Auf den Tiroler Pisten ist nachgemessen worden – und anschließend teils stark nach unten revidiert. Nach der Aufregung um zu großzügig angegebene Pistenkilometer im vergangenen Winter gibt es nun eine einheitliche Mess-Empfehlung für den gesamten Alpenraum. Die bayerischen Skigebiete reagieren darauf erfreut.

Abfahrtskilometer-Angaben

Die Pistentrickser bessern nach

Auf den Tiroler Pisten ist nachgemessen worden – und anschließend teils stark nach unten revidiert. Nach der Aufregung um zu großzügig angegebene Pistenkilometer im vergangenen Winter gibt es nun eine einheitliche Mess-Empfehlung für den gesamten Alpenraum. Die bayerischen Skigebiete reagieren darauf erfreut.

Der Stubaier Gletscher hat 48 Kilometer verloren, das Hochzillertal knapp 100. Sie sind zwei von einigen Tiroler Skigebieten, die diesen Winter nicht mehr mit dreistelligen Pistenkilometer-Angaben werben. Das verdanken sie einem deutschen Journalisten, der im Februar eine Diskussion um zu großzügig angegebene Pistenkilometer ausgelöst hatte. „Mit diesem Zeitungsartikel hat der ganze Zirkus angefangen“, sagt der Zillertaler Franz Hörl, der oberste Seilbahnvertreter Österreichs. Damals klingelte sein Telefon ständig. Vertreter aus Skigebieten, die genau nach Falllinie gerechnet hatten, ärgerten sich über die Skigebiete, die im Zick-Zack-Kurs messen oder breite Pisten doppelt zählen, um hohe Liftkartenpreise mit vielen Pistenkilometern zu rechtfertigen. Immer häufiger hörte Hörl die Forderung nach klaren Kriterien. Nach einer einheitlichen Richtlinie, die für Wintersportler einen Vergleich möglich macht.

Diese Richtlinie gibt es seit einigen Monaten. Sie ist eine Empfehlung des Betreiberverbands internationaler Bergbahnen – viele Skigebiete im gesamten Alpenraum haben seitdem nachgemessen. Oder wollen es diesen Winter noch tun. Und einige haben ihre Angaben im Internet inzwischen nach unten korrigiert. „Wir haben alle Messvarianten durchgespielt“, sagt Hörl. Auch die amerikanische Regelung, die Pistengröße in Hektar anzugeben, war im Gespräch. „Aber das ist für Skifahrer sehr schwer vorstellbar.“ Entschieden hat sich das Gremium letztendlich für die härteste Variante: die gerade Linie von oben nach untern. Sie sei am besten als Vergleich geeignet, sagt Hörl. Denn geübte Wintersportler fahren die Piste in kleineren Bögen herunter als Anfänger – damit sei jede Angabe im Zick-Zack-Kurs relativ. „Einige Skigebiete haben massiv korrigiert“, sagt Hörl. „Bei anderen gab es nur kleine Abweichungen.“

Die neue Richtlinie war zwar nur eine Empfehlung, aber in Zeiten, in denen im Internet über Google Earth jeder nachmessen kann „sei der Druck groß“, betont Peter Huber, Präsident des Verbands Deutscher Seilbahnen. Kein Skigebiet will als Schummler dastehen. In Deutschland werde es maximal kleine Abweichungen geben, ist Huber überzeugt.

Die Bayerische Zugspitzbahn AG hat bereits nachgemessen. Sie hat im Gebiet Garmisch-Classic mit 40 Kilometern geworben und diese Angabe nun bestätigt. Auf der Zugspitze ist Kilometerzahl von 22 auf 20 leicht reduziert worden, sagt Pressesprecherin Verena Lothes. „Grund dafür ist allerdings ein kleiner Umbau der Seilbahn.“

In den fünf Alpen-Plus-Skigebieten – Brauneck-Wegscheid, Wallberg, Spitzingsee-Tegernsee, Sudelfeld und Zahmer Kaiser – sind die Angaben schon mehrere Jahre alt, räumt Pressesprecherin Antonia Asenstorfer ein. „Wir werden diesen Winter mit GPS nachmessen.“ Allerdings vermutet sie, dass es kaum Abweichungen geben wird. „Wir haben uns bisher immer an der Liftlänge orientiert.“

Die bayerischen Skigebiete reagieren gelassen auf die neue Richtlinie, begrüßen aber, dass es nun eine Vergleichsmöglichkeit gibt. „Allerdings werben wir schon lange nicht mehr mit unseren Pistenkilometern“, sagt Asenstorfer. Dafür seien die bayerischen Skigebiete im Vergleich zu den österreichischen einfach zu klein. „Wir versuchen, Wintersportler mit Familienfreundlichkeit oder Hüttenkomfort zu uns zu locken.“ Auch die Zugspitzbahn AG setzt auf andere Kriterien wie beispielsweise die Modernität der Anlagen. „Aber ein kleiner Vorteil ist es natürlich für uns, dass jetzt alle nach derselben Messmethode Angaben machen“, sagt Asenstorfer. „Bis jetzt haben wir alle Äpfel mit Birnen verglichen."

Katrin Woitsch

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