VW-Finanzsparte
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Ein VW-Logo auf einer Fahne glänzt in der Sonne an einem Autohaus von Volkswagen.

Gebrauchte überbrücken Neuwagen-Engpass: Gewinn für VWFS

Kredit- oder Leasingraten fürs Auto wollte oder musste sich mancher Verbraucher 2020 sparen. Bei der VW-Finanztochter kehrt das Geschäft nun zurück, vor allem Gebrauchte sind gefragt. Die Vertragszahlen in der Heimat sinken etwas - das hat aber einen speziellen Grund.

Braunschweig - Der Abbau des Corona-Nachfragestaus und das anziehende Interesse an Gebrauchtwagen haben der Finanzsparte des VW-Konzerns das beste Betriebsergebnis in einem Halbjahr eingebracht. „Wir haben jetzt starke Nachholeffekte, die Menschen geben wieder mehr Geld aus“, sagte Finanzvorstand Frank Fiedler der Deutschen Presse-Agentur zur Zahlenvorlage am Mittwoch. „Es gab auch fast keine Ausfälle, nachdem wir letztes Jahr noch Stundungen und Moratorien mit einigen Kunden vereinbart hatten.“ Der recht robuste Wiederanlauf der Konjunktur Anfang 2021 habe „einen erheblichen Effekt“ ausgemacht.

Volkswagen Financial Services (VWFS) ist bei dem Autohersteller für Finanzierung, Leasing, Versicherungen und neue Dienste rund um meist konzerneigene Fahrzeuge zuständig. Darüber hinaus wird der Handel mit Gebrauchtwagen auch anderer Marken wichtiger, die Plattform Heycar gehört seit einigen Jahren dazu. Zuletzt profitierte VWFS davon, dass viele Verbraucher auch angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit eher nach einem gebrauchten statt nach einem neuen Auto Ausschau hielten.

Die Preise am Markt sind derzeit so hoch wie selten. Zudem gehen sehr viele der neuen Elektromodelle der ID-Serie von VW durch die Bücher von VWFS, die Restwerte auch dieser Autos werden als hoch angesehen. Ein breiteres Gebrauchtwagengeschäft oder mehrfache Leasingzyklen könnten über die Engpässe bei Neufahrzeugen hinweghelfen - dort gibt es noch lange Wartelisten und Ausfälle wegen des Mikrochip-Mangels. Fiedler meinte dazu: „Das produziert einen Run auf junge Gebrauchte.“

Insgesamt stand bei den Braunschweigern Ende Juni im laufenden Geschäft ein Rekordgewinn von 2,34 Milliarden Euro, wie schon in der vorigen Woche am Rande der VW-Konzernbilanz angedeutet worden war. Das ist mehr als doppelt so viel wie in den ersten sechs Monaten 2020, als Autohäuser und Werke wegen der Pandemie dicht waren. Die Lager füllten sich, immer mehr Geld war gebunden. Schließlich brach sich die Nachfrage wieder Bahn. Auch die Vorsorge für Kreditrisiken sank. Vor Steuern verdiente das Unternehmen gut 2,28 Milliarden Euro.

In Deutschland selbst zeigte sich - scheinbar - ein nicht ganz so starker Trend: Für Januar bis Juni nannte VWFS sowohl für die neuen Verträge als auch für den Bestand leichte Rückgänge um 1,0 sowie 1,2 Prozent, wohingegen die Neuabschlüsse in anderen Ländern Westeuropas, den USA oder China um 22 bis 44 Prozent zulegten. Über alle Regionen gesehen eilten die Zugänge (+23 Prozent) dem Bestand (+4 Prozent) spürbar voraus - bei letzterem entwickelten sich Dienstleistungen und Versicherungen stark, der klassische Autokredit hingegen stagnierte.

Laut Fiedler ist die Entwicklung im deutschen Hauptmarkt ebenfalls solide. Die geringen Rückgänge erklärten sich daraus, dass es hier im ersten Halbjahr 2020 noch ein relativ gutes Niveau gegeben habe.

Der Konzern will die Finanztochter mittelfristig auch in die geplante Mobilitätsplattform einbringen. Ziel sei ein Netzwerk von Diensten, „das alles für alle anbietet“, so Fiedler. Welche Rolle der Vermieter Europcar dabei möglicherweise einnehme, werde man erst noch sehen. VW will die französische Firma bis zum Jahresende wieder zurückkaufen.

Neue Geschäfte verspricht sich VWFS von sogenannten Auto-Abos. Diese sollen als eine Art flexibleres Kurzzeit-Leasing etwa Verbraucher an die E-Mobilität heranführen. In welchen Städten derweil Abos für bestimmte hinzugebuchte Funktionen getestet werden, ist noch offen.

Als Betriebsgewinn im gesamten Jahr peilt VWFS vier Milliarden Euro an. Fiedler sagte, er sehe in Anbetracht neuer Angebote und des starken Gebrauchtmarktes gute Chancen, ein solches Niveau zu halten. dpa

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