtet Hackl.<BR><BR>Die bessere internationale Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen ist auch eines der Ziele der Bologna-Erklärung, die 29 europäische Bildungsminister im Juni 1999 unterzeichnet haben. Mit der einheitlichen Einführung von Bachelor und Master soll bis 2010 ein "europäischer Hochschulraum" geschaffen werden. <BR><BR>Die Münchner Siemens AG hat sich schnell angefreundet mit den neuen Abschlüssen. "Die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik wird immer wichtiger", erklärt Frank Becker, Leiter der Abteilung Bildungspolitik. "Wer nach drei Jahren seinen technischen Bachelor-Abschluss gemacht hat und noch eine nichttechnische Zusatzqualifikation vorweist, ist für uns hervorragend geeignet."<BR>Flächendeckende Untersuchungen darüber, ob Bachelor und Master den traditionellen Abschlüssen an deutschen Hochschulen so bald den Rang ablaufen werden und wie die neuen Abschlüsse von späteren Arbeitgebern der Absolventen bewertet werden, gibt es jedoch noch nicht.<BR><BR>An vielen Hochschulen und auch in der Wirtschaft scheint derzeit eine abwartende Haltung vorzuherrschen. Eine im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellte Studie des Kasseler Zentrums für Berufs- und Hochschulforschung zeigt, dass zu 38 Prozent der derzeit angebotenen Bachelor- und Master-Studiengänge parallel noch die traditionellen Abschlüsse angeboten werden. In fast drei Viertel dieser Fälle wollen die Hochschulen laut der Untersuchung das Parallelangebot auch künftig beibehalten.<BR>"Die Qualität traditioneller Studienabschlüsse ist sowohl national als auch international hoch anerkannt", so die Autoren. Zusätzlich sei bisher schwer abzuschätzen, wie sich die Einstellung von Arbeitnehmern gegenüber dem zweistufigen System entwickeln werde.<BR><BR>Zurückhaltend steht etwa die Penzberger Niederlassung des Schweizer Biotechnologie-Unternehmen Roche den neuen Abschlüssen gegenüber. "Wir befinden uns in einer Evaluierungsphase und können zum jetzigen Zeitpunkt die neuen Abschlüsse noch nicht einordnen. Die Hochschulen informieren uns nur unzureichend über die Fähigkeiten, die ein Bachelor- oder Master-Absolvent mitbringt", so Personal-Chefin Farsana Jakubi.<BR><BR>Beim Automobil-Bauer BMW werde keines der Abschluss-Systeme dem anderen vorgezogen, wie Pressesprecherin Heike Müller betont. Auch dass ein Bachelor-Absolvent aufgrund kürzerer Studiendauer jünger in den Beruf starte als ein Hochschulabgänger mit Diplom, spiele keine Rolle. "Entscheidend sind Praktika, Auslandsaufenthalte und Teamfähigkeit." <BR><BR>Um mehr über die Berufschancen mit einem Bachelor- oder Master-Abschluss zu erfahren, plant das Bayerische Staatsinstitut für Hochschulforschung für Ende des Jahres eine Befragung der bisherigen Absolventen.<BR><BR>Während die Münchner Fachhochschule noch vor Weihnachten beschlossen hatte, alle Studiengänge auf das neue Abschluss-System umzustellen, ist der künftige Kurs des bayerischen Wissenschaftsministeriums noch nicht entschieden. Derzeit erlauben die Hochschulgesetze die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen zur Probe. Nach einer fünfjährigen Test-Phase wird jeder Studiengang einer Bewertung unterzogen.<BR><BR>Dem Bologna-Prozess auf der einen Seite stehe der gute Ruf des Diploms gegenüber, so eine Ministeriums-Sprecherin. Noch in diesem Jahr wolle Minister Thomas Goppel (CSU) im Gespräch mit den Hochschul-Chefs einer künftigen Weichenstellung näher kommen.<BR></P>

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