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Wer B-Ware als Schnäppchen kauft, sollte vorher gut auf das Kleingedruckte achten. Foto: Kai Remmers

Zweite Chance für Schnäppchenjäger: So funktioniert B-Ware

Im Online-Handel werden viele Produkte nicht nur als Neuware angeboten, sondern auch als sogenannte B-Ware. Damit lässt sich viel sparen. Etwas genauer hinsehen sollte der Kunde aber schon, sonst drohen böse Überraschungen.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Wer im Internet auf Schnäppchen-Jagd geht, stößt auf sogenannte B-Ware. Das sind Artikel, die oft als "wie neu" angeboten werden und kleine Schönheitsfehler haben: Mal ist die Originalverpackung beschädigt oder ganz weg, mal ist irgendwo ein Kratzer. Wer damit leben kann, kann oft Geld sparen.

Die Betonung liegt aber auf "kann" - denn nicht alles, was als B-Ware angeboten wird, ist wirklich ein Schnäppchen. Die Probleme fangen schon damit an, dass nicht klar ist, was sich hinter dem Begriff genau verbirgt. "Das kann alles Mögliche sein", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die kürzlich B-Ware in Online-Shops getestet hat. "Die Spannbreite bei dem Begriff ist sehr groß." Es kann eine Retoure sein, die vielleicht nie ausgepackt wurde. Es kann aber auch ein Ausstellungsstück sein, das ein Jahr im Laden gestanden hat oder sogar vom Hersteller repariert wurde."

"Wie sie das nennen, bleibt den Händlern überlassen", bestätigt Lena Kamprolf von der Stiftung Warentest. In manchen Shops seien diese B-Waren sogar etwas versteckt, da die Händler ja am liebsten Neuware verkaufen wollen. Aber es wird auch nicht jedes Produkt als B-Ware mit Preisnachlass angeboten. "Das ist in diesem Bereich nicht planbar", sagt Verbraucherschützer Tryba. "Man muss sich ein bisschen überraschen lassen, was auf dem Markt ist."

Damit es keine Enttäuschung gibt, sollte man vor allem die Artikelbeschreibung genau lesen, rät Kamprolf. Was sagt der Händler über das Gerät, auf welche Fehler, Mängel weist er hin? Eine genaue Beschreibung sei auch im Interesse der Händler, erklärt Tryba. Wenn das Produkt zu schön beschrieben werde, "dann geht der Schuss nach hinten los. Dann geht es wieder zurück und das kostet."

Für den Kunden hält sich das Risiko beim Kauf von B-Ware in Grenzen. Wie bei neuen Produkten gilt das sogenannte Widerrufsrecht, erklärt Kamprolf: "Wenn das Gekaufte dem Kunden nicht gefällt, kann er es innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen zurückschicken." Der Händler kann bei Gebrauchtware allerdings die Gewährleistung von zwei Jahren auf eins reduzieren. Von dieser Möglichkeit machen aber längst nicht alle Anbieter Gebrauch, sagt die Warentesterin.

Während der ersten sechs Monate liegt die Beweislast für Defekte immer beim Händler, das gilt auch bei B-Ware. Tritt in dieser Zeit ein Fehler auf, "muss der Händler beweisen, dass der beim Kauf nicht schon da war", erklärt Georg Tryba. Danach kehrt sich die Regelung um: Der Kunde muss also zeigen können, dass es den Fehler schon vor dem Kauf gab. In den meisten Fällen ist das schwer bis unmöglich.

Bei der B-Ware kann man zwar sparen, sicher ist das aber nicht. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen stellte bei ihrer Stichprobe fest, dass Neuware manchmal in einem anderen Shop billiger war als das Gebrauchtangebot beim Testkandidaten. "Dann ist B-Ware natürlich keine Alternative", sagt Tryba. "Wie immer gilt, nicht blind irgendwo zugreifen und irgendwelchen Prozenten oder durchgestrichenen Preisschildern trauen."

Noch günstiger wird es, wenn man bei Händlern oder Auktionsportalen im Netz auf sogenannte Refurbished-Produkte stößt. Das können Computer und Zubehör dafür sein, aber auch Handys und andere Elektronikartikel, die vom Händler oder Hersteller überprüft und überholt wurden. Meistens handelt es sich um Auslaufmodelle oder ältere Geräte etwa aus Leasing-Rückläufen, erklärt Tobias Arns, beim IT-Verband Bitkom zuständig für den Bereich E-Commerce: "Da findet man Geräte, die ein paar Jahre in einem Büro genutzt wurden und die man nun günstig bekommen kann." Manchmal gibt es die generalüberholte Ware auch direkt beim Hersteller.

B-Ware oder Refurbished-Produkte sind übrigens nichts, was es nur im Internet gibt. Der stationäre Handel kennt solche Angebote schon viel länger. "Der schlaue Kunde fragt nach Ausstellungsstücken und bei denen nach einem Rabatt", sagt Arns. Der Klassiker sei hier der Vorführwagen beim Autohändler.

Retouren und Ausstellungsstücke seien Teil des Geschäfts, erklärt Arns. "Ein professioneller Händler kalkuliert das ein." Manche Online-Händler verkaufen Retouren aber auch als Neuware. Das sei eine Grauzone, sagt Verbraucherschützer Tryba: "Was die Händler damit machen, ist ihnen freigestellt - und das kritisieren wir auch gar nicht."

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