Zwischen Bibeltreue und Church-Shopping

- "In God we trust" - das Bekenntnis zum Glauben steht nicht nur auf jeder US-Dollarnote, sondern prägt auch das Bewusstsein vieler Amerikaner. Bis in die Politik hinein habe Religion in den Vereinigten Staaten einen deutlich höheren Stellenwert als in den meisten westeuropäischen Gesellschaften, wie der Verwaltungswissenschaftler Professor Rainer Prätorius im Münchner Amerika-Haus erläuterte.

<P>Die derzeitige Regierung stehe unter dem Einfluss eines evangelikal ausgeprägten Protestantismus, so der Forscher von der Hamburger Bundeswehr-Universität bei der Vorstellung seines Buches "In God We Trust. Religion und Politik in den USA".<BR>Typisch für die auch von Präsident George W. Bush vertretene Glaubenshaltung ist laut Prätorius, dass die Gläubigen die Bibel wörtlich nehmen und sich Jesus als Erlöser hingeben.<BR><BR>Der Einfluss dieser aus den Südstaaten stammenden religiösen Haltung sei sehr stark, weil eine "Südverlagerung der Gesellschaft" stattgefunden habe. Viele Firmen seien in den vergangenen Jahren dorthin gezogen, Werteverständnis und politische Prozesse seien südstaatlich geprägt. "Auch fast die gesamte republikanische Führungsgarde stammt von dort", so der Professor.<BR><BR>Dass die Religion trotz der in der Verfassung festgeschriebenen Trennung von Staat und Kirche einen auffallend hohen Stellenwert habe, sieht er in der Geschichte der USA begründet. Noch heute genieße der Anspruch auf freie Ausübung des eigenen Glaubens, den viele Einwanderer in der Neuen Welt einst gesucht hatten, einen hohen Stellenwert.<BR><BR>Die Einflussnahme durch religiöse Gruppen hat allerdings ihre Grenzen, wie der Wissenschaftler betont. Weil ihnen die Zeit fehle, nähmen viele Amerikaner nicht am aktiven Gemeindeleben teil sondern betrieben "Church-Shopping": "Statt des Kirchgangs schauen sie abends eine DVD oder gehen in einen Internet-Chat mit religiösem Inhalt." Solche Gläubige seien letztendlich nur schwer dafür zu mobilisieren, die Interessen einer organisierten Glaubensgemeinschaft zu vertreten. <BR></P><P>Buchtipp: "In God We Trust. Religion und Politik in den USA."<BR>München, C.H. Beck, 2003. 206 Seiten, 12,90 Euro.<BR><BR></P>

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