Keine Genehmigung

„Wiesn-Ersatz“ im Herzen der Stadt? KVR stellt sich quer: „Es ist ein kleiner Skandal“

Alle Autoren
    schließen
  • Michael Schleicher
    Michael Schleicher
  • Sarah Brenner
    Sarah Brenner
  • Lukas Schierlinger
    Lukas Schierlinger
  • Michelle Brey
    Michelle Brey

Auto-Kinos auf der Theresienwiese und im Münchner Norden? Das KVR hat entsprechenden Plänen vorerst eine Absage erteilt.

  • Das Oktoberfest 2020 wurde am 21. April offiziell abgesagt.
  • Eine Eventagentur will auf der Theresienwiese ein temporäres Auto-Kino eröffnen, ähnliche Pläne gibt es für den Münchner Norden.
  • Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) stellt sich quer.

Update vom 6. Mai, 8.40 Uhr: Nix wird‘s mit Auto-Kinos auf der Theresienwiese und im Münchner Norden! Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat entsprechenden Plänen eine Absage erteilt. „Der Besuch des Kinos mit dem Auto stellt keinen triftigen Grund zum Verlassen der eigenen Wohnung dar“, zitiert Bild einen KVR-Sprecher. Eine Genehmigung könne man demzufolge nicht erteilen.

Bei den Betroffenen herrscht Unverständnis. „Es ist ein kleiner Skandal, dass in Bayern die Regelungen vorsehen, dass Kunst und Kultur kein „triftiger Grund“ sind, um das Haus zu verlassen. Andere Wirtschaftsbereiche kommen sehr viel schneller wieder zum Zug“, sagt einer, der das Projekt im Münchner Norden vorantreiben wollte.

Beim KVR ist ein Umdenken offenbar erst möglich, wenn sich die Rechtslage bezüglich des Infektionsschutzes ändern sollte.

Nach langem Hin und Her bekommt München sein zweites Windrad. Der Riesen-Rotor soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Derzeit wird das Fundament für das Projekt vorbereitet.

Wiesn-Schock: Das Wiesn-Festzelt gibt es seit 1901 - nun ist wegen der Corona-Krise Schluss.* Auch ein Oktoberfest-Ersatz hätte nicht geholfen. Aber die Wirts-Familie blickt nach vorn.

Aiwangers „Wiesn-Plan“ macht Grünen-Politikerin fassungslos - Wird Theresienwiese bald SO genutzt?

19.10 Uhr: Die Eventagentur Gral möchte auf der Theresienwiese ein temporäres Autokino eröffnen. Durch die Wiesn-Absage wird der Platz schließlich für längere Zeit nicht gebraucht. „Wir wollen - wie viele andere Menschen - endlich mal wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben“, erklärt Eventmanager Alex Wolfrum.

Der Plan sieht vor, maximal 680 Autos mit je zwei Insassen pro Vorstellung vor der Leinwand zu parken. Diese misst 24 auf 12 Meter, hätte also eine Fläche von 288 Quadratmetern. Spielbeginn wäre mit Einbruch der Dunkelheit, maximal zwei Vorstellungen gibt es pro Abend. „Der Aufwand ist so enorm, dass wir jeden Tag spielen müssten“, erklärt Wolfrum. Dennoch rechnet er mit einem Ticketpreis von lediglich etwas mehr als zehn Euro pro Person. „Wir wollen der Couch zuhause etwas entgegensetzen.“ Zum möglichen Programm gibt er noch keine Auskunft. Nur so viel: aktuelle Kinofilme wie „Die Känguru-Chroniken“ sollen angefragt werden - und Helmut Dietls Kultserie „Monaco Franze“ ist für ihn ein Muss.

Sollte das Autokino genehmigt werden, könnte es in gut einem Monat heißen: Film ab! Wolfrum will die Anlage zudem für andere öffnen - von Gottesdiensten bis Konzerten sei vieles denkbar. Und warum die Theresienwiese? „Wir prüfen auch andere Standorte. Aber wir wollen ins Herz der Stadt - und in die Herzen der Münchner.“

Planen ein Autokino auf der Theresienwiese: ­Katrin Strauch und Alex Wolfrum von der Agentur Gral.

Wiesn-Absage wegen Corona-Krise: Trachtenhersteller geht in die Offensive - für guten Zweck

18.21 Uhr: Als erste Reaktion auf die Wiesn-Absage startet der Trachtenhersteller Amsel eine Aktion unter dem Motto: München trägt Tracht - jetzt erst recht! „Die Krise hat uns getroffen wie ein Schlag“, berichtet Amsel-Chef Philipp von Frankenberg. Immer mehr Händler hätten ihre Bestellungen storniert, „irgendwann ging’s ums nackte Überleben“. Nicht nur dem Münchner Modemacher brach über Nacht die Kundschaft weg. Auch andere Hersteller hängen seit Wochen in der Luft. „Designer, Künstler, die gesamte Bekleidungsbranche“.

In der Not kam Philipp von Frankenberg eine Idee. „Freilich machen wir während der Wiesn das größte Geschäft“, berichtet der Münchner, „aber eigentlich ist die Tracht doch ein zeitloses Gesellschaftsstück“. Mode, die auch fernab der Wiesn wunderbar funktioniert - hübsch ausschaut „und dabei auch noch alltagstauglich ist“. Damit stand das Konzept: „München trägt Tracht“ - eine Einladung zu mehr Tradition, zu neuer Lebenslust, Mitgefühl und Solidarität. Denn: Von jedem Trachtenteil, das während der Corona-Krise verkauft wird, will der Trachtenhersteller einen kleinen Betrag abzwacken und an die Münchner Tafel spenden.

Ein Leben ohne das Oktoberfest kann er sich offenbar nicht vorstellen. Auf die jüngst verkündete Wiesn-Absage hat ein Mann aus München auf seine Weise reagiert.

Aiwangers „Wiesn-Plan“ lässt Grünen-Politikerin fassungslos zurück: „Macht sich schon am Verhalten vieler bemerkbar“

12.55 Uhr: Hubert Aiwangers Vision von der „Mini-Wiesn“ (siehe Update von 9.55 Uhr) kann die Freisinger Stadträtin Susanne Günther rein gar nichts abgewinnen. Via Twitter attackiert die Grünen-Politikerin Bayerns Wirtschaftsminister scharf: „Solche Äußerungen sind derart kontraproduktiv, denn die Gefahr wird zunehmend marginalisiert. Und es macht sich schon am Verhalten vieler bemerkbar“. 

Günther hat dabei auch die jüngsten Entscheidungen in ihrem Landkreis nicht vergessen und will wissen:„Soll das (Aiwangers Wiesn-Version) dann so „klein“ werden, wie das Freisinger Volksfest, das gestern abgesagt wurde?“

Zuvor hatten sich auch Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU) und die Wiesnwirte ablehnend geäußert. „Die Veranstaltung eines Notfestes würde die Marke Oktoberfest nachhaltig beschädigen. Das Gesamtkunstwerk Oktoberfest gibt es entweder ganz - oder gar nicht“, sagte Baumgärtner. Wirtesprecher Christian Schottenhamel sagte: „Ein Oktoberfest light war für uns nie eine Option.“

Man bedenke, dass die bayerische Festkultur im Zusammenhang mit Starkbierfesten unter dem Verdacht steht, das Ausmaß der Krise im Freistaat erheblich mitbestimmt zu haben.

Update vom 22. April, 9.55 Uhr: Auf einen Veranstaltungsort hat sich Hubert Aiwanger noch nicht explizit festgelegt. Für Bayerns Wirtschaftsminister ist allerdings klar: Ein irgendwie geartetes Oktoberfest müsse es auch im Jahr 2020 geben.

„Es ist äußerlich bedauerlich, dass wir sagen müssen, dass die Wiesn für heuer abgeblasen ist. Das hinterlässt tiefe Kratzer auf der bayerischen Volksseele“, erklärt der 49-Jährige gegenüber Bild, macht aber allen Oktoberfest-Fans Hoffnung: „Ich bin unbedingt dafür, sich jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen, wie wir eine kleine Ersatz-Gedenk-Wiesn angehen können“.

Nach Oktoberfest-Absage: Doch noch Hoffnung? Aiwanger enthüllt interessanten Wiesn-Plan

Welche Bedingungen es dafür seiner Meinung nach benötige? Aiwanger nennt eine weitere Verbesserung des Infektionsgeschehens: „Wenn wir in den nächsten Wochen sehen – die Situation entspannt sich, wenn wir sehen: Die normale Gastronomie kann Schritt für Schritt wieder öffnen; d ann wäre es fatal zu sagen: Die Wiesn ist ersatzlos gestorben“.

Aiwanger trägt Mundschutz und glaubt an eine Wiesn-Alternative.

Bayerns Wirtschaftsminister schwebt für diesen Fall ein kleineres Event in „deutlich aufgelockerter Form“ vor. Aiwanger spricht von Tischen, die mit deutlichem Abstand platziert werden sollen, quasi „eine Oide Wiesn in die Breite gezerrt“. Ein möglicher Knackpunkt: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatten bei ihrer gestrigen Pressekonferenz deutlich gemacht, dass eine „Wiesn light“ in ihren Überlegungen keine Rolle spielt.

Nach Oktoberfest-Absage: Große Verwirrung um kuriosen Tweet - Findet die Wiesn an ganz anderem Ort statt?

Ursprungsmeldung vom 21. April:

München - Lange wurde darüber spekuliert, ob das Oktoberfest 2020 angesichts der aktuellen Corona-Lage wohl stattfinden wird oder nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich „sehr skeptisch“*, wollte eine Besprechung mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter abwarten. 

Was lange Zeit unklar blieb, wurde am Dienstag (21. April 2020) endgültig entschieden: Das Oktoberfest wird 2020 nicht stattfinden*. Doch nun sorgt ein Beitrag auf der Internet-Plattform Twitter für Aufregung. Soll das Oktoberfest etwa einfach nur örtlich verschoben werden?

Im exklusiven Interview mit der tz erklärt OB Reiter, wie es weitergeht - und ob die Wiesn 2021 nun sogar verlängert wird*.

Oktoberfest 2020: Coronavirus sorgt für Absage - Prüft NRW eine Ausrichtung?

Ein vermeintlicher Tweet von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet zieht die Aufmerksamkeit auf sich. 

Darin heißt es, dass die Versammlungsfreiheit eines der höchsten Güter der demokratischen Verfassung sei. „NRW prüft daher derzeit eine mögliche Ausrichtung vom #Oktoberfest 2020“. 

So ganz undenkbar wäre das Szenario - die Corona*-Krise und ihre Risiken einmal komplett außen vor gelassen - gar nicht. Schließlich kommt es immer wieder zu Zoff zwischen Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Zuletzt musste Angela Merkel Laschet im Ringen um Lockerungen einbremsen*.

Oktoberfest 2020: Fake Account von Armin Laschet sorgt für Verwirrung

Ein Twitter-User zeigte direkt seine Empörung und kommentierte den Tweet: „Das ist jetzt ja echt ein Witz, Armin #Laschet!“ 

Doch hier ist Vorsicht geboten! Denn es  handelt sich, wie man unschwer erkennen kann, nicht um den offiziellen Account von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident. Der Tweet wurde von einem Fake-Account online gestellt, was beim flüchtigen Lesen vielleicht der ein oder andere übersehen könnte. 

„Uff“, schrieb so beispielsweise jemand, „habe jetzt erst gesehen, dass es nicht der echte Account von Laschet ist.“ Gut kommt Laschet dennoch nicht weg, denn der User schrieb weiter: „Hätte es ihm aber abgekauft.“

Oktoberfest 2020: Kurioser Fake-Tweet sorgt für Lacher

Etliche Kommentare zeigen jedoch, dass der Großteil der Leser verstanden hat, dass ein Fake-Laschet auf Twitter sein Werk treibt.

„Ich kann nicht mehr“, schrieb eine Userin und fügte drei lachende Smileys hinzu. Ein anderer kommentierte: „Am geilsten ist immer diese Empörung von Leuten, die nicht checken, dass das nicht der echte Account ist“.

Ob das für den Betreiber des Fake-Accounts wohl noch ein Nachspiel haben wird?

---

Die Wiesn ist abgesagt, die Corona-Krise dringt immer mehr in den Alltag ein. Florian Thomä, Schausteller auf der Wiesn hat eine düstere Prognose - bis weit nach dem Oktoberfest.

München bekommt ein neues Pop-up-Autokino*. Dort sollen trotz Corona auch Partys und Konzerte möglich sein. 

Andere Länder, andere Sitten: Unterdessen wollte ein streng gläubiger Hindu in Indien die Corona-Pandemie mit einem bizarren Glaubensritual stoppen.

*tz.de und Merkur.de sind Teile des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Felix Hörhager

Auch interessant

Kommentare